Schlusswort im NSU-Prozess

03. Juli 2018 14:28; Akt: 03.07.2018 14:31 Print

Zschäpe hat «mit diesem Kapitel abgeschlossen»

Erst zum zweiten Mal überhaupt hat die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, das Wort ergriffen. Nächste Woche soll das Urteil fallen.

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Das Oberlandesgericht München hat den Termin für die Urteilsverkündung im Prozess um den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) auf den 11. Juli festgelegt. Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe distanzierte sich in ihrem Schlusswort erneut von der rechten Szene.

Rechtes Gedankengut habe für sie «gar keine Bedeutung» mehr, sagte die 43-Jährige am Dienstag in ihrer selbst gesprochenen Aussage vor dem Oberlandesgericht München. «Mit diesem Kapitel habe ich abgeschlossen», wird sie von «Spiegel Online» zitiert. Zschäpe bekräftigte erneut, dass sie von den Taten ihrer mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt lange nichts gewusst habe.

«Das schreckliche Ausmaß der schrecklichen Taten»

«Bitte verurteilen Sie mich nicht stellvertretend für etwas, was ich weder gewollt noch getan habe», sagte sie an die Richter gewandt. Mundlos und Böhnhardt hatten sich bei ihrer Enttarnung das Leben genommen. Am 11. Juli soll das Urteil in dem mehr als fünf Jahre dauernden Verfahren gesprochen werden.

«Ich hatte und habe keine Kenntnis darüber, warum genau diese Menschen ausgewählt wurden», sagte Zschäpe mit Blick auf die Opfer. Sie habe Teile der Realität lange verdrängt. Sich am Ende den Behörden gestellt zu haben, sei «eine Art Befreiung» gewesen. Erst danach habe sie «Stück für Stück das schreckliche Ausmaß der schrecklichen Taten von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos» erfasst.

«Einen Abschluss finden»

Zschäpe hatte an mehr als 400 Prozesstagen zuvor nur einmal das Wort ergriffen. Für mehr habe ihr die körperliche und seelische Kraft gefehlt, sagte sie in der hastig vorgetragenen Erklärung. Sie habe das Gefühl, dass ihr jedes Wort falsch oder nachteilig ausgelegt werde. «Ich möchte nur noch eines: einen Abschluss finden, um irgendwann ein Leben ohne Ängste führen zu können.»

An die Angehörigen der Opfer gerichtet, von denen viele den Prozess immer wieder im Gerichtssaal verfolgt hatten, sagte Zschäpe: «Ich bin ein mitfühlender Mensch und habe sehr wohl die Not und Verzweiflung der Angehörigen sehen und spüren können. (...) Ich entschuldige mich für das Leid, das ich verursacht habe.» Sie habe gravierende Fehler gemacht und diese eingesehen.

Auf der Anklagebank sitzen neben Zschäpe weitere vier NSU-Helfer und -Unterstützer. Sie hielten ihre Schlussworte kurz, einer verzichtete ganz darauf. Carsten S., der geholfen haben soll, die Tatwaffe zu besorgen, erklärte: «Ich war damals nicht ich selbst.»

Morde aus Fremdenhass

Der NSU wird für zehn Morde, zwei Bombenanschläge und 15 Raubüberfälle verantwortlich gemacht. Das Motiv war in fast allen Fällen Fremdenhass. Die meisten Opfer waren türkischer und griechischer Abstammung.

Die deutsche Bundesanwaltschaft sieht Zschäpe als Mittäterin und hat lebenslange Haft mit Sicherungsverwahrung gegen sie beantragt. Zschäpes zwei Verteidigerteams halten sie für unschuldig, was die Morde und Anschläge angeht.

Unterschiedlich sehen die Verteidiger Zschäpes Schuld an den anderen Straftaten: Ihre drei ursprünglichen Pflichtverteidiger halten lediglich eine Strafe für einfache Brandstiftung für angebracht, ihre beiden Wunschverteidiger höchstens zehn Jahre Gefängnis wegen Beihilfe bei zahlreichen Überfällen. Zschäpe hatte 2011 ihr Wohnhaus angezündet, bevor sie sich der Polizei stellte.

(L'essentiel/mlr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ach... am 03.07.2018 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ach, na das ist doch nett, dass sie damit abgeschlossen hat. Das würden die Hinterbliebenen ihrer Opfer sicher auch gerne von sagen können. Diese Frau ist ein Monster.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ach... am 03.07.2018 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ach, na das ist doch nett, dass sie damit abgeschlossen hat. Das würden die Hinterbliebenen ihrer Opfer sicher auch gerne von sagen können. Diese Frau ist ein Monster.

    • Benni am 04.07.2018 11:32 Report Diesen Beitrag melden

      Der Prozess dauert schon viel zu lange. Hat mit dem Bommeleerprozess angefangen.

    • Colombo am 04.07.2018 15:47 Report Diesen Beitrag melden

      Am Bommeleeerprozess wird mit Hochdruck gearbeitet. Bald platzt ein Schlauch wegen dem hohen Druck.

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