Islamfeinliche Bewegung

17. Februar 2020 21:00; Akt: 17.02.2020 22:09 Print

Höcke bei Pegida -​​ Kaum noch Widerstand der AfD

Wenn Pegida zum 200. Mal in Dresden auf die Straße geht, ist ein treuer Anhänger der ersten Stunde mit dabei: Björn Höcke von der AfD.

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Björn Höcke (M), Fraktionsvorsitzender der AfD in Thüringen, steigt nach seiner Rede auf einer Kundgebung der AfD in sein Auto, während Pegida-Vize Siegfried Däbritz (r) danebensteht. (Bild: DPA/Sebastian Willnow)

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Für Björn Höcke läuft es im Moment richtig gut. Die Thüringer AfD-Landtagsfraktion steht geschlossen hinter ihm, dem Vorsitzenden. Nach der Landtagswahl bestätigten die 22 Abgeordneten den Mann aus Nordrhein-Westfalen einstimmig als Fraktionschef. Auch außerhalb von Thüringen finden sich kaum noch AfD-Funktionäre, die Lust haben, sich offen mit Höcke und seinem rechtsnationalen «Flügel» anzulegen. Eine der wenigen Ausnahmen ist Frank-Christian Hansel, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, der sich mit Inbrunst an Höcke abarbeitet.

Dass der Thüringer AfD-Chef jetzt einer Einladung von Pegida-Organisator Lutz Bachmann gefolgt ist, ärgert zwar einige Parteifreunde – darunter auch Hamburger Wahlkämpfer. Viel Gegenwind gibt es aber nicht. Sein Auftritt bei dem Bündnis in Dresden sorgt in der Sitzung des Parteivorstandes am Montag zwar für kontroverse Diskussionen. Ein Beschluss wird dann am Ende aber doch nicht gefällt. Dass Höcke im Moment weniger innerparteiliche Kritik anhören muss als sonst, liegt vor allem daran, dass der Schachzug seiner Fraktion bei der Ministerpräsidenten-Wahl in Erfurt vielen AfD-Politiker Respekt abgenötigt hat. Und zwar auch solchen, die sich vom völkischen Pathos seiner Reden sonst eher abgestoßen fühlen.

Pegida ist eingeschlafen

Dass die AfD bei der Wahl des Regierungschefs von Thüringen Anfang Februar erst einen eigenen parteilosen Kandidaten aufstellte, um dann – für die anderen Fraktionen wohl überraschend – ihre Stimmen dem FDP-Politiker Thomas Kemmerich zu geben, mögen andere für destruktiv halten. In der AfD kam diese Aktion, die heftige Stürme in CDU und FDP nach sich zog, sehr gut an. «Wir gratulieren der AfD Thüringen zu ihrem umsichtigen politischen Verhalten», sagte Parteichef Tino Chrupalla. Vor diesem Hintergrund kann sich Höcke einen Auftritt bei den selbst ernannten «Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes» leisten, ohne größeren Ärger befürchten zu müssen.

Für die islamfeindliche Pegida-Bewegung ist Höckes Besuch in Dresden, der bundesweite Aufmerksamkeit verspricht, ein Geschenk. Denn mehr als fünf Jahre nach ihrer Gründung hat die Bewegung viel an Zuspruch eingebüßt. In Dresden stoßen die Kundgebungen, die nicht mehr jeden Montag stattfinden, nur noch gelegentlich auf zählbares Interesse. Anderswo ist die Bewegung komplett eingeschlafen. Für viele Anhänger ist die Luft offenbar raus.

Höcke sagt «danke»

Zum fünften Geburtstag von Pegida im vergangenen Herbst hatte der Dresdner Politikwissenschaftler Hans Vorländer die Bewegung als «Stammtisch auf der Straße» charakterisiert. Er sagt, Pegida sei zu einem «Ritual verkommen», das sich verselbstständigt habe. Die Bedeutung der Bewegung sei dramatisch gesunken, der Fokus liege nun auf der AfD. Ihren Höhepunkt hatte Pegida am 12. Januar 2015 erreicht. Damals kamen 25.000 Anhänger in der Innenstadt von Dresden zusammen.

Höcke, der auch Parteivorsitzender in Thüringen ist, hat immer wieder deutlich gemacht, dass er die ausländerfeindliche Pegida-Bewegung schätzt. 2016 sagte er in einer Parteitagsrede: «Ohne sie wäre die AfD nicht, wo sie ist. Ich sage danke.»

Merkel «ist nicht würdig»

Bachmann hat nach der Spaltung des ursprünglichen Pegida-Organisationsteams einen strammen Rechtskurs eingeschlagen. Den meisten Applaus erhalten er und seine Gesinnungsgenossen, wenn ordentlich gehetzt wird. Vieles ähnelt einer Inszenierung. Wenn ein Redner auf die Medien zu sprechen kommt, kommt von den Anhängern als Echo «Lügenpresse» zurück. Wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwähnt, ertönt der Ruf «Volksverräter». Das war auch so, als Höcke im Mai 2018 erstmals bei Pegida in Dresden zu Gast war. Von den Anhängern wurde er damals wie ein Heilsbringer gefeiert, obwohl sich viele vom Thüringer AfD-Rechtsaußen wohl mehr Deftiges erwartet hatten.

Höcke rechnete damals mit Merkel ab, ohne ihren Namen nennen zu wollen: «Sie ist nicht würdig, und sie ist es nicht wert, dass wir ihren Namen aussprechen», sagte er. Das allerdings stellte die Pegida-Anhänger vor eine schwierige Situation. Denn der «Merkel-muss-weg»- Sprechchor ist nun einmal ihr Lieblingsspruch.

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kritiker am 18.02.2020 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Nun, wenn Roth von den Grünen bei Demonstrationen mitläuft u. kräftig mitbrüllt: "Deutschland du Stück Scheise verrecke"................!!!!

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  • Glückshormon am 18.02.2020 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Antwort an Sylvie, Höcke als Faschist betitteln zu können, muß bei dir wohl Glückshormone verursachen!!!

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  • Kritiker am 18.02.2020 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Antwort an Sylvie, Deine Hetze gegen Andersdenkende ist brandgefährlich u. erinnert an den Nationalsozialismus, den du ja so gerne bekämpfst!!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beobachter am 19.02.2020 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Redaktion Nee, bei dieser undemokratischen Däumchenmanipulation soll wohl die Meinungsfreiheit beschnitten werden u. die Lust am Kommentieren von einer nicht zu habenden Meinung beschnitten werden. Nunja, was ist denn anderes von T-online erwarten. Bundesregierungs Liebling!!!

    • Ach, Kritiker am 20.02.2020 11:57 Report Diesen Beitrag melden

      Genau! Rettet die Däumenchenfreiheit und den Rechtsanspruch auf korrekte Däumchen! Däumchenmanipulation ist die schlimmste Menschenrechtsverletzung der Neuzeit!

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  • Glückshormon am 18.02.2020 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Antwort an Sylvie, Höcke als Faschist betitteln zu können, muß bei dir wohl Glückshormone verursachen!!!

    • Xtreme am 18.02.2020 14:59 Report Diesen Beitrag melden

      Kritiker, finden Sie Rechtsextremismus eigentlich gar nicht schlimm?

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  • Kritiker am 18.02.2020 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Antwort an Sylvie, Deine Hetze gegen Andersdenkende ist brandgefährlich u. erinnert an den Nationalsozialismus, den du ja so gerne bekämpfst!!!!

    • Antwort an Kritiker am 18.02.2020 14:55 Report Diesen Beitrag melden

      Sylvie hätte die Nationalsozialisten der 30er und 40er Jahre als faschistische Brandstifter bezeichnet, hätten Sie da was dagegen gehabt?

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  • Sylvie am 18.02.2020 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig genug dass die Ossis solchen faschistischen Brandstiftern wie Höcke so zahlreich wählen.

  • Kritiker am 18.02.2020 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Nun, wenn Roth von den Grünen bei Demonstrationen mitläuft u. kräftig mitbrüllt: "Deutschland du Stück Scheise verrecke"................!!!!

    • Saupreis am 18.02.2020 09:39 Report Diesen Beitrag melden

      Ja genau, so war es. Und ich habe gesehen wie Sie neulich durch die Stadt gelaufen sind und gerufen haben: "Ich glaube alles was am Stammtisch erzählt und auf dubiosen rechten Internetportalen geschrieben wird."... Ich habe Sie mit eigenen Augen gesehen und jetzt steht es im Internet, das stimmt also.

    • Claudia Roth kann Rechtschreibung am 18.02.2020 13:56 Report Diesen Beitrag melden

      Saupreis, du verstehst gar nix, wenn Claudia Roth irgendwas brüllt, ist die einzige Lösung Bernd Höcke, was hast du denn erwartet :D

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