Geld oder kein Schutz

11. Juli 2018 07:21; Akt: 11.07.2018 07:24 Print

Nato-​​Staaten zittern vor dem Gipfel mit Trump

Wird der US-Präsident die Schutzgarantie an Bedingungen knüpfen? Vor dem Nato-Gipfel sorgt Trump für Zähneklappern in Europa.

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Nato-Gipfeltreffen waren früher langweilige Rituale. Damit hat US-Präsident Donald Trump aufgeräumt. Vor der heute in Brüssel beginnenden Zusammenkunft wissen die übrigen Regierungschefs der Nato-Staaten nicht, was auf sie zukommt. Sie fürchten Schlimmes.

Seit Amtsantritt kritisiert Trump, dass viele europäische Mitglieder der Nordatlantischen Allianz zu wenig Geld für die gemeinsame Verteidigung ausgeben. Gestern twitterte er lapidar knapp: «Nato-Staaten müssen MEHR zahlen, die Vereinigten Staaten müssen WENIGER zahlen. Sehr unfair!»

Putin-Treffen «einfacher»

Hoch über den Wolken ging er auf dem Flug nach Europa sogar noch weiter und stellte die Frage, ob säumige Staaten allenfalls den USA geschuldetes Geld zurückzahlen werden. Die Regierungen der betroffenen Staaten fürchten aber nicht nur Geldforderungen. Sie wollen an der Nato-Zusammenkunft keinen Clash mit Trump wie am G-7-Gipfel vergangenen Monat in Kanada. Vor allem zittern sie angesichts Möglichkeit, dass Trump diesen Missstand zum Anlass nehmen könnte, an Amerikas Schutzgarantie für Europa zu rütteln.

Der US-Präsident wird nach Brüssel auch London anfliegen und dort die angeschlagene Premierministerin Theresa May besuchen. Nächsten Montag will er dann in Helsinki mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammenkommen. Nichts illustriert den verheerenden Stand der transatlantischen Beziehungen besser als Trumps Bemerkung gestern: «Von allen Treffen könnte das mit Putin das einfachste werden.»

Truppenabzug diskutiert?

Während die USA 3,57 Prozent ihres Bruttosozialprodukts (BSP) für die Verteidigung ausgeben, übertreffen nur Griechenland, Großbritannien und Estland den 2014 vereinbarten Mindestanteil von zwei Prozent. Verärgert ist Trump vor allem über Deutschland: Es gibt bloß 1,24 BSP-Prozent fürs Militär aus und verspricht nur, bis 2025 den Stand von 1,5 Prozent zu erreichen. Berlin argumentiert, dies sei dennoch mehr Geld, als irgend ein anderes Nato-Mitglied mit Ausnahme der USA ausgebe.

Nach amerikanischen Medienberichten prüft das Pentagon, wie und zu welchen Kosten die Zahl von gegenwärtig 35.000 amerikanischen Aktivsoldaten in Europa verringert werden kann. Die US-Botschafterin bei der Nato dementiert jedoch, dass ein Truppenabbau überhaupt zur Diskussion stehe.

«Wie Schutzgelderpressung»

Beunruhigend ist für die Europäer die Möglichkeit, dass Trump – wie schon mit Südkorea und Japan – Deals anstreben könnte, die Sicherheit und Handel miteinander vermengen, schreibt die «New York Times». Im Fokus stünde wiederum Deutschland, das im Handel mit den USA einen riesigen Überschuss erzielt. Die Europäer könnten die kollektive Sicherheit nicht wie eine Transaktion von der Handelspolitik abhängig machen, argumentiert Robin Nibbelt, Direktor der Londoner Denkfabrik Chatham House. «Es fühlt sich an wie eine Schutzgelderpressung.»

Angesichts der Bedrohung vor allem Osteuropas durch Russland steht viel auf dem Spiel. «Ehrlich gesagt, niemand weiß wirklich, wie sich Trump auf dem Gipfel verhalten wird», sagt der frühere Nato-Botschafter der Slowakei, Tomas Valasek zur «Times». «Seine Unberechenbarkeit ist kein Nebenprodukt, sondern beabsichtigt.»

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brummi am 11.07.2018 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wünsche ihm auf jeden Fall am Abend ein hartes Bett in Brüssel.

  • Dimitrij am 12.07.2018 03:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schutz vun den Amerikaner???? Keen Mënsch brauch déi Krichsdreiwer Natioun,genau esou wéi déi Nord Atlantesch Terror Organisatioun.Et misst Schutz virun den Amerikaner an net vum Amerikaner heeschen,dat géif besser passen.Keen anert Land ass méi oft am Krich oder fänkt Kricher un ewéi Usa. Zënter 1776(Grënnung vun den USA), also an 242 Joer, schonn 225 am Krich. Se sollen hieren ganzen Schrott apaken deem se weltwäit stationéiert hunn an Heem goen. Wou ass Russland eng stänneg Bedrohung??? Just an deem kranke Kapp vum Amerikaner,soss néierens. Den Trump ass villäicht op den Friddensnobelprais ewéi den Obama aus.Deen kritt een anscheinend jo neierdéngs nach just wann een Kricher ufänkt an ganz Länner an den Misère stierzt.Oder wéi den Amerikaner et nennt , Demokratie an déi Länner brengen.

  • Denkfabrik am 11.07.2018 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Heen soll sich mol bei Dmax die Sendung vun Steel Buddies unkuken,da geseit heen waat die Amerikanesch Arméi alles ewech geheit,waat nach nei as.An dan sin die meescht Kricher entstaan wengst reng Amerikanischen Interressen. Die heeschen herno all Friddensmission an daueren onendlich,well Amerikaner nit verhandelen können oder wöllen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dimitrij am 12.07.2018 03:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schutz vun den Amerikaner???? Keen Mënsch brauch déi Krichsdreiwer Natioun,genau esou wéi déi Nord Atlantesch Terror Organisatioun.Et misst Schutz virun den Amerikaner an net vum Amerikaner heeschen,dat géif besser passen.Keen anert Land ass méi oft am Krich oder fänkt Kricher un ewéi Usa. Zënter 1776(Grënnung vun den USA), also an 242 Joer, schonn 225 am Krich. Se sollen hieren ganzen Schrott apaken deem se weltwäit stationéiert hunn an Heem goen. Wou ass Russland eng stänneg Bedrohung??? Just an deem kranke Kapp vum Amerikaner,soss néierens. Den Trump ass villäicht op den Friddensnobelprais ewéi den Obama aus.Deen kritt een anscheinend jo neierdéngs nach just wann een Kricher ufänkt an ganz Länner an den Misère stierzt.Oder wéi den Amerikaner et nennt , Demokratie an déi Länner brengen.

  • Manni am 11.07.2018 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trump ist ein unberechenbarer Kriegstreiber. Die Nato auflösen, ein Europäisches Verteidigungsbündnis schaffen und das ganze US Militär in Europa nach Amerika Great verschiffen!

  • Denkfabrik am 11.07.2018 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Heen soll sich mol bei Dmax die Sendung vun Steel Buddies unkuken,da geseit heen waat die Amerikanesch Arméi alles ewech geheit,waat nach nei as.An dan sin die meescht Kricher entstaan wengst reng Amerikanischen Interressen. Die heeschen herno all Friddensmission an daueren onendlich,well Amerikaner nit verhandelen können oder wöllen.

  • John Doe am 11.07.2018 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Zitat: "Angesichts der Bedrohung vor allem Osteuropas durch Russland steht viel auf dem Spiel." Echt jetzt? Man sollte mal das Verhältnis der russischen Militärbasen auf dem Planeten gegenüber den amerikanischen vergleichen. Desweiteren sollte man sich vor Augen führen wie viele blutige Kriege vum US Imperium ausgingen (mit Unterstützung von Politikern in Europa (und mit Steuergeldern, die ungefragt, sprich unerlaubt, dafür benutzt worden sind))...

  • John Doe am 11.07.2018 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Zitat: "Deutschland: Es gibt bloß 1,24 BSP-Prozent fürs Militär aus und verspricht nur, bis 2025 den Stand von 1,5 Prozent zu erreichen. Berlin argumentiert, dies sei dennoch mehr Geld, als irgend ein anderes Nato-Mitglied mit Ausnahme der USA ausgebe." Zu diesem Thema sollte man sich Berichte über den katastrophalen Zustand der deutschen Armee ansehen... Kaputte Hubschrauber/Flieger, kaputte Panzer, kaputte U-Boote, kaputte Bewaffnung. Bei anderen Armeen ist dies nicht der Fall, wo geht dieses deutsche Geld also wirklich hin?