Türkisch-kurdischer Konflikt

13. März 2018 19:22; Akt: 13.03.2018 19:25 Print

In Deutschland brennen Moscheen – wegen Afrin?

Innerhalb weniger Tage kam es in Deutschland zu Brandanschlägen gegen türkische Einrichtungen und Moscheen. Die Polizei hat einen Verdacht.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

In Hannover haben Unbekannte in der Nacht auf Dienstag einen Brandanschlag auf zwei türkische Geschäfte verübt. Auf dem Gehweg fanden Ermittler einen Zettel mit dem handgeschriebenen Text «G.L. Afrin». Bereits in der Nacht auf Montag hatten im nordrhein-westfälischen Ahlen Unbekannte Brandsätze gegen ein türkisches Kulturzentrum und in ein davor abgestelltes Auto geworfen.

Damit setzte sich die Serie von Brandanschlägen auf türkische Einrichtungen in Deutschland fort. Zuvor hatte es Brandanschläge auf drei Moscheen in Berlin, im baden-württembergischen Lauffen und in Itzehoe in Schleswig-Holstein gegeben. Dort wurde parallel auch ein türkischer Gemüseladen mit einem Brandsatz attackiert. Ein weiterer Angriff galt einem türkisch-deutschen Freundschaftsverein im nordrhein-westfälischen Meschede.

Hinweise auf «extremistische kurdische Jugendorganisation»

Mittlerweile hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Ein politisch motivierter Hintergrund und ein Zusammenhang mit dem aktuellen türkisch-kurdischen Konflikt seien nicht auszuschließen, hieß es. So gehen die Ermittler inzwischen von kurdischen Tätern aus, zumindest bei den Anschlägen in Lauffen und Itzehoe. Dies, weil ein als authentisch angesehenes Video samt Text auf einer der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nahestehenden Internetseite auf eine «extremistische kurdische Jugendorganisation» hindeute. «Für einen fremdenfeindlichen Hintergrund gibt es im Moment allerdings wenig Ansätze», hieß es weiter.

Bereits am Wochenende hatten die Beamten mitgeteilt, dass sie einen Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen wegen der türkischen Offensive auf die kurdische Stadt Afrin in Syrien prüften. Wegen der Militäroperation gibt es seit Tagen in Deutschland, aber auch anderswo, immer wieder Demonstrationen von Kurden. Teils kommt es dabei zu gewalttätigen Protesten.

Deutschkurden: PKK – oder türkischer Geheimdienst?

Die Kurdische Gemeinde in Deutschland verurteilte die Anschläge scharf. Diese gefährdeten das Leben Unschuldiger sowie das friedliche Zusammenleben, erklärte sie in Berlin. Zudem schadeten sie dem Anliegen der Kurden.

Ihr Vorsitzender Ali Ertan Toprak rief alle Deutschkurden dazu auf, ausschließlich friedlich zu protestieren. Nach Angaben seiner Gemeinde tauchten zuletzt einige Schreiben in sozialen Netzwerken auf, die junge Kurden zu Gewalt gegen türkische Einrichtungen in Deutschland aufforderten.

Türkei bestellt deutschen Botschafter ein

Toprak betonte aber, es sei unklar, wer für diese Aufrufe verantwortlich sei. Neben dem Umfeld der PKK komme auch der türkische Geheimdienst MIT in Frage. Dieser versuche, «den kurdischen Interessen zu schaden und die Kurden zu kriminalisieren».

Die Türkische Gemeinde rief die Bundesregierung zu einem besseren Schutz von türkischen Einrichtungen und einer «zügigen Aufklärung» der Brandanschläge auf. Die Häufung sei «nicht überraschend», sagte der Vorsitzende Gökay Sofuoglu den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) laut Vorabmeldung vom Montag. Die Türkische Gemeinde werde zunehmend aus dem rechten Lager angefeindet und außerdem für die militärische Eskalation in Afrin verantwortlich gemacht.

Das türkische Außenministerium hat derweil den deutschen Botschafter einbestellt. Das Ministerium habe ihm eine Note überreicht und die «erforderlichen Mahnungen» ausgesprochen, sagte der türkische Regierungssprecher Bekir Bozdag am Montag nach einer Kabinettssitzung in Ankara.

(L'essentiel/gux/afp)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.