Anna Chapman

06. März 2018 15:01; Akt: 06.03.2018 15:02 Print

Spionin «00Sex» und der vergiftete Doppelagent

Der russische Ex-Spion Sergej Skripal soll in Großbritannien vergiftet worden sein. Beim Blick in seine Vergangenheit taucht die russische Agentin Anna Chapman auf. Erinnern Sie sich?

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In Großbritannien ist ein ehemaliger russischer Doppelagent möglicherweise vergiftet worden. Der 66-jährige Sergej Skripal war am Sonntagnachmittag zusammen mit einer Frau in einem Shoppingzentrum in Salisbury bewusstlos auf einer Bank gefunden worden. Beide schweben demnach in Lebensgefahr. Der Zeitung The Guardian zufolge wurde Skripal mit Fentanyl, einem starken Opiat, vergiftet. Offiziell ist dies nicht erwiesen.

Skripal ist ein ehemaliger Oberst des russischen Militärgeheimdienstes. 2006 wurde er in Russland wegen des Vorwurfs der Spionage für Großbritannien zu 13 Jahren Haft verurteilt: Er half dem britischen Auslandsnachrichtendienst dabei, Dutzende russischer Agenten zu entlarven.

Größter Spionen-Tausch seit 1986

2010 kam es zu einem Gefangenenaustausch zwischen den USA und Russland, dem größten seit 24 Jahren. Vier Doppelagenten, darunter Skipal, gegen zehn russische «sleeper agents», Agenten, die für eine Mission auf Abruf bereitstehen. Unter diesen zehn war Russlands derzeit wohl bekannteste Spionin, Anna Chapman, die zuvor in den USA verhaftet worden war.

Anna Wassiljewna Chapman, geborene Kuschtschenko, hatte 2002 den britischen Staatsbürger Alex Chapman geheiratet. Vier Jahre später wurde die Ehe geschieden und Chapman ging in die USA.

Nicht besonders erfolgreich als Spionin

Hier soll sie als russische Meisterspionin mit einem «außergewöhnlichen Training» tätig gewesen sein, wie das FBI nach ihrer Verhaftung mitteilte. Eine ihrer Aufgaben sei es gewesen, in den New Yorker Restaurants und Clubs Banker und andere Geschäftsleute in ihren Bann zu ziehen und ihnen nach und nach Informationen zu entlocken.

Dabei war sie als Spionin nicht sonderlich erfolgreich. So war sie in New York nicht nur aufgeflogen, sie soll als Agentin nach Angaben russischer Medien bis zu ihrer Enttarnung kein einziges US-Geheimnis nach Moskau übermittelt haben. Nichtsdestotrotz gilt Russlands Präsident und Ex-KGB-Offizier Wladimir Putin als großer Unterstützer von Chapman.

Model und Moderatorin

Bei ihrer Rückkehr empfing Russland sie als Heldin. In ihrer Geburtsstadt Wolgograd wollte man sie zur Ehrenbürgerin ernennen, wie Spiegel.de schreibt. Zunächst gab sie sich politisch und übernahm eine Spitzenfunktion in Molodaja Gwardija, der Jugendorganisation der Partei Einiges Russland.

Gleichzeitig entschied sich «Agentin 00Sex» oder «Agentin 90-60-90», wie einige Medien sie nannten, für eine Modelkarriere. Die russische Ausgabe des Männermagazins «Maxim» machte sie zum Covergirl, sie posierte in Dessous und mit Pistole. Ein entsprechendes Angebot des US-Magazins «Playboy» hatte sie abgelehnt.

Heimlich Mutter geworden

Sie setzte aber nicht nur auf ihr Aussehen, sondern versuchte sich auch im Finanzwesen, mit mäßigem Erfolg. Bis 2014 hatte sie ihre eigene TV-Show mit sinnigem Namen «Chapmans Geheimnisse», in der sie «eine trashige Mischung aus Wissenschaftsmagazin und Bühne für Verschwörungstheorien» präsentierte. Später gründete sie ihr eigenes Modelabel.

Auch Mutter soll die 36-Jährige in der Zwischenzeit geworden sein, schreibt Bild.de. Ganz nach Agenten-Manier soll sie ihre Schwangerschaft 2015 geheim gehalten haben.

In letzter Zeit ist es ruhiger geworden um die enttarnte Spionin. Doch auch daran hat Chapman gedacht – und clever vorgesorgt, indem sie 2011 ihren Namen beim Patentamt in Moskau als Handelsbezeichnung hat schützen lassen.

(L'essentiel/gux)

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