Gegenwind für Claudia Roth

18. Juni 2018 14:28; Akt: 18.06.2018 14:33 Print

Deutsche Politikerin warnt vor zu viel WM-​​Jubel

Wie viel Patriotismus dürfen sich die Deutschen an der WM erlauben? Die Grüne Claudia Roth mahnt zur Zurückhaltung – und wird dafür angefeindet.

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Die Vizepräsidentin des deutschen Bundestags, Claudia Roth von den Grünen, hat ihre Landsleute während der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland zur Zurückhaltung ermahnt.

«Natürlich darf man sich freuen, wenn die deutsche Mannschaft gut spielt und gewinnt. Und ich will auch niemandem verbieten, ein Fähnchen aufzuhängen», sagte Roth in der Sonntagsausgabe des Berliner «Tagesspiegels». «Ich finde aber, dass es uns Deutschen gut zu Gesicht steht, wenn wir Zurückhaltung walten lassen mit der nationalen Selbstbeweihräucherung.»

Roth schlägt Kritik entgegen

Roth verwies in diesem Zusammenhang auf das Erstarken des Rechtspopulismus. Mit der AfD gebe es nun eine Partei, die die deutsche Fahne instrumentalisiere, um Ausgrenzung gegenüber anderen Menschen zu signalisieren. «Das lässt sich nicht einfach so ausblenden, das sollten wir im Blick haben. Deshalb: Feiern ja, Nationalismus nein.»

Die Reaktionen auf Roths Empfehlung ließen dann auch nicht lange auf sich warten. Sowohl andere Medien als auch Twitter-Nutzer und User anderer sozialer Netzwerke griffen Roths Äußerungen kritisch auf. Die «Welt» etwa nennt Roth in einem Kommentar süffisant «das moralische Ankerzentrum der Republik».

Der Medienanwalt, Blogger und dem rechten Spektrum zugerechnete Publizist Joachim Nikolaus Steinhöfel sieht in Roths Aussagen «kleinbürgerliches Unteroffiziersgehabe».

Andere Twitterer sehen das ähnlich.

Der liberalkonservative Journalist Roland Tichy sieht Roth auf einem «Feldzug gegen das miese Stück Scheiße-Land».

Doch die Grünen-Politikerin bekommt auch Unterstützung.

Am Sonntag hatten die Deutschen aber ohnehin nicht viel zu jubeln: Ihre Mannschaft verlor 0:1 gegen Mexiko.

(L'essentiel/20min/afp)