Finanzmarkt

06. Juli 2012 11:01; Akt: 06.07.2012 11:08 Print

Zinssenkung verpufft, Börsen erneut im Minus

Die historische Senkung des Leitzinses vom Donnerstag hat offenbar nicht die erhoffte Wirkung gebracht. Die Ernüchterung an den Börsen setzt sich fort.

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Für Verunsicherung sorgt aus Sicht von Ökonomen, dass die Notenbank ihren geldpolitischen Spielraum bereits fast ausgereizt hat. (Bild: DPA)

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Die historische Zinssenkung der Europäischen Zentralbank ist an den Märkten wirkungslos verpufft: Die Ernüchterung an den Börsen setzte sich am Freitag zunächst fort, die deutschen Aktien starteten mehrheitlich mit Verlusten in den Handel.

Dabei hatte die EZB am Donnerstag erstmals in der Geschichte des Euro den wichtigsten Zins zur Versorgung der Banken mit Zentralbankgeld unter die Marke von 1,0 Prozent auf 0,75 Prozent gesenkt.

Doch während die Erwartung auf diesen im Euroraum beispiellosen Zinsschritt tagelang die Investoren beflügelt hatte, folgte auf die tatsächliche Ankündigung am Donnerstag Ernüchterung: An den Börsen geht es seither bergab, der Euro schwächelt und die Risikoaufschläge für Anleihen der Krisenländer Italien und Spanien zogen an.

Geldpolitischer Spielraum aufgebraucht?

Die Märkte hatten den Zinsschritt bereits eingepreist, und zusätzliche außergewöhnliche Maßnahmen wie den massiven Kauf von Staatsanleihen erwartet. Doch dazu hielt sich EZB-Präsident Mario Draghi bedeckt. Er ließ ebenfalls offen, ob die Notenbank das Bankensystem abermals mit einer weiteren «Dicken Bertha» - also mit riesigen Summen billigen Geldes - fluten wird.

Für Verunsicherung sorgt aus Sicht von Ökonomen, dass die Notenbank ihren geldpolitischen Spielraum bereits fast ausgereizt hat: Der Leitzins liegt mit 0,75 Prozent niedriger als in der tiefen Rezession nach der Lehmann-Pleite, was die Märkte auch als Hinweis auf die dramatische wirtschaftliche Lage verstehen könnten. Der Zins für Übernachteinlagen bei der EZB wurde auf null Prozent gesenkt. «Angesichts der bereits niedrigen Zinsen wird der Zinsschritt der Wirtschaft in Euroland nicht viel Erleichterung bringen», urteilte die Bank Unicredit.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer betonte: «Nach den gestrigen Zinssenkungen hat die EZB bei der konventionellen Geldpolitik fast das Ende der Fahnenstange erreicht.» Allerdings sei die Wirtschaft des Euroraums nicht wegen zu hoher EZB-Zinsen in die Rezession gefallen, sondern weil die von der Staatsschuldenkrise ausgehende Unsicherheit auf Unternehmen und Konsumenten übergesprungen sei: «Daran kann die EZB mit noch niedrigeren Leitzinsen nichts ändern.»

(L'essentiel Online/dpa)

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