Konflikt in Berg-Karabach

18. Oktober 2020 12:57; Akt: 18.10.2020 12:58 Print

Waffenruhe zwischen Armenien und Aserbaidschan

Im Konflikt um die Region Berg-Karabach nehmen Armenien und Aserbaidschan einen neuen Anlauf für eine Feuerpause. In der Nacht zum Sonntag solle sie in Kraft treten.

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Armenien und Aserbaidschan haben eigenen Angaben zufolge eine Waffenruhe für die umstrittene Kaukasus-Region Bergkarabach vereinbart. Diese trete um Mitternacht in Kraft, teilten beide Länder am Samstagabend mit. Armenien und Aserbaidschan hatten bereits zuvor einer Waffenruhe zugestimmt, diese wurde jedoch mehrfach gebrochen. Beide Seiten warfen sich gegenseitig Verstöße vor.

Zuvor hatte es neue Kämpfe mit Toten und Verletzten gegeben. Aserbaidschan meldete schwere Angriffe der armenischen Seite in der Nacht zum Samstag auf Ganja, die zweitgrößte Stadt des Landes. Bei dem Raketenbeschuss seien 13 Menschen getötet worden, teilte das Zivilschutzministerium in der Hauptstadt Baku mit. Armenien machte das Nachbarland ebenfalls für Angriffe verantwortlich.

Zuletzt 50 Verletzte in Ganja

Von 50 Verletzten sprach Aserbaidschan in Ganja. Die Leichen seien etwa unter Trümmern zerstörter Häuser gefunden worden. Darunter sollen auch Kinder gewesen sein. Auf von Aserbaidschan verbreiteten Bildern war zu sehen, wie Rettungskräfte in zerstörten Häusern nach Überlebenden suchen. Dabei waren auch Suchhunde im Einsatz. Die Behörden sprachen von erheblichen Schäden.

Der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev nannte den Angriff im Fernsehen ein Kriegsverbrechen und drohte, dass die armenische Führung dafür zur Rechenschaft gezogen werde. Armenien wies jedoch eine Verantwortung zurück und warf dem verfeindeten Nachbarn im Gegenzug vor, selbst hinter dem Angriff zu stecken und dies als «Propaganda» gegen die Armenier zu verwenden.

Armenien wiederum berichtete von Raketenangriffen der aserbaidschanischen Seite, darunter auf die Hauptstadt von Berg-Karabach. Dabei seien in Stepanakert mindestens drei Zivilisten verletzt worden. Beide Seiten warfen sich gegenseitig vor, erneut gegen die Feuerpause verstoßen zu haben.

Auch die EU forderte Waffenruhe

Der russische Außenminister Sergej Lawrow appellierte am Abend eindringlich an beide Seiten, sich an die Vereinbarung zu halten. Er telefonierte dazu nach Angaben seines Ministeriums in Moskau erneut mit seinen Kollegen aus Aserbaidschan und Armenien, Jeyhun Bayramov und Sohrab Mnazakanjan.

Dabei habe Lawrow daran erinnerte, dass die Feuerpause auch humanitären Gründen diene. Außerdem hätten beide Seiten ihre Bereitschaft für «substanzielle Verhandlungen» mit dem Ziel einer schnellstmöglichen Friedensregelung erklärt, hieß es.

Auch die EU forderte beide Seiten erneut zur Einhaltung der Waffenruhe auf. «Alle Angriffe auf Zivilisten und zivile Einrichtungen müssen ein Ende haben», sagte ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell am Samstag. Die Europäische Union bedauere den Beschuss der aserbaidschanischen Stadt Ganja.

Das Auswärtige Amt in Berlin appellierte, beide Länder müssten «unverzüglich auf den Pfad für eine friedliche und dauerhafte Konfliktlösung zurückkehren». Außerdem müssten die von dem Konflikt betroffenen Menschen nun Hilfe erhalten.

Die Angaben aus der Konfliktregion lassen sich unabhängig nicht überprüfen. So teilte das Militär von Aserbaidschan mit, es habe einen armenischen Kampfjet abgeschossen. Das aber dementierte das armenische Verteidigungsministerium umgehend und erklärte, zwei Drohnen der gegnerischen Seite abgeschossen zu haben.

(L'essentiel/REUTERS)

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