Anschläge in Deutschland

21. Februar 2020 14:59; Akt: 21.02.2020 16:00 Print

Die blutige Spur der Rechtsextremen

Die Tat von Hanau war kein Einzelfall. In den letzten Jahren kam es in Deutschland immer wieder zu rechtsextremen Terroranschlägen.

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Der rechtsextreme Täter Tobias R. (43) hatte «eine zutiefst rassistische Gesinnung». Das sagte der deutsche Generalbundesanwalt am Donnerstag. Der Angriff ist Teil einer ganzen Reihe von rechtsradikalen Terroranschlägen, die Deutschland in den letzten Jahren erschütterten.

19. Februar 2020: Hanau

In Hanau fordert ein rechtsextremistischer Angriff auf zwei Shishabars neun Tote. Der Tatverdächtige, Tobias R. (43), wurde von den Ermittlern später tot aufgefunden. Vor seinem Suizid soll er auch seine Mutter getötet haben. «Er war intelligent, hatte aber bizarre Wahnideen», sagt Forensiker Andreas Frei über den Sportschützen.

Februar 2020: «Der harte Kern»

Eine Gruppe von 12 Männern, die sich selbst als «der harte Kern» bezeichnet, plante mutmaßlich Terroranschläge auf Moscheen. Dies wurde im Februar durch den «Spiegel» bekannt. Die Polizei nahm die Verdächtigen fest, vier gelten als Mitglieder, acht als Unterstützer. Diese Zelle habe sich «offenbar in kurzer Zeit radikalisiert», sagte ein Regierungssprecher. Der Anführer der Gruppe hatte in Auftrag gegeben, Waffen zu beschaffen und Anschlagsziele auszukundschaften.

9. Oktober 2019: Halle

Bei einem Angriff auf einen Kebab-Imbiss sterben zwei Menschen. Der schwer bewaffnete Täter, der 27-jährige Stephan B., hatte zuerst versucht, in einer Synagoge ein Blutbad unter den rund 80 Gläubigen anzurichten. Der Täter, der seine Tat live von einer Helmkamera streamte, scheiterte jedoch an der Sicherheitstür. Später gestand Stephan B. antisemitische und rechtsextreme Motive.

2. Juni 2019: Kassel

Der Regierungspräsident von Kassel, Walter Lübcke (CDU), wird schwer verletzt auf der Terrasse seines Hauses aufgefunden. Reanimationsversuche bleiben ohne Erfolg. Der 65-Jährige stirbt wenig später im Krankenhaus. Der tatverdächtige Neonazi Stephan E. legt wenig später ein Geständnis ab.

April 2017: Illkirch (F)

Franco A., ein Soldat der Bundeswehr, wird festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, «aus einer völkisch-nationalistischen Gesinnung heraus» einen Anschlag auf das Leben hochrangiger Politiker geplant zu haben, den er syrischen Flüchtlingen anlasten wollte, als solcher er sich auch ausgab. Zur Umsetzung seiner Pläne habe er sich vier Schusswaffen, mehrere tausend Schuss Munition und mehr als 50 Sprengkörper beschafft.

27. November 2017: Altena

Der Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein, wird von einem arbeitslosen Maurer bei einem Messerangriff verletzt. Die Ermittler gehen von einem fremdenfeindlichen Motiv aus. Hollstein verdankt sein Leben wohl dem Eingreifen eines Dönerladen-Besitzers und seines Sohnes. Zum Täter sagt er: «Er ist ein Werkzeug, ein Instrument. Die Rechte versucht, unseren Staat da anzugreifen, wo er angreifbar ist», wie SRF berichtet.

22. Juli 2016: München

Im Olympia-Einkaufszentrum erschießt der 18-jährige Deutsch-Iraner David S. neun Menschen und sich selbst. Der Täter kannte seine Opfer nicht, wählte sie aber offenbar aufgrund ihres Aussehens aus. Der Angriff richtete sich gegen Menschen, die für den Täter «türkisch» oder «balkanstämmig» aussahen.

26. September 2016: Dresden

Vor einer Moschee und dem internationalen Kongressgebäude werden zwei Anschläge mit selbst gebauten Sprengsätzen verübt. Nur durch Zufall wird niemand verletzt. Der Täter, ein ehemaliger Aktivist der fremdenfeindlichen Pegida, wird 2018 zu zehn Jahren Haft verurteilt.

17. Oktober 2015: Köln

Henriette Reker, Kölner Oberbürgermeisterin, wird von Frank S. (45) mit einem Jagdmesser angegriffen. Sie überlebt das Attentat schwer verletzt. Der Attentäter wird schließlich zu 14 Jahren Haft verurteilt. Wie die vorsitzende Richterin sagt, habe er «ein Signal gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung setzen wollen».

2000 bis 2007:

Mitglieder des «Nationalsozialistischen Untergrundes» (NSU) ermorden neun Migranten und eine Polizistin. Sie verüben 43 Mordversuche, 15 Raubüberfälle und drei Sprengstoffanschläge. Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, wird im Juli 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Fall sorgte für große Betroffenheit, aber auch für Kritik an den Ermittlern. Denn die Behörden gingen lange davon aus, dass die NSU-Morde im Milieu der organisierten Kriminalität anzusiedeln seien. Die Opferanwältin kritisierte im Zschäpe-Prozess gar, dass der zuständige Verfassungsschutz an einem Mord gar mitgewirkt und die Täter bewusst geschützt habe.

(L'essentiel/dk)

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