Ende von Jamaika

20. November 2017 07:00; Akt: 20.11.2017 07:04 Print

Lindner liest Botschaft mit zitternden Händen

Um fünf vor zwölf tritt der FDP-Chef Christian Lindner vor die Medien. Seine Worte, welche Deutschland erschüttern, hat er sicherheitshalber auf einem Zettel notiert.

FDP bricht Jamaika-Verhandlungen ab: Das vollständige Statement des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner. Video: Tamedia/ZDF heute journal

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Seine Worte hat sich FDP-Chef in Deutschland, Christian Lindner, sicherheitshalber auf einem Zettel notiert. Seine Hände zittern, als er um fünf vor zwölf die Botschaft verliest, welche das Land erschüttert: «Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren.» Damit brachte Lindner das Experiment Jamaika mit einem Satz zum Scheitern.

Mehr als vier Wochen hatten CDU, CSU, FDP und Grünen in Deutschland um Kompromisse gerungen. Allein am Sonntag sassen die Unterhändler noch einmal fast 13 Stunden zusammen. Dann stoppten die Liberalen abrupt den Verhandlungsmarathon, der bis zum Schluss von Vorwürfen, Misstrauen und Streit geprägt war.

Begleitet von seinem ganzen Team trat Lindner vor die Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin, wo die Parteien seit Sonntagmorgen verhandelt hatten. «Den Geist des Sondierungspapiers können und wollen wir nicht verantworten», verkündete Lindner. Kaum fünf Minuten dauerte der Auftritt, dann eilten Lindner und seine Parteifreunde in die nasskalte Berliner Nacht davon.

Traum geplatzt

Zurück blieben in den hell erleuchteten Räumen einigermassen überraschte CDUler, CSUler und Grüne. Gemeinsam stehen gelassen worden zu sein, schweißte offensichtlich zusammen. Es gab Umarmungen und Schulterklopfen. Eine Stunde nahmen sich Union und Grüne Zeit, dann traten sie vor die Presse. Nicht zusammen, aber doch kurz hintereinander an dieselben Mikrofone.

Die Sätze klangen ähnlich: Von großem Bedauern war die Rede und davon, wirklich kurz vor einer Einigung gestanden zu haben. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel betonte, eine Lösung wäre auch beim Streitthema Zuwanderung möglich gewesen. Eine Einigung sei «zum Greifen nahe» gewesen, sagte auch der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer. Und Grünen-Chef Cem Özdemir bestätigte: «Eine Verständigung wäre möglich gewesen.»

Historischer Tag für Deutschland

Der schwarz-grüne Schulterschluss war nicht selbstverständlich: Denn in den vergangenen Tagen hatte es mehrfach drei zu eins gegen die Grünen gestanden. In vielen Fragen betonten gerade CDU, CSU und FDP ihre Einigkeit. Damit war es in der Nacht zu Montag vorbei.

Damit war besiegelt, was Merkel nach dem ersten Schock einen «fast historischen Tag» nannte. Die Kanzlerin steht nun vermutlich vor Neuwahlen – und der wohl schwierigsten innenpolitischen Herausforderung ihrer zwölfjährigen Amtszeit.

(L'essentiel/chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mutti am 21.11.2017 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man nicht selbst erkennt, dass seine Zeit abgelaufen ist und niemand sich traut es demjenigen zu sagen muss das Volk halt noch deutlicher sprechen beim nächsten Wahlgang. Besonders in Parteien mit dem "C" scheint diese Selbsterkenntnis oft lange zu brauchen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mutti am 21.11.2017 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man nicht selbst erkennt, dass seine Zeit abgelaufen ist und niemand sich traut es demjenigen zu sagen muss das Volk halt noch deutlicher sprechen beim nächsten Wahlgang. Besonders in Parteien mit dem "C" scheint diese Selbsterkenntnis oft lange zu brauchen.