Reise in Risikogebiet

27. Juli 2020 18:01; Akt: 27.07.2020 18:28 Print

Corona-​​Testpflicht für Risiko-​​Rückkehrer kommt

Sonne, Strand, Sorglosigkeit - das lässt die Corona-Infektionen in Deutschland wieder zunehmen. Deutsche die in Risikogebiete reisen sollen künftig zum Test gebeten werden.

storybild

Urlauber die aus Risikogebieten zurückkehren sollen künftig zum Corona-Test gebeten werden. (Bild: DPA/jan Woitas)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Reiserückkehrer aus Corona-Risikogebieten werden sich künftig auf das Virus testen lassen müssen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will eine entsprechende Pflicht anordnen, wie er am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin sagte. «Wir müssen verhindern, dass Reiserückkehrer unbemerkt andere anstecken und so neue Infektionsketten auslösen», sagte der CDU-Politiker. Die Tests sollen für die Reisenden kostenfrei sein. Die Bundesregierung rief die Bürger zu einem verantwortungsbewussten Handeln gerade auch im Urlaub auf, um die zuletzt gestiegenen Infektionszahlen wieder zu drücken.

Spahn teilte die Pläne seinen Amtskollegen aus den Bundesländern in einer Schaltkonferenz mit. Grundlage der Testpflicht ist demnach eine Regelung des Infektionsschutzgesetzes. Sie bezieht sich auf eine epidemische Lage von nationaler Tragweite, die der Bundestag für Corona festgestellt hatte. Die entsprechende Verordnung soll voraussichtlich in der nächsten Woche in Kraft treten.

Tiefstand soll erreicht werden

Kanzleramtsminister Helge Braun zeigte sich in Berlin besorgt über die wieder deutlich gestiegenen Infektionszahlen in Deutschland. Am Ende der Sommerzeit müsse man möglichst einen «Tiefststand an Infektionen» haben, um dann auch im Herbst und Winter gut durch die Pandemie kommen zu können, sagte der CDU-Politiker am Montag - ein halbes Jahr nach der bestätigten ersten Infektion in Deutschland.

«Von dem, was wir in den letzten Tagen erlebt haben, mit zum Teil über 800 Fällen am Tag, müssen wir wieder in eine Situation kommen, wo wir deutlich unter 500 liegen», betonte Braun. «Dann haben wir gute Ausgangsvoraussetzungen, um die Pandemie auch im Herbst zu beherrschen.» Andernfalls werde das schwieriger.

Größere Ausbrüche in Bayern

Derzeit gibt es in Deutschland einen großen Infektionsherd auf einem Gemüsebauernhof im bayerischen Mamming mit mehr als 170 positiv getesteten Erntehelfern. Fast 500 Menschen stehen dort nun unter Quarantäne. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte am Montag deutlich schärfere Strafen für Betriebe an, die gegen Hygieneauflagen verstoßen. Sie sollen dann 25.000 Euro statt bislang 5000 Euro betragen. Auch Söder rief eindringlich zum Einhalten der Regeln im Kampf gegen die Pandemie auf. Mehr Vorsicht sei auch bei Reiserückkehrern, Familienfeiern und Partygängern geboten. Auch der CSU-Chef forderte Pflichttests für Rückkehrer aus Risikogebieten.

Kanzleramtschef Braun sagte, neben den Problemen in der fleischverarbeitenden Industrie oder bei Saisonarbeitern gebe es viele kleinere Corona-Ausbrüche, ausgelöst im familiären Umfeld, durch Freizeitaktivitäten oder durch Reiserückkehrer. Wer sich in der Freizeit oder auf Reisen nicht an die allgemeinen Kontakt- und Abstandsregeln halte, riskiere nicht nur seine eigene Gesundheit. Es gehe auch um das Verbreitungsrisiko des Virus. «Und deshalb richtet sich ein solches Verhalten gegen das Gemeinwohl.»

Hinweis auf Quarantänepflicht

Braun wies darauf hin, dass es schon jetzt für Rückkehrer aus Corona-Risikoländern die Pflicht gebe, sich für zwei Wochen in Quarantäne zu begeben oder ein negatives Testergebnis vorzulegen. Dies gelte nicht nur für Flugreisende, sondern «egal auf welchem Weg man aus einem Risikogebiet nach Deutschland zurückkommt». In eine solche Quarantäne müssen sich auch Luxemburger begeben die nach Deutschland einreisen, wenn sie keinen Test mit negativem Ergebnis vorweisen können. Dieser Test darf allerdings nicht älter als 48 Stunden sein. Je nach Bundesland können die Regelungen unterschiedlich sein.

Ministerpräsident Söder sagte am Montag, der Bund müsse für Tests den rechtlichen Rahmen schaffen. Bayern bereite alles vor, um dann sofort starten zu können. Das Land richtet an drei Autobahn-Grenzübergängen zu Österreich sowie an den Hauptbahnhöfen in München und Nürnberg freiwillige Teststationen ein. An den Flughäfen dieser zwei Städte können sich Reisende bereits seit dem Wochenende kostenlos testen lassen. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt gibt es diese Möglichkeit zunächst noch nicht. Der Betreiber Fraport verwies am Montag auf ungeklärte Fragen zur Trägerschaft und Kostenübernahme.

(l'essentiel/dpa)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Julie am 27.07.2020 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich redet Bettel nicht schon wieder von "Alle sind ein Teil der Lösung" sondern sorgt dafür dass man hier zulande "Rückkehrer" ähnlich empfängt, oder lässt man sie wieder stillschweigend das Virus verbreiten wie Anfang des Jahres

Die neusten Leser-Kommentare

  • Julie am 27.07.2020 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich redet Bettel nicht schon wieder von "Alle sind ein Teil der Lösung" sondern sorgt dafür dass man hier zulande "Rückkehrer" ähnlich empfängt, oder lässt man sie wieder stillschweigend das Virus verbreiten wie Anfang des Jahres