Anschlagsserie

07. November 2017 07:40; Akt: 07.11.2017 07:47 Print

So unterschiedlich reagiert Trump auf Gewalt

Binnen einem Monat kommt es in den USA zu drei Anschlägen. Wie reagierte der US-Präsident jeweils darauf – und wieso handelt er sich deswegen Kritik ein?

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Es ist üblich und wichtig, dass sich Staatschefs nach nationalen Tragödien äußern, Mitgefühl und Anteilnahme zeigen. US-Präsident Donald Trump musste dies innerhalb kürzester Zeit gleich dreimal tun: Anfang Oktober beim Maßaker von Las Vegas mit fast 60 Toten, gut einen Monat später beim Lastwagen-Anschlag von New York mit acht Todesopfern und jetzt, keine Woche danach, bei der Schießerei in einer texanischen Kirche mit 27 Toten.

Auf die drei tödlichen Vorfälle reagierte Trump auf seinem bevorzugten Kommunikationskanal Twitter unterschiedlich:

Las Vegas

Stunden nach der Tragödie von Las Vegas twitterte er :

«Mein herzlichstes Beileid und Mitgefühl für die Opfer und Familien der schrecklichen Schießerei in Las Vegas. Gott schütze euch!»

Am nächsten Morgen teilte er aus dem Weißen Haus mit: «In Momenten der Tragödie und des Horrors kommt Amerika als eins zusammen – so wie immer.»

Nach einer Verschärfung des US-Waffenrechtes gefragt, ließ er durch seine Sprecherin mitteilen, dass es der falsche Zeitpunkt für diese Diskussion sei, man werde sich damit «zu gegebener Zeit befassen.»

New York

Nach dem Anschlag setzte Trump innerhalb 24 Stunden zehn Tweets ab: «Es scheint, als ob es in New York eine weitere Attacke durch eine sehr kranke und gestörte Person gegeben hat. Die Sicherheitsbehörden verfolgen den Vorfall genau. NICHT IN DEN USA!»

«Der NYC-Täter war glücklich, als er verlangte, die IS-Flagge in seinem Krankenhauszimmer aufzuhängen. Er tötete 8 Menschen, verletzte 12 schwer. ER SOLLTE DIE TODESSTRAFE ERHALTEN!»

Später bezeichnete er den Attentäter als «entartetes Tier», das er, wie er in einem weiteren Tweet schreibt «... am liebsten nach Guantánamo schicken» würde.

«Es ist aber auch angemessen, ihn dort zu behalten, wo er sein schreckliches Verbrechen begangen hat. Es sollte schnell gehen. TODESSTRAFE!»

Dazu verurteilte der US-Präsident die US-Einwanderungsgesetze als zu lasch, benannte den demokratischen Senator Chuck Schumer als einen der Verantwortlichen für das «Diversity Visa Lottery Program» und bezeichnete das US-Justizsystem als «Witz» und «Lachnummer», das «diese Tiere» «zu langsam» und «zu lasch» bestrafe.

Während das Weiße Haus nach dem Maßaker von Las Vegas keine Notwendigkeit für eine Debatte zur Verschärfung der Waffengesetzgebung sah, kündigte Trump nach dem Terroranschlag von New York auf Twitter umgehend Verschärfungen bei den Einreisekontrollen an.

Texas

Die Kirchenschießerei ereignete sich, während Trump auf Staatsbesuch in Japan weilte. Er twitterte in zwei Posts:

«Möge Gott mit den Menschen von Sutherland Springs, Texas sein. Das FBI und die Gesetzeshüter sind vor Ort. Ich verfolge die Lage von Japan aus» und «Amerikaner tun, was wir am besten tun: wir kommen zusammen. Wie reichen uns die Hände. Wir haken uns unter und stehen trotz Tränen und Traurigkeit zusammen.»

An einer Pressekonferenz sagte er: «Das war ein sehr gestörtes Individuum.» Danach gefragt, ob nun eine Änderung des Waffenrechts anstehe, sagte Trump: «Wir haben viele Probleme mit geistiger Gesundheit in unserem Land, wie in anderen Länden auch», aber: «Es gibt kein Problem mit Schusswaffen.»

Was bei den Tweets auffällt:

Indem der US-Präsident den beiden weißen Attentätern von Las Vegas und Sutherland Springs ihre geistige Gesundheit in Abrede stellt, entbindet Trump sie ein Stück weit auch von der Verantwortung für die Taten. Ihre unpolitischen Anschläge werden unaufgeregt unter die fast schon alltäglichen Blutbäder im Land verbucht.

Der Attentäter von New York ist für ihn dagegen ein «entartetes Tier» – und der islamistisch-terroristische Hintergrund der Tat verlangt ihm zufolge vehement nach sofortigen politischen Schritten wie die Abschaffung der Green-Card-Lottery.

Das bemängeln Trumps Kritiker:

Trumps Kritikern zufolge nutzt der US-Präsident den Terror jeweils sofort für seine eigene Agenda, geht es indes um das für Republikaner unantastbare Waffengesetz, müssen «Gebete und Gedenken an die Opfer» reichen.

Bei Maßenschießereien durch einen weißen Schützen rufe er zur Einheit auf, bei Terroranschlägen durch Einwanderer hingegen zielten seine Tweets auf «Spaltung und Schuldzuweisungen» ab, wie der «Guardian» schreibt.

CNN fasst die Diskussion folgendermaßen zusammen: «Trump ist mehr als willens, tragische Vorfälle für sich zu nutzen, wenn sie seiner politischen Agenda und seinen Überzeugungen entsprechen. Tun sie das nicht, ignoriert er solche Vorfälle. So einfach ist es.»

(L'essentiel/gux)

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