AfD im Bundestag

24. November 2017 08:32; Akt: 24.11.2017 11:13 Print

Wieso ignorierten die Medien Weidels erste Rede?

AfD-Frontfrau Alice Weidel kritisierte die Euro-Rettungsschirme. Ihre allererste Rede im Bundestag stieß auf auffallend wenig Interesse.

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Als die AfD in den Bundestag einzog, war die Aufregung groß. Jetzt werde zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg eine extreme Rechtspartei ins Parlament einziehen und damit, so schrieben die deutschen Medien fast durchs Band, werde sich die politische Debatte zum Schlechteren ändern.

Man hätte vor diesem Hintergrund gespannt sein können, wie die erste Rede der AfD-Spitzenkandidatin und ehemaligen Goldman-Sachs-Managerin im Bundestag aufgenommen wird. Nur ist das nicht geschehen: Die Medien hätten den Auftritt weitestgehend ignoriert, wie der Branchendienst «Meedia», der sich mit Medienthemen befasst, bemerkte.

Tatsächlich konzentrierte sich die große Mehrheit der deutschen Medien auf die noch immer gescheiterte Jamaika-Koalition und auf die Schlichtungstreffen zwischen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und den Parteienvertretern. Das sind bestimmt auch sehr wichtige Themen.

«Mainstream trifft hier leider zu»

Dennoch steht die fehlende mediale Aufmerksamkeit für Weidels Rede in keinem Verhältnis zur AfD-Aufregung nach der Bundestagswahl. «Das meist böse gemeinte Wort vom Mainstream trifft hier leider zu», schließt daraus der Mediendienst.

Gut: Weidels Rede gehörte in ihr Standardrepertoire und überraschte insofern inhaltlich wenig. Wie an ihren Wahlauftritten kritisierte sie die Euro-Rettungschirme, die die EU ihrer Ansicht nach unter Umgehung von Verträgen Gesetz und das Urteil des Verfassungsgerichtes durchstiere.

«Und ich frage Sie», so Weidel, «haben Sie eigentlich alle gar kein Unrechtsbewusstsein mehr?» So viel Dramatik lassen sich die Medien normalerweise nicht entgehen. Möglicherweise ignorierte man Weidels Rede, um ihr die mediale Präsenz zu rauben, die man ihr im Vorfeld der Wahlen vom September im Übermass zugestanden hatte.

«Wegschauen ist irritierend und falsch»

Dennoch: «Die erste Rede der AfD-Abgeordneten wäre ein Nachrichtenthema gewesen und ein Thema für Analyse und Kommentar. Man muss ja nicht gut finden, was sie sagt», schreibt «Meedia».

«Dieses massive Wegschauen ist irritierend und falsch», zumal das wegen den sozialen Medien nicht funktioniere: Weidels Rede wurde auf Facebook über 230.000 Mal angeschaut und über 1200 Mal gelikt.

Viel Applaus erhielt die 38-Jährige im Übrigen nur von der Fraktion der AfD. Diese war vollständig erschienen, während die Plätze aller anderer Parteien «seltsam lückenhaft besetzt, um nicht zu sagen weitgehend leer schienen», wie es im «The European» heißt.

«Die gerechtfertigte Präsenz»

Apropos leere Sitze: Eine mediale Verzerrung leistete sich an jenem Tag auch die AfD. Stunden vor Weidels Rede – der Bundestag debattierte gerade den Auslandseinsatz im Südsudan – stellte der AfD-Abgeordnete Jürgen Pohl ein Foto auf Twitter, das die vollen Reihen bei der AfD und die unbesetzten Reihen bei den anderen Fraktionen dokumentieren sollte.

«Unsere Soldaten sind Thema im Bundestag. Den Altparteien ist es egal. Die Ränge sind leer. #AfD Fraktion zeigt die gerechtfertigte Präsenz» schrieb Pohl dazu.

Die Realität deckte sich damit allerdings nicht, wie «Bento» schreibt: Fast zur gleichen Zeit aufgenommene Fotos der Deutschen Presse-Agentur sowie ein Screenshot des Parlamentsfernsehens wiederlegen die angeprangerten leeren Ränge und damit die angebliche Gleichgültigkeit das fehlende Interesse der «Altparteien».

Sie verdeutlichen vielmehr, was Perspektive, Momentaufnahmen und ein Bundestag, dessen Sitzungen immer in Bewegung sind, alles ausmachen können. Überzeugen Sie sich in der Bildstrecke selber davon.

(L'essentiel/gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sylvie am 24.11.2017 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so, diese Weidel, genau wie die ganze rechtsradikale AfD muss man ignorieren!!!

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  • sputnik am 24.11.2017 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @ Sylvie Grundlage der Stärkung dieser Partei ist , weil dieses Volk alles ignoriert hat betreffend Merkel‘s Politik die nicht nur die BRD sondern auch die EU gegen die Wand fährt. Sie schafft es, ja das schafft Sie die AFD zu stärken indem sie das Volk übergeht und ihr süppchen inklusive den Grünen hirnis selber kocht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • sputnik am 24.11.2017 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @ Sylvie Grundlage der Stärkung dieser Partei ist , weil dieses Volk alles ignoriert hat betreffend Merkel‘s Politik die nicht nur die BRD sondern auch die EU gegen die Wand fährt. Sie schafft es, ja das schafft Sie die AFD zu stärken indem sie das Volk übergeht und ihr süppchen inklusive den Grünen hirnis selber kocht.

  • Sylvie am 24.11.2017 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so, diese Weidel, genau wie die ganze rechtsradikale AfD muss man ignorieren!!!

    • John Doe am 24.11.2017 10:53 Report Diesen Beitrag melden

      Nur so zur Info: Dr. Carsten Brennecke (hoecker.eu): „Vertraglicher Unterlassungsschuldner ist die Bundesrepublik Deutschland. Weder die Kanzlerin, noch ihre Minister oder die Bundesbehörden dürfen die AfD als rechtsextrem benennen, egal ob in Stellenanzeigen oder anderswo. Die Bundesrepublik muss sicherstellen, dass alle Bundesbehörden hierüber offiziell informiert werden, damit es zu keinen weiteren Rechtsverletzungen kommt. Anderenfalls wird eine Vertragsstrafe fällig.“

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