Putschversuch

18. Juli 2016 07:27; Akt: 18.07.2016 22:17 Print

«Es gibt das Verbrechen des Verrats»

Akin Öztürk hat laut Staatsmedien seine Beteiligung an einem Umsturzversuch eingeräumt. Zwei private Sender widersprechen. Alle weiteren Informationen hier im Ticker.

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Was wir bisher wissen:

Überblick: Teile der türkischen Armee versuchten in der Nacht auf Samstag die Regierung zu stürzen. Die Militärs hatten im Fernsehen die Machtübernahme verkündet, dann das Kriegsrecht ausgerufen und eine Ausgangssperre verhängt.

Opfer: Offizielle Kreise zählen mittlerweile 294 Todesopfer. «Mehr als hundert Putschisten» und «mindestens 190 Bürger» seien getötet worden. 1400 Menschen seien verletzt worden.

Kurze Chronologie: Truppen der Putschisten hatten strategische Punkte in Istanbul und Ankara besetzt – darunter den Flughafen Atatürk in Istanbul sowie die Räumlichkeiten des staatlichen Fernsehsenders TRT. Präsident Erdogan kehrte aus seinen Ferien nach Istanbul zurück und rief über einen Video-Anruf die Bevölkerung zum Widerstand auf. Erfolgreich.

Reaktion: 7543 Verdächtige festgenommen, darunter 6038 Soldaten, 755 Staatsanwälte und Richter und hundert Polizisten. Fast 8777 Staatsbedienstete wurden ihrer Posten enthoben. Die Regierung macht Anhänger des Predigers Fethullah Gülen verantwortlich. Erdogan forderte die Auslieferung Gülens, der in den USA wohnt. Zudem erwägt Erdogan die Todesstrafe wieder einzuführen. Falls er dies tun sollte, beendet die EU die Beitrittsgespräche mit der Türkei.

Newsticker:

>22.15 Uhr:

Ungeachtet der scharfen internationalen Kritik ist die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei für Präsident Recep Tayyip Erdogan nicht vom Tisch.

In einem Interview mit dem Rundfunksender CNN kündigte Erdogan am Montag zudem an, die türkische Regierung werde in den kommenden Tagen von den USA formell die Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen beantragen. Erdogan sieht in Gülen den Drahtzieher des gescheiterten Putsches vom Wochenende.

«Es gibt das eindeutige Verbrechen des Verrats», sagte Erdogan einem Übersetzer zufolge auf die Frage nach einer möglichen Wiedereinführung der Todesstrafe für die mutmaßlichen Hintermänner des Putschversuches.

«Aber natürlich bedarf es einer Parlamentsentscheidung, damit sie als Verfassungsmaßnahme in Kraft treten kann», sagte er in seinem ersten Interview seit dem gescheiterten Umsturzversuch. Die Verantwortlichen müssten zusammenkommen und das Thema beraten. «Wenn sie bereit sind, es zu diskutieren, werde ich als Präsident jede Entscheidung billigen, die das Parlament fällt.»

19.47 Uhr:

Der mutmaßliche Rädelsführer der Putschisten in der Türkei hat nach einem neuen Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu seine Beteiligung an dem Umsturzversuch dementiert. Damit korrigierte Anadolu ihre Meldung ins Gegenteil.

«Ich bin niemand, der einen militärischen Putsch plant und leitet», sagte Ex-Luftwaffenchef Akin Öztürk bei seiner Aussage bei der Staatsanwaltschaft laut Anadolu. «Ich weßs nicht, wer ihn geplant und wer ihn geleitet hat.»

Öztürk sagte demnach weiter: «Meinen Erfahrungen nach denke ich, dass die parallele Struktur (des Predigers Fethullah Gülen) diesen militärischen Putschversuch durchgeführt hat. Aber ich kann nicht ermessen, wer innerhalb der Türkischen Streitkräfte diese Sache organisiert und realisiert hat. Was das betrifft, habe ich kein Wissen. Ich habe gegen diese Struktur (Gülens) sehr gekämpft.»

19.09 Uhr:

Um das Geständnis von Öztürk herrscht große Verwirrung. So wird es von zwei privaten Sendern angefochten. Wie Welt.de zitiert, habe er genau das Gegenteil gesagt: «Ich gehöre nicht zu denen, die den Putschversuch vom 15. Juli geplant oder geleitet haben und weiß nicht, wer es war.»

18.25 Uhr:

Der mutmaßliche Rädelsführer der Putschisten in der Türkei hat nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu die Planung des Umsturzversuchs gestanden.

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Ex-Luftwaffenchef Akin Öztürk habe in seiner Aussage bei der Staatsanwaltschaft zugegeben, mit der Absicht gehandelt zu haben, einen Putsch zu verüben, meldete Anadolu am Montag.

Öztürk war nach der Niederschlagung des Putsches festgenommen worden. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. Aus Regierungskreisen in Ankara war Öztürk als «der formale Anführer der Junta» bezeichnet worden. Der General gehörte bis zum Putschversuch dem Obersten Militärrat an.

15.51 Uhr:

Für alle Staatsbeamte sind die Ferien annulliert worden.

15.48 Uhr:

Dem türkischen Sender NTV zufolge wurde Cemil Candas, der stellvertretende Bürgermeister des Sisli-Bezirks in Istanbul, in seinem Büro erschossen. Ein bewaffneter Mann ist in das Gebäude eingebrochen und hat das Feuer eröffnet, wie Telegraph.co.uk berichtet.

15.07 Uhr:

Nach dem Putschversuch sind nach Angaben der Regierung mehr als 13.000 Staatsbedienstete suspendiert worden. Darunter seien 2745 Justizbeamte sowie fünf Mitglieder des Hohen Rates der Richter und der Staatsanwaltschaft (HSYK), sagte Ministerpräsident Binali Yildirim am Montag in Ankara. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu fällt der größte Teil der Suspendierungen in den Bereich der Polizei: 7899 Polizisten seien betroffen, meldete Anadolu.

14.57 Uhr:

In einer gemeinsamen Erklärung forderten der Deutsche Richterbund (DRB) und der Deutsche Anwaltverein (DAV) am Montag in Berlin Bundesregierung und EU-Kommission auf, «sich nachdrücklich für die Unabhängigkeit der Justiz und der Anwaltschaft in der Türkei einzusetzen». «Das Vorgehen der türkischen Regierung und des Staatspräsidenten ist ein schwerer Schlag gegen die Unabhängigkeit der türkischen Justiz», heißt es in der Erklärung.

«Die Staatsführung missbraucht den abgewendeten Putschversuch, um die rechtsstaatlichen Strukturen in der Türkei dramatisch zu beschneiden», kritisiert der Vorsitzende des Richterbundes, Jens Gnisa. Er forderte, die entlassenen Richter und Staatsanwälte wieder in ihre bisherigen Ämter einzusetzen.

14.37 Uhr:

Unter den Verletzten des Putschversuches soll unter anderem der ehemalige türkische Botschafter in Deutschland sein.

14.32 Uhr:

Wegen Sicherheitsbedrohung soll das türkische Parlament in Ankara mehreren Medienberichten zufolge evakuiert worden sein. Die Abgeordneten würden das Gebäude verlassen.

14.04 Uhr:

Während einer gerichtlichen Anhörung mutmaßlicher Putschisten in der türkischen Hauptstadt Ankara hat ein Mann vor dem Gerichtsgebäude das Feuer auf Sicherheitskräfte eröffnet. Diese hätten den Angreifer daraufhin in seinem Auto erschossen, berichtete die Nachrichtenagentur Dogan. Zwei weitere Menschen seien festgenommen worden.

Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP, die sich vor dem Gerichtsgebäude aufhielten, hörten Schüsse und sahen Szenen der Panik. Außerdem sahen sie ein zertrümmertes Auto. Gepanzerte Fahrzeuge und Polizeiwagen rasten zu dem Gerichtsgebäude. Unklar war zunächst, ob der Zwischenfall im Zusammenhang mit dem Putschversuch vom Wochenende stand. Fernsehberichten zufolge handelte es sich bei dem getöteten Angreifer um einen Soldaten.

13.33 Uhr:

Die acht türkischen Militärangehörigen, die während des Putschversuchs am Samstag nach Griechenland geflüchtet waren, sollen dort am Donnerstag vor Gericht gestellt werden. Die acht Soldaten sollen sich wegen illegaler Einreise und Verletzung des Luftraums verantworten, wie am Montag aus Justizkreisen bekannt wurde. Die türkische Regierung betrachtet die Militärs als «Verräter» und Anhänger des gescheiterten Umsturzversuchs vom Wochenende.

Die Geflüchteten wollen nach Auskunft ihrer Anwältin Ilia Marinaki in Griechenland Asyl beantragen. Sie bestreiten den Vorwurf Ankaras, an dem Putschversuch beteiligt gewesen zu sein. Vielmehr hätten sie die Flucht ergriffen, als türkische Polizisten auf sie geschossen hätten, sagte die Anwältin.

13.28 Uhr:

US-Außenminister John Kerry verlangt von der türkischen Regierung «Beweise» für die angebliche Verstrickung des in den USA lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen in den Putschversuch vom Wochenende. Er habe seinen türkischen Kollegen Mevlut Cavusoglu aufgefordert, in «jeder Angelegenheit, die sie uns übermitteln, Beweise und nicht Unterstellungen vorzulegen», sagte Kerry am Montag in Brüssel. «Wir brauchen wahrhaftige Beweise, die den Untersuchungsstandards vieler Länder in Auslieferungsfragen entsprechen», sagte Kerry.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Anhänger Gülens am Samstagabend für den Umsturzversuch verantwortlich gemacht und von den USA die Auslieferung seines Erzfeindes verlangt. Gülen hat jede Beteiligung an dem Umsturzversuch bestritten.

12.37 Uhr:

Auf den sozialen Medien wie Twitter machen Bilder von den Verhafteten die Runde. CNN hat dieses Foto veröffentlicht:

11.33 Uhr:

Nach dem fehlgeschlagenen Putsch in der Türkei sind insgesamt 8777 Staatsbedienstete ihrer Posten enthoben worden. Darunter seien 30 Gouverneure und 52 Inspektoren, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu am Montag unter Berufung auf das türkische Innenministerium. Zudem habe die Vernehmung von 27 Generälen begonnen, unter ihnen der mutmaßliche Anführer des Staatsstreichs, Akin Öztürk. Dieser bestreitet jede Verwicklung in den Umsturzversuch und betont, an der Niederschlagung des Staatsstreichs mitgewirkt zu haben.

11.27 Uhr:

Mehrere Medien berichten, dass ein bewaffneter Mann – einige reden von einem Soldaten – das Feuer vor dem Gerichtsgebäude in Habertürk eröffnet haben soll.

Laut der Zeitung Hürriyet ist der mutmaßliche Täter bereits festgenommen.

11.20 Uhr:

Nach dem fehlgeschlagenen Militärputsch in der Türkei sind nach Presseangaben mehr als hundert Generäle und Admiräle festgenommen worden. Insgesamt seien seit der Niederschlagung des Umsturzversuchs am Samstagmorgen 103 Admiräle und Generäle in Gewahrsam genommen worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Darunter ist auch der frühere Kommandeur der Luftwaffe, Akin Öztürk, der als einer der Putschistenführer gilt.

11.10 Uhr:

Die EU-Kommission wirft der Türkei Verstöße gegen Rechtsstaatlichkeit vor. Man habe sofort nach den Ereignissen die Erwartung geäußert, dass die Aufarbeitung nach internationalem Recht erfolge, sagte der für die EU-Beitrittskandidaten zuständige EU-Kommissar Johannes Hahn am Montag in Brüssel vor einem Treffen der EU-Außenminister: «Nach dem, was wir sehen, ist das nicht wirklich der Fall.»

Rechtsstaatlichkeit und demokratische Grundsätze müssten eingehalten werden – auch «zum Wohle des Landes selbst», sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault sagte: «Wir müssen wachsam sein, dass die türkische Regierung kein politisches System einführt, das sich von der Demokratie abwendet.»

10.30 Uhr:

Der gescheiterte Putsch in der Türkei sorgt für Turbulenzen an der Istanbuler Börse. Anleger warfen am Montag Aktien und Anleihen in hohem Bogen aus ihren Depots. Die türkische Lira zog dagegen an. Ihr Kurs war allerdings am Freitag in Reaktion auf den Militär-Aufstand bereits um fünf Prozent eingebrochen.

10.04 Uhr:

Saudi-Arabien hat den türkischen Militärattaché für Kuwait festgenommen. Der Fernsehsender Al-Arabija berichtete am Montag, Mikail Ihsanoglu sei auf dem Flughafen von Dammam in Gewahrsam genommen worden, als er auf dem Weg nach Düsseldorf war. Die saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA meldete, König Salman habe dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan telefonisch zur «Rückkehr der Türkei zur Normalität» gratuliert.

9.52 Uhr:

Nach dem gescheiterten Putschversuch hat die türkische Regierung zusätzliche Spezialkräfte der Polizei in Istanbul zusammengezogen. Diese Kräfte mit gepanzerten Fahrzeugen werden an strategisch wichtigen Einrichtungen und Straßen der Metropole eingesetzt.

Dies meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Der Polizeichef Istanbuls, Mustafa Caliskan, habe zudem den Befehl gegeben, unbekannte Helikopter ohne Vorwarnung abzuschießen. Putschisten hatten bei ihrem Umsturzversuch in der Nacht zu Samstag Kampfjets sowie Helikopter gekapert und unter anderem das Parlament in Ankara bombardiert.

Die Regierung ging am Montagmorgen erneut mit Razzien gegen mutmaßliche Unterstützer des Umsturzversuches vor. Sondereinheiten der Polizei durchsuchten die Militärakademie der Luftwaffe in Istanbul, wie Anadolu berichtete. Laut einem Regierungsvertreter wurde General Mehmet Disli festgenommen, der während des Putschversuchs Generalstabschef Hulusi Akar habe festnehmen lassen.

Nach Angaben eines ranghohen Informanten werden zudem rund 8000 Polizisten suspendiert. Betroffen davon seien auch Beamte aus Istanbul und Ankara, sagte der Insider aus den Sicherheitsbehörden der Nachrichtenagentur Reuters.

8.41 Uhr:

Am Atatürk Flughafen in Istanbul haben sich mehrere Erdogan-Anhänger versammelt. Sie schwenken türkische Fahnen und schreien Kampf-Slogans gegen Fethullah Gülen. Sie sind überzeugt, dass er hinter dem Putschversuch steckt und heben eine Gülen-Puppe am Galgen in die Luft.

7.38 Uhr:

Laut der Nachrichtenagentur Reuters ist Präsident Erdogan während des Putschversuchs nur knapp dem Tod entkommen. Auf seinem Flug vom Urlaubsort Marmaris nach Istanbul sei sein Flieger von zwei Kampfjets verfolgt worden. Es seien mindestens zwei F16-Flieger gewesen, so ein nicht genannter Ex-Offizier zu Reuters: «Warum sie nicht geschossen haben, ist ein Rätsel.» Die Maschine des Präsidenten wurde von zwei F16-Jets beschützt. Erdogan konnte sicher in Istanbul landen.

5.18 Uhr:

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hat den vergangenen Freitag, an dem der später gescheiterte Militärputsch begann, als «Feiertag der Demokratie» bezeichnet. In einer Rede vor Demonstranten in der Hauptstadt Ankara sagte Yildirim in der Nacht zum Montag, dass «nach dem 15. Juli nichts mehr wie früher» sein werde. «Lasst uns diesen Feiertag auskosten», rief Yildirim vor der Menschenmenge auf dem zentralen Kizilay-Platz.

Zudem deutete Yildirim erneut an, dass die Todesstrafe in der Türkei wiedereingeführt werden könnte. Lautstarke Forderungen der Menge nach der Todesstrafe beantwortete er mit: «Wir haben eure Botschaft erhalten.» Die Putschisten würden «in strengster Weise zur Rechenschaft gezogen».

Wie zuvor Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan forderte auch Yildirim das Volk auf, sich weiterhin zu versammeln und gegen den Umsturzversuch zu demonstrieren. «Wir werden morgens zur Arbeit gehen und abends weiter auf den Plätzen Wache halten», erklärte Yildirim.

3.23 Uhr:

Nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei sind weitere 1800 Polizisten zusammengezogen und nach Istanbul beordert worden. Die Spezialeinheiten seien dort an wichtigen Einrichtungen in Stellung gegangen und patrouillierten durch die Metropole, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu in der Nacht zum Montag. Demnach waren die zusätzlichen Polizisten aus benachbarten Provinzen gekommen.

Istanbuls Polizeichef Mustafa Caliskan habe zudem den Abschuss von jeglichen Helikoptern angeordnet, die ohne Vorwarnung die Metropole überflögen, berichtete Anadolu weiter. Demnach hat Präsident Recep Tayyip Erdogan überdies F-16-Kampfjets angewiesen, über dem Luftraum der Türkei zu patrouillieren.

3.15 Uhr:

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hat die rivalisierenden politischen Parteien im Land für ihren Widerstand gegen den versuchten Militärputsch gelobt. Diese hätten sich trotz ihrer unterschiedlichen politischen Positionen solidarisch gezeigt, sagte Yildirim am frühen Morgen vor zahlreichen Regierungsanhängern auf dem Kizilay-Platz in Ankara. Er bedankte sich auch beim Volk für die Abwendung des Putschs. Die Menschenmenge skandierte den Namen von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Der Umsturzversuch habe gezeigt, dass alle Parteien «ungeachtet ihrer politischen Ansichten Arm in Arm dagegengehalten» und gemeinsam aufgeschrien hätten, sagte Yildirim. Dies zeige, dass alles andere nebensächlich sei, wenn es um das Land gehe.

In einer ungewöhnlichen Geste der Eintracht hatten die vier großen Parteien während einer Sondersitzung im türkischen Parlament am Samstag eine Erklärung abgegeben, in der der Putschversuch verurteilt wird.

3.08 Uhr:

Auf Ansuchen aus Ankara wurde ein türkischer Diplomat bei einer Zwischenlandung in Saudiarabien festgenommen. Wie der Sender Al-Arabija am Montagmorgen und Berufung auf saudische Quellen berichtete, habe der an der Botschaft in Kuwait stationierte türkische Militärattaché nach Düsseldorf fliegen wollen.

Bei einer Zwischenlandung seines Passagierflugzeuges in Damman im Osten Saudiarabiens sei der Offizier festgesetzt worden. Eine offizielle Erklärung aus Riad gab es dazu nicht.

3.05 Uhr:

Nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei sind auch jene Soldaten gefasst worden, die Präsident Recep Tayyip Erdogan in seinem Hotel aus dem Verkehr ziehen sollten. Die 14 Soldaten wurden in den westtürkischen Küstenstädten Marmaris und Izmir festgenommen.

Einige von ihnen sollen für den nicht näher beschriebenen «Anschlag» auf ein Hotel in Marmaris verantwortlich gewesen sein, in dem sich Erdogan bis am Freitagabend in den Ferien befunden hatte. Das berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntagabend.

Nach seiner Ankunft in Istanbul hatte der Präsident von einem Bombenangriff auf das Hotel gesprochen, der aber erst nach seiner Abreise stattgefunden habe. Die nun gefassten Soldaten wurden umgehend dem Haftrichter vorgeführt.

2.49 Uhr:

Die Zahl der Toten beim gescheiterten Militärputsch in der Türkei ist nach Behördenangaben auf 294 gestiegen. Mehr als 1400 Menschen seien verletzt worden, teilte ein Regierungsvertreter mit. Von den Angaben zur Zahl der Todesopfer seien «Terroristen» indes ausgenommen. So bezeichnet die Regierung die Putschisten in Teilen des Militärs, die am Freitag den Umsturz versucht hatten.

Jüngsten Angaben von Regierungsvertretern zufolge kamen mindestens 104 Putschisten ums Leben.

2.25 Uhr:

Das harte Durchgreifen der türkischen Regierung nach dem Putschversuch

beeinträchigt nach Einschätzung von Europapolitikern der Union die EU-Beitrittsverhandlungen

mit dem Land. Wenn Präsident Recep Tayyip Erdogan die Situation ausnutze, «um weitere Verfassungsrechte einzuschränken, dann werden die Beitrittsverhandlungen schwierig bis unmöglich», sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Europaparlament, Elmar Brok, dem in Düsseldorf erscheinenden Handelsblatt.

Der Vorsitzende des Europa-Ausschusses im Bundestag, Gunther Krichbaum, forderte die türkische Regierung auf, die demokratischen Prinzipien einzuhalten. Unrecht dürfe nicht mit Unrecht bekämpft werden, sagte er dem Blatt. «Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein undemokratischer Staat Mitglied der EU wird.»

Die EU hatte ihre Verhandlungen mit der Türkei über einen EU-Beitritt im Juni ausgeweitet. Beide Seiten vereinbarten damals den Beginn von Gesprächen über Verhandlungskapitel 33 zu Haushaltsfragen. Die Eröffnung hatten die EU-Staats- und Regierungschefs Ankara im März im Gegenzug für die Rücknahme von Flüchtlingen aus Griechenland versprochen.

Die Verhandlungen mit der Türkei über einen EU-Beitritt laufen seit Oktober 2005. Nun sind 16 von insgesamt 35 Verhandlungskapiteln eröffnet, in denen die EU-Standards für eine Mitgliedschaft festgelegt sind.

(pw/L'essentiel/sda/dapd/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Float99 am 18.07.2016 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    "«Säuberungsaktionen» ",,,erinnert mich an Stalin..unter anderem...und sowas soll in die EU ?????

  • u.krebs am 20.07.2016 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor 70 Jahren sah es wohl nicht anders aus. Wann stoppt man diesen Wahnsinnigen? Da beraten sie gestern in Brüssel und keiner dieser Minister gibt ein 100% Statement gegen diesen Tyrannen und Massenmörder ab. Was kann dieser total durchgeknattert Irre eigentlich noch tun bis in Europa mal einer sagt nun ist Schluss. Wer noch glaubt das dieser angebliche Putsch nicht von diesem Verbrecher gesteuert war der tut mir nur noch Leid. Fast 20000 Leute zu entlassen mit Listen ist nur ein Beleg. Oder wer hat schon Zugriff auf ein komplettes Mobilfunknetz um seine Bevölkerung vor Panzer zu schicken mit dem Wissen sie könnten erschossen werden?Nun auch noch die Todesstrafe. Damit dieser Ziegenfi. u. Frauenschänder seine politischen Gegner gleich an einen Galgen hängen kann. Freie Presse ist schon lange nicht mehr möglich und unabhängige Justiz auch nicht. Also liebe Außenminister,EU Beamte,Staatsoberhäupter wann handelt ihr? Es kann ja nicht so schwer sein,denn bei bin Laden hat es ja über kurz oder lang auch geklappt. Oder besser noch er sollte wirklich die Todesstrafe einführen und dann von seinem eigenen Gesetz eingeholt werden um die Fallhöhe zu testen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • u.krebs am 20.07.2016 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor 70 Jahren sah es wohl nicht anders aus. Wann stoppt man diesen Wahnsinnigen? Da beraten sie gestern in Brüssel und keiner dieser Minister gibt ein 100% Statement gegen diesen Tyrannen und Massenmörder ab. Was kann dieser total durchgeknattert Irre eigentlich noch tun bis in Europa mal einer sagt nun ist Schluss. Wer noch glaubt das dieser angebliche Putsch nicht von diesem Verbrecher gesteuert war der tut mir nur noch Leid. Fast 20000 Leute zu entlassen mit Listen ist nur ein Beleg. Oder wer hat schon Zugriff auf ein komplettes Mobilfunknetz um seine Bevölkerung vor Panzer zu schicken mit dem Wissen sie könnten erschossen werden?Nun auch noch die Todesstrafe. Damit dieser Ziegenfi. u. Frauenschänder seine politischen Gegner gleich an einen Galgen hängen kann. Freie Presse ist schon lange nicht mehr möglich und unabhängige Justiz auch nicht. Also liebe Außenminister,EU Beamte,Staatsoberhäupter wann handelt ihr? Es kann ja nicht so schwer sein,denn bei bin Laden hat es ja über kurz oder lang auch geklappt. Oder besser noch er sollte wirklich die Todesstrafe einführen und dann von seinem eigenen Gesetz eingeholt werden um die Fallhöhe zu testen.

  • Float99 am 18.07.2016 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    "«Säuberungsaktionen» ",,,erinnert mich an Stalin..unter anderem...und sowas soll in die EU ?????