In den Alpen

21. Mai 2020 19:42; Akt: 21.05.2020 19:46 Print

Der Thai-​​König und seine Corona-​​Trutzburg

Für den Thai-König hat Deutschland eine Extrawurst gebraten: Rama X. weilte trotz Coronakrise und Lockdowns in einem Luxushotel in Garmisch-Partenkirchen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Grand Hotel Sonnenbichl in Garmisch-Partenkirchen wirkt wie eine Trutzburg in Zeiten von Corona. Seit mehr als zwei Monaten sind die Herbergen und Hotels in Bayern wegen der Pandemie zwar geschlossen. Aber im Grand Hotel Sonnenbichl herrscht trotzdem Betrieb: Der König von Thailand und seine Entourage sollen sich hier, am nördlichen Rand eines der bekanntesten Alpen-Skiorte, einquartiert haben. Und das, obwohl der Monarch Maha Vajiralongkorn auch eine prunkvolle Villa mit angeblich 1400 Quadratmetern Wohnfläche in Tutzing am Starnberger See besitzt – nur 60 Kilometer von Garmisch entfernt.

Wie viel Zeit der 67-jährige Monarch, auch Rama X. genannt, im über 100 Jahre alten Traditionshotel verbracht hat, ist unklar. Doch dass er auch während der Corona-Krise zeitweise dort war, bestätigt das Landratsamt inzwischen. «Nach unserem Kenntnisstand hat sich der König Anfang Mai im Hotel aufgehalten», teilte der Sprecher Stephan Scharf der Deutschen Presse-Agentur zuletzt auf Anfrage mit.

Als Monarch oder als Tourist im Hotel?

Inzwischen gibt es aber Zweifel daran, ob der Aufenthalt der königlichen Delegation aus Thailand tatsächlich den Vorschriften entspricht. Das bayerische Gesundheitsministerium hatte am 17. März den Hoteliers im Land «die Zurverfügungstellung jeglicher Unterkünfte zu privaten touristischen Zwecken» untersagt. In der entsprechenden «Allgemeinverfügung» heißt es aber auch: «Hiervon ausgenommen sind Hotels, Beherbergungsbetriebe und Unterkünfte jeglicher Art, die ausschließlich Geschäftsreisende und Gäste für nicht private touristische Zwecke aufnehmen.»

Auf der Grundlage dieses Nachsatzes hat das Landratsamt dem Hotel eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Man gehe davon aus, «dass sich die Gästegruppe um das thailändische Königshaus und ggf. der König selbst nicht zu touristischen Zwecken im Grand Hotel Sonnenbichl aufhält», teilte die Behörde der dpa dazu schriftlich mit. Heißt das nun, der Monarch geht von Bayern aus seinen Staatsgeschäften nach? Oder ist er doch privat als Tourist in den Alpen unterwegs?

«Für thailändischen König wurde Extrawurst gebraten»

Das Auswärtige Amt in Berlin gibt darauf eine ziemlich klare Antwort: «Nach Angaben der thailändischen Regierung handelt es sich bei dem Aufenthalt seiner Majestät, Maha Vajiralongkorn Phra Vajiraklaochaoyuhua, des Staatsoberhaupts des Königreich Thailands, um einen Privataufenthalt», schreibt Staatssekretär Miguel Berger zu einer Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Margarete Bause.

Bause und Katharina Schulze, Grünen-Fraktionschefin im Landtag, verlangen nun von den bayerischen Behörden Aufklärung. Ferien und Tourismus seien deutschlandweit und monatelang wegen der Corona-Auflagen nicht möglich gewesen. «Für den thailändischen König wurde jedoch eine Extrawurst gebraten – und dies, obwohl er nach der klaren Aussage des Auswärtigen Amts doch privat in Deutschland weilt», so die Politikerinnen. «Diese Privilegien für einen Monarchen, die Ottonormalbürgern vorenthalten werden, verlangen nach einer Erklärung.»

«An Corona verrecken»

Eine Antwort der bayerischen Landesregierung zu dem Thema steht noch aus. Einen Rauswurf muss die königlichen Delegation im Sonnenbichl aber kaum befürchten. In gut einer Woche läuft die Corona-Verfügung für die Berherbergungsbetriebe in Bayern ohnehin aus. Dann dürfen auch Touristen wieder ganz regulär in den Hotels in Garmisch übernachten.

Der Aufenthalt des thailändischen Königs ist aber längst Gesprächs- und Wutthema. Landrat Anton Speer wird mit Hassmails und Drohbriefen eingedeckt, wie er deutschen Medien erzählt: «Da heißt es, ich sollte gesteinigt werden, an Corona verrecken». Er habe einige der Schreiber, die aus ganz Deutschland und auch den Niederlanden kommen, angerufen. «Die meisten waren klein mit Hut und haben sich entschuldigt.»

«Werde keinen Diplomaten 14 Tage in Quarantäne stecken»

Der Aufenthalt des Monarchen in den bayrischen Alpen dürfte eine rechte Herausforderung für die Lokalbehörden und das Grand Hotel Sonnenbichl gewesen sein. Offenbar musste man Rama X. und seine Entourage an Einhaltung der Corona-Vorschriften erinnern. So habe der König mit 30 Personen eine Fahrradtour unternehmen wollen, und Landrat Speer fuhr deswegen extra zum Hotel, um nach dem Rechten zu sehen. «Wir haben nochmals darauf hingewiesen, dass der König die Vorgaben einhalten muss», so Speer.

Es hilft natürlich wenig, dass Rama X. Diplomatenstatus genießt. «lch werde keinen Diplomaten 14 Tage in Quarantäne stecken», so der Landrat. «Da gelten schlichtweg andere Regeln.»

Playboy und Womanizer

Auch in Thailand kam nicht gut an, dass sich der König während der Krise im Ausland aufhält: «Für was brauchen wir einen König?», ärgerten sich viele auf Twitter.

König Maha Vajiralongkorn war im Mai 2019 gekrönt worden. Drei Jahre zuvor war sein Vater Bhumibol Adulyadej verstorben, der im Volk enorm beliebt war. Sein Sohn gilt seit jeher als Playboy und Womanizer. Er hat drei Ehen hinter sich und ist Vater von insgesamt sieben Kindern.

Neben seiner vierten Gattin ernannte er im Juli 2019 seine Geliebte zu seiner Neben-Gemahlin. Thailändische Monarchen dürfen mehrere Frauen haben. Drei Monate später verstieß er wieder, wobei er ihr alleTitel und Ränge entzog. Als Grund gab er an, dass sie sich gegen die Königin Suthida gestellt habe.

(L'essentiel/Ann Guenter)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kaa am 22.05.2020 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Déi Nouvellen därfen am Kinnek séngem Heemechtsland net emol ernimmt gin. Steet fir crime de lese majesté mat héijen Prisongs Strofen.

  • Pia am 24.05.2020 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    och fir dei gëllt et wann net elo dann eben speider .. a firwaat zeien verschidde Leit hire Schwanz bäi do wou Recht ass soll een dozou stoen!

  • Verdummung pur am 02.06.2020 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Nun, daran ist doch schon ganz deutlich zu erkennen: Geld regiert die Welt. Alles andere ist Nebensache, was dem dummen Staatsbürger vorgesetzt wird!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Verdummung pur am 02.06.2020 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Nun, daran ist doch schon ganz deutlich zu erkennen: Geld regiert die Welt. Alles andere ist Nebensache, was dem dummen Staatsbürger vorgesetzt wird!

  • Pia am 24.05.2020 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    och fir dei gëllt et wann net elo dann eben speider .. a firwaat zeien verschidde Leit hire Schwanz bäi do wou Recht ass soll een dozou stoen!

  • kaa am 22.05.2020 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Déi Nouvellen därfen am Kinnek séngem Heemechtsland net emol ernimmt gin. Steet fir crime de lese majesté mat héijen Prisongs Strofen.