Phosphat-Zusätze

30. November 2017 16:46; Akt: 30.11.2017 16:53 Print

Droht dem Kebab in Europa wirklich das Aus?

Ohne Phosphate kein Döner: In der Branche ist diese Formel seit Jahrzehnten Standard. Das EU-Parlament könnte den Zusatzstoff in gefrorenem Kebabfleisch jetzt aber verbieten.

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Über den Inhalt von Dönerfleisch ist in Europa, eher zufällig, ein Streit entbrannt.

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Das Europaparlament könnte demnächst die geplante EU-weite Zulassung von Phosphaten in Döner-Fleisch verhindern. Das Parlamentsplenum wird in der Woche ab dem 11. Dezember über einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission abstimmen, wie die Volksvertretung am Donnerstag mitteilte.

Im zuständigen Umweltausschuss hatten sich zuvor vor allem Abgeordnete der sozialistischen, grünen und liberalen Fraktionen gegen die Änderung ausgesprochen.

«Verbot hieße Ende der Dönerproduktion»

Die konservative Europaabgeordnete Renate Sommer (CDU) sieht die Entscheidung des Umweltausschusses kritisch. Sommer fürchtet, dass ein «Verbot des Phosphatzusatzes (...) das Ende der Dönerproduktion und damit das Ende zigtausender Arbeitsplätze» bedeuten würde. «Ohne Phosphatzusatz würden die Drehspieße beim Grillen in sich zusammensacken und wären innen noch roh», schreibt die Abgeordnete auf Facebook, «selbst wenn die Außenseite schon fast verbrannt wäre.»

Hersteller nutzen Gesetzeslücken

Der Zusatz von Phosphaten in verarbeitetem Fleisch ist dem Europaparlament zufolge in der EU derzeit nicht grundsätzlich erlaubt. Aufgrund bestehender Regulierungslücken und Ausnahmen werden sie allerdings genutzt, um das Austrocknen von Fleisch zu verhindern und den Geschmack länger zu erhalten.

Der Umweltausschuss des Parlaments verwies nun darauf, dass es einigen Studien zufolge Gesundheitsbedenken beim Einsatz von Phosphaten in Nahrungsmitteln gebe. Renate Sommer widerspricht: Eine Gesundheitsgefahr durch Phosphat sei nicht erkennbar. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stufe eine Aufnahme von bis zu 4200 mg Phosphat pro Tag als unbedenklich ein: «Eine Portion Döner enthält aber gerade einmal 134 mg Phosphat.» Phosphate sind nicht nur in Kebabs, sondern auch in Cola-Getränken und in vielen Fleischwaren enthalten.

«Niemand muss auf seinen Döner verzichten»

Die EU-Kommission hatte im September vorgeschlagen, die Zusätze einheitlich zu erlauben. Die EU-Staaten müssen darüber befinden. Das Europaparlament kann allerdings mit einer absoluten Mehrheit von 376 Stimmen ein Veto gegen die Änderungen einlegen. Sollte dies geschehen, würde sich an der bestehenden Gesetzeslage zunächst nichts ändern. Die EU-Kommission könnte gegebenenfalls neue Änderungen vorschlagen, die neuerdings geprüft werden müssten.

«An der bestehenden Rechtslage in Europa und Deutschland ändert sich erst einmal gar nichts», sagte die SPD-Europaabgeordnete Susanne Melior. «Dönerspieße können wie bisher produziert und verkauft werden. Niemand muss auf seinen Döner oder Gyros verzichten.»

Die Bild hatte zuvor berichtet, dem Döner drohe wegen des möglichen Parlaments-Vetos das Aus.

(L'essentiel/dpa)

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