WM-Jubel in Deutschland

19. Juni 2018 20:23; Akt: 19.06.2018 20:26 Print

Linke Jugend ruft zum Flaggen-​​Diebstahl auf

Solid, die Jugendorganisation der deutschen Linkspartei, propagiert die Zerstörung von WM-Flaggen. Auf Facebook schießt sie dabei ein Eigentor.

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Während der Fußballweltmeisterschaft zieren viele Deutsche ihre Autos, Balkone und sich selbst mit Nationalflaggen in allen Größen und Formen – so weit, so unspektakulär, schließlich ist das in der Schweiz und anderen Teilnehmer-Ländern nicht anders. In der deutschen Politik mehren sich jedoch die Stimmen, die in dem sportlichen Patriotismus eine Gefahr sehen.

Nicht nur der Grünen-Politikerin Claudia Roth, auch Solid, der Jugendorganisation der Linkspartei, missfallen die vielen Deutschlandfahnen. Anders als Roth belässt es Solid aber nicht bei verbal geäußerter Kritik. In ihrer Aktion «Deutschland knicken» ruft die Organisation dazu auf, Nationalflaggen und Fähnchen zu stehlen. Die Initianten nennen das einen «Aufruf zur kritischen Intervention im nationalen Fahnenmeer».

Gegenwind auf Facebook

Ihre Begründung: Es handle sich nicht um «harmlosen Partypatriotismus». Vielmehr trete das «Mitfiebern für das eigene Team» hinter den «Stolz auf ein ganzes Land». Das führe zur Ausgrenzung von Minderheiten. Weiter behauptet Solid: «Wagt man es sogar, das Spektakel als Nationalismus zu bezeichnen, sind wüste Beleidigungen und Gewaltandrohungen nicht weit.»

Auf Facebook stellt die Jugendorganisation die Frage: «Wie steht ihr dazu, wenn Deutschlandfahnen im öffentlichen Raum abgeknickt werden?» Der Tenor in den Hunderten Kommentaren ist eindeutig: pures Unverständnis. «Seit wann diskutiert man denn, ob es in Ordnung ist, das Eigentum anderer Menschen zu zerstören?», fragt eine Kommentatorin, und ein anderer User schreibt: «Ich verstehe mich selbst als links denkenden Menschen (...). Aber warum man so verbittert sein muss, den Menschen den Jubel um die eigene Nationalmannschaft nicht zu gönnen, das erschließt sich mir nicht.» Das deutsche Team sei ein Musterbeispiel für ethnische Vielfalt und die Menschen auf den Fanmeilen hätten nichts mit Nationalismus zu tun, so der Kommentator.

Andere finden noch deutlichere Worte: «Also das soll mal einer von euch bei mir machen. Dem knick ich was anderes ab.» Unterstützende Kommentare muss man dagegen mit der Lupe suchen. «Schaue gerne Fußball, aber dieser Nationalismus (...) unter dem Deckmantel ‹harmloses Feiern› ist einfach nur ekelhaft», schreibt eine Kommentatorin.

Für die Organisation könnte der Aufruf auch rechtliche Konsequenzen haben: Ende vergangener Woche hat die Junge Union (JU) Wiesbaden, die zur Jugendorganisation der Union aus CDU und CSU gehört, Strafanzeige gestellt. «Unsere Flagge steht für Einigkeit, Freiheit und Demokratie – ist es das, wogegen die Linksjugend vorgehen möchte?», zitiert «Hessen Depesche» den Wiesbadener JU-Vorsitzenden Dennis Friedrich.

Die Patriotismus-Debatte während eines Fußballereignisses sei indes nicht neu, schreibt die «Welt». Bereits bei der Fußball-Europameisterschaft 2012 habe Solid zu einer ähnlichen Aktion aufgerufen. Eine Berliner Antifa-Gruppe habe sogar eine Broschüre mit Tipps zum Fähnchen-Klauen veröffentlicht. Die Jugendorganisation der Grünen habe damals Aufkleber mit einer durchgestrichenen Deutschlandfahne und der Aufschrift «Patriotismus? Nein danke!» verteilt.

(L'essentiel/mlr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • john am 27.06.2018 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Antifa as dat selwecht Gesocks wei d Neonazien.

Die neusten Leser-Kommentare

  • john am 27.06.2018 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Antifa as dat selwecht Gesocks wei d Neonazien.