Drama im Mittelmeer

26. Juni 2018 14:31; Akt: 26.06.2018 14:39 Print

Die «Lifeline» darf in Malta anlegen

Das deutsche Rettungsschiff «Lifeline» mit 230 Migranten und 17 Besatzungsmitgliedern an Bord darf nicht in Italien anlegen. Die Zustände an Bord sind schlecht.

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Das seit Tagen im Mittelmeer ausharrende Flüchtlingsschiff «Lifeline» kann nach Angaben der italienischen Regierung nun in Malta anlegen. Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte teilte am Dienstag nach einem Gespräch mit dem maltesischen Regierungschef Joseph Muscat mit, sein Land werde einen Teil der mehr als 230 Flüchtlinge an Bord aufnehmen. Rom hatte sich zuvor geweigert, das von einer deutschen Hilfsorganisation betriebene Schiff in einem italienischen Hafen anlegen zu lassen.

Zuvor hatte bereits ein französischer Regierungssprecher mitgeteilt, für das Schiff zeichne sich eine «europäische Lösung» ab. Im Gespräch sei «eine Landung in Malta», sagte er dem Radiosender RTL. Die französische Regierung habe sich bereit erklärt, Flüchtlinge von dem Schiff aufzunehmen und ein Expertenteam nach Malta zu schicken, um die Asylanträge der Flüchtlinge «individuell» zu prüfen. Demnach sprach auch der französische Präsident Emmanuel Macron mit dem maltesischen Regierungschef Muscat.

Salvini drohte mit Beschlagnahmung des Schiffs

Malta und Italien hatten der «Lifeline» zuvor das Anlaufen eines Hafens verweigert. Das von der Dresdner Hilfsorganisation Mission Lifeline betriebene Schiff harrt deshalb seit Tagen mit 234 Flüchtlingen an Bord in internationalen Gewässern vor der Küste Maltas aus.

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Lega-Partei hatte am Montag bekräftigt, dass Schiffe von Hilfsorganisationen, die Flüchtlinge vor der libyschen Küste aufnehmen, keine italienischen Häfen mehr anlaufen dürfen. Salvini bekräftigte auch, dass die «Lifeline» keine Genehmigung zum Anlegen in Italien erhalten werde. Die populistische Regierung in Rom hatte zudem mit der Beschlagnahmung des Schiffes gedroht.

Das Schicksal der «Aquarius»

Die Flüchtlinge auf der «Lifeline» waren am Donnerstag nahe der libyschen Küste aufgenommen worden. Am Sonntag traf nach Angaben von Mission Lifeline eine Versorgungslieferung aus Malta mit Lebensmitteln und Trinkwasser ein. Die Schiffe «Sea-Eye» und «Sea-Watch» hätten zudem Medikamente und Decken gebracht.

Die Hilfsorganisation befürchtet für ihr Schiff ein vergleichbares Schicksal wie das der «Aquarius». Das Schiff war mit mehr als 600 Menschen an Bord zunächst von Italien und Malta abgewiesen worden. Erst nach einer längeren Irrfahrt konnten die Flüchtlinge auf der «Aquarius» vor gut einer Woche in Spanien an Land gehen. Auch im Fall der «Aquarius» hatte sich Frankreich bereit erklärt, einige der Flüchtlinge aufzunehmen.

Deutsche Bundesregierung zum Handeln aufgefordert

Die flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Luise Amtsberg, forderte unterdessen auch von der Bundesregierung mehr Engagement für die «Lifeline». «Jede Stunde, die vergeht, bringt die Menschen, weiter an den Rand der Belastbarkeit», sagte Amtsberg im Radiosender Bayern 2. Die Bundesregierung habe auch eine Verantwortung, sich für die deutschen Staatsbürger an Bord einsetzen.

Dringend nötig seien nun Verhandlungen mit Malta. «Das ist das Mindeste, was die Bundesregierung tun kann», forderte Amtsberg. «Wir würden uns sehr wünschen, dass Malta die Beschränkung aufhebt und jetzt sofort das Boot einlaufen lässt, weil auch das Wetter sich verschlechtert».

«Katastrophale hygienische Verhältnisse»

Amtsberg war zusammen mit einigen anderen Bundestagsabgeordneten am Montag für einige Stunden an Bord der «Lifeline» gewesen. Die Zustände auf dem Schiff seien «keine guten», sagte die Grünen-Politikerin. Das Boot sei «völlig überfüllt». Viele Menschen seien unterernährt oder verletzt.

Laut dem Nachrichtenportal «Focus» sei an Bord mittlerweile sogar die Krätze ausgebrochen. Mehrere deutsche Politiker, welche das Schiff besucht haben, berichten dem Magazin, dass die «hygienischen Verhältnisse katastophal» seien. «Ich habe einen Säugling mit den juckenden, rötlichen Hautreizungen gesehen», sagte die Grünen-Abgeordnete Luise Amtsberg. «Die Leute haben keine Reserven mehr.»

(L'essentiel/chk/sda)

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