Holocaust

26. Januar 2020 16:56; Akt: 26.01.2020 17:21 Print

Müssen Deutsche KZ-​​Gedenkstätten besuchen?

Nur jeder zweite Deutsche hat sich mindestens einmal in einem ehemaligen KZ ein Bild von den Gräueltaten der Nazis gemacht. Junge Leute fänden Pflichtbesuche gut.

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KZ-Häftlinge wurden in Güter- und Viehwaggons in Lager gebracht. Das zu sehen und nicht nur zu hören, verändert das Verständnis. (Bild: DPA/Markus Scholz)

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Eine deutliche Mehrheit der Deutschen ist dafür, alle Schüler zum Besuch eines ehemaligen Konzentrationslagers der Nazis zu verpflichten. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sprachen sich 56 Prozent für solche Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten mindestens einmal während der Schulzeit aus. Nur 34 Prozent sind dagegen. 10 Prozent machten keine Angaben.

Die Umfrage mit mehr als 2000 Teilnehmern ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Vor allem die jungen Erwachsenen, die die Schulzeit noch nicht lange hinter sich haben, wünschen sich die Pflichtbesuche. Von den 18- bis 24-Jährigen sind fast zwei Drittel (64 Prozent) dafür. Aber auch in allen anderen Altersgruppen plädiert eine Mehrheit dafür.

Ältere Menschen haben seltener eine KZ-Gedenkstätte besucht

Nur 55 Prozent der erwachsenen Deutschen haben der Umfrage zufolge mindestens einmal ein ehemaliges Konzentrationslager besucht. Interessant dabei: Je älter die Befragten, desto geringer ist der Anteil derjenigen, die schon einmal in einer KZ-Gedenkstätte waren. Von den 18- bis 24-jährigen sind es 67 Prozent, von den über 55-Jährigen nur 49 Prozent.

In Auschwitz war von allen Befragten bisher nur jeder Fünfte (21 Prozent). An diesem Montag jährt sich die Befreiung des größten Vernichtungslagers der Nazis durch die Rote Armee zum 75. Mal. Allein dort brachten die Nationalsozialisten mehr als eine Million Menschen um. Der Holocaust kostete insgesamt rund sechs Millionen Juden das Leben. Sie wurden von den Deutschen erschossen und in Gaskammern ermordet oder starben an den Folgen von Hunger, Krankheit und Erschöpfung.

Der Zentralrat der Juden hatte sich erstmals vor fünf Jahren für verpflichtende Besuche von Schülern in KZ-Gedenkstätten ausgesprochen. Danach hatte es immer wieder entsprechende Forderungen auch von Politikern unterschiedlicher Parteien gegeben. Einige Experten argumentieren, ein Zwang könnte pädagogisch kontraproduktiv sein.

Tendenziell gibt es in der Bevölkerung das Bedürfnis nach einer stärkeren Thematisierung des Völkermords an Millionen Juden in der Schule. Laut YouGov-Umfrage finden 36 Prozent der Deutschen, dass sie in ihrer Schulzeit zu wenig darüber gelernt haben. Dagegen finden nur 7 Prozent, das Thema habe zu großen Raum eingenommen. 47 Prozent sagen, sie seien im Schulunterricht ausreichend über den Holocaust informiert worden.

37 Prozent finden, das Thema sollte künftig einen größeren Raum in den Lehrplänen einnehmen. Nur 13 Prozent meinen dagegen, man sollte sich in der Schule weniger damit befassen.

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel am 26.01.2020 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Was gerne vergessen wird: Greueltaten und Genozide gab es schon immer und haben rein gar nichts mit einer bestimmten Nationalität oder oder einer bestimmten Religion zu tun. Vielmehr kann sich so etwas leider jederzeit immer wieder irgendwo auf der Welt wiederholen. Einen Pflichtbesuch, den ich persönlich sehr sinnvoll fände, kann man aber nur in der Schule einbauen.

  • Kritiker am 26.01.2020 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Was in der Hitlerzeit geschah ist schrecklich, aber irgendwann muß auch mal ein Schlußstrich gezogen werden; zumal ja auch andere Länder Greultaten geschahen. Erwähnt sei hier, was mit den Indianer in Amerika geschah etc. Es ist unmöglich, wenn deutsche Politiker ihr eigenes Nest beschmutzen u. dafür jeden Deutschen als Nazi Verbrecher abstemplen. Was in der Vergangenheit geschehen ist, ist Geschichte u. sollte auch als solches behandeln werden.

  • jimbo am 26.01.2020 21:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    99% vn den däitschen wou haut nach Liewen hun näischt mei domat ze dinn. Firwat MUSS een dann dohinnergoen wann en dat och KANN.... dat brengt dei Doudeg och net mei zreck.... a Jugendlecher fannen nach ganz aner Sachen gutt, dat heescht awer net dass een dat mache muss...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jack am 28.01.2020 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wat as mam Völkermord vun sabra an schatila. An den Gefangenelager Atlit, Camp 1391, Ansar, Holotan, all deene selegen folterlager an israel, hei get mat 2erle moß gemoßt. An dat as et wat sou eppes wei der Afd Wieler brengt. Oder komm mer schwätzen mol iwwer kontroll vun den Banken an Finanzmärt. Mais nee dat well keen, dat sin jo alles verschwörungstheorien. Ne?????

  • Mio am 28.01.2020 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Muss ? Nee mä een den well soll sech et unkucken goen ! Mä all dei Trollen dei den A......H ..... verherrlechen missten en Lager net nemmen besichen mä eng Woch ennert denen Konditiounen lierwen , wei demols ! Denken dann haalen se op esou en Brach zespakken ! Ech war een KZ besichen den Strutthof zu Natzweiler an esou baal ech drun denken och lo an desem Moment sinn dei Biller an Geröch esou präsent ! Hun Treinen an den Aaen wann ech un all dei Verstuerwen denken dei do gelidden an gesturwen sinn ! Erbärmlech an onfirstellbar ! Et soll drun erennert ginn et as een Deel vun der batterster Geschicht , et huet existeiert an geheiert zum 2 Weltkrisch ! An esou eppes dirf nie mei gescheien !

  • Julie am 27.01.2020 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Die Deutsche Regierung ahnt fürchterliches, der 1. und 2. Weltkrieg hatten quasi den gleichen Ursprung, laut letzten Umfragen in Deutschland ist jeder 4. antisemitisch, der Unterschied zu damals ist dass im Moment die Wirtschaft noch brummt, nicht zu vergessen die AFD sitzt im Bundestag und gewinnt immer mehr Wahlen, dabei steigt Höcke langsam aber sicher auf, er zieht rechtsradikale magisch an, er würde genau da weiter machen wo Hitler aufgehört hat, ja Genozid gab und gibt es überall auf der Welt, kein Grund nicht dagegen anzugehen !

    • Daniel am 28.01.2020 00:23 Report Diesen Beitrag melden

      Noch schlimmer: Es gibt in der AfD eine jüdische Gruppe. Und die AfD setzt sich auch noch für Israel ein, übrigens gegen den Widerstand der anderen Parteien. Wie paßt das denn zusammen? --- Aber in einem Punkt bin ich bei Ihnen: Genozide müssen verhindert werden!

    • Saupreis am 28.01.2020 11:07 Report Diesen Beitrag melden

      Natürlich passt das zusammen. Es gab auch im Dritten Reich jüdische Deutsche die aus verschiedensten Gründen anfänglich die Nationalsozialisten unterstützt und gefeiert haben.

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  • jimbo am 26.01.2020 21:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    99% vn den däitschen wou haut nach Liewen hun näischt mei domat ze dinn. Firwat MUSS een dann dohinnergoen wann en dat och KANN.... dat brengt dei Doudeg och net mei zreck.... a Jugendlecher fannen nach ganz aner Sachen gutt, dat heescht awer net dass een dat mache muss...

  • Kritiker am 26.01.2020 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Was in der Hitlerzeit geschah ist schrecklich, aber irgendwann muß auch mal ein Schlußstrich gezogen werden; zumal ja auch andere Länder Greultaten geschahen. Erwähnt sei hier, was mit den Indianer in Amerika geschah etc. Es ist unmöglich, wenn deutsche Politiker ihr eigenes Nest beschmutzen u. dafür jeden Deutschen als Nazi Verbrecher abstemplen. Was in der Vergangenheit geschehen ist, ist Geschichte u. sollte auch als solches behandeln werden.