Dauernebel

17. Januar 2020 20:22; Akt: 17.01.2020 20:24 Print

Auf dem Balkan herrscht dicke, giftige Luft

In vielen Großstädten auf dem Balkan herrscht seit Tagen Smog-Alarm. Die Bewohner fordern dringende Maßnahmen, doch die Politiker schauen weg.

Bildstrecke im Grossformat »

Die Luftverschmutzung durch Autos, Kraftwerke und Heizungen sorgt in vielen Großstädten auf dem Balkan für Dauernebel. (Video: Tamedia)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit Tagen hängt ein dichter Nebel über mehreren Großstädten auf dem Balkan. Die Sicht reicht kaum einige Meter, Sarajevo, Pristina, Belgrad und Skopje sind in Smog gehüllt. Schuld daran ist nicht nur die Luftverschmutzung durch Autos und Kraftwerke, sondern auch die Tatsache, dass rund 60 Prozent der Bevölkerung immer noch mit Kohle oder Holz heizt.

In vielen Orten verbreitet sich nun der Unmut: Die Bürger fordern gesunde Luft und prangern die politische Untätigkeit. «Serbien erstickt, hat jemand den Umweltminister gesehen?», titelte kürzlich die Zeitung «Blic».

Ein trauriges Top 10

Laut der App «AirVisual» gehören die Hauptstädte der Region zu den zehn meist verschmutzten Städte der Welt. Einige Metropolen wie etwa Sarajevo in Bosnien-Herzegowina oder Skopje in Nordmazedonien haben zudem eine ungünstige geografische Lage, weil sie in einem Talkessel liegen.

Das UN-Umweltprogramm UNEP untersuchte im Vorjahr die Luftverschmutzung in 19 Städten des Westbalkans. Laut dem Bericht ist die Luftverschmutzung für bis zu 20 Prozent der vorzeitigen Todesfälle verantwortlich.

Ursachen gibt es viele: So erhöhen Kohlekraftwerke wie das in Obilic, in der Nähe der kosovarischen Hauptstadt Pristina, die Smog-Belastung. Aber auch Industrien, heruntergekommene Fahrzeugflotten oder fehlende öffentliche Verkehrsmittel tragen dazu bei.

Die meisten können sich Stromheizung nicht leisten

In Lisice, einem Vorort von Skopje, heizt fast jeder mit Holz. «Ich weiß, dass es umweltschädlich ist, ich bin kein Idiot», sagt der Mechaniker Trajan Nestorovski zur Nachrichtenagentur AFP. «Aber mein Haus mit Strom zu heizen wäre verdammt teuer.»

«Mit Kohle zu heizen im 21. Jahrhundert ist prähistorisch», gibt der 40-jährige Arbeiter Arben Bytyci zu. «Es gibt nichts Schlimmeres, aber was können wir tun?», fügt die 78-jährige Rentnerin Sali Ademi hinzu. Im Winter leiden die Stadtbewohner auf dem Balkan besonders unter der verpesteten Luft, doch Strom ist teuer und nur wenige Menschen haben Zugang zu einer Zentralheizung.

Greta inspiriert Jugendliche

Anes Podic, Präsident des Vereins Eko-Akcija aus Sarajevo, fordert öffentliche Subventionen, um Zehntausende von Holzöfen zu ersetzen. In Tuzla im Nordosten Bosniens fordern Demonstranten einen Fünfjahresplan zur Reduzierung der Umweltverschmutzung.

In Serbien fordert die Oppositionsbewegung «Ne davimo Beograd» (übersetzt «Belgrad nicht ersticken») auf, gegen Politiker zu demonstrieren, die «vorgeben, ein sichtbares Problem nicht zu sehen.»

Auch die Jugendlichen werden aktiv: In Nordmazedonien ist die App «My Air» besonders populär, Schüler und Gymnasiasten führen seit mehreren Wochen regelmäßig Demos durch. «Greta inspiriert uns alle», sagt die 17-jährige Iskra Ilieska über die schwedische Klima-Aktivistin. Ilieska weiß, wieso sie selber auf die Straße geht: «Im Winter fehlt die Hälfte der Klasse wegen Lungenproblemen. Das ist nicht normal.»

Halbpreis-Aktion für die Seilbahn

Viel hat sich trotz Demos und Forderungen bislang nicht geändert. Die einzige konkrete Maßnahme, die die lokalen Behörden bisher trafen, war, eine Halbpreis-Aktion auf Seilbahn-Fahrten zu starten.

Damit können Sarajevo-Bewohner bis Ende Januar auf den Berg Trebevic auf 1160 Meter fahren. «Um für ein paar Stunden die Lunge zu beatmen», meinte die 60-jährige Sakiba Sahman, die vom Angebot profitierte.

(L'essentiel/kle)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Satire am 18.01.2020 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Dann wird es aber Zeit, dass der deutsche Steuerzahler für Abhilfe sorgt.

  • Niemand am 19.01.2020 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Dass Politiker wegschauen ist nix neues. Die tun alle so und hoffen jedesmal dass es irgendwie wieder gut wird. Hauptsache es gibt genug Steuerzahler und wir alle die Problemgewichte tragen müssen. Wer zuviel Problemgewichte nicht tragen kann, fällt auf den Boden, dann heisst es: GAME OVER. Dem bleibt dann nichts anderes übrig als Obdachlos zuwerden.

  • Raymond Schmeler am 19.01.2020 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Erfreieren oder vergefften. Watt si mer dann eng hypokrit Menschlechkeet gin. Awer VDL waert et jo aenneren no 30 Joer.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Niemand am 19.01.2020 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Dass Politiker wegschauen ist nix neues. Die tun alle so und hoffen jedesmal dass es irgendwie wieder gut wird. Hauptsache es gibt genug Steuerzahler und wir alle die Problemgewichte tragen müssen. Wer zuviel Problemgewichte nicht tragen kann, fällt auf den Boden, dann heisst es: GAME OVER. Dem bleibt dann nichts anderes übrig als Obdachlos zuwerden.

  • Raymond Schmeler am 19.01.2020 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Erfreieren oder vergefften. Watt si mer dann eng hypokrit Menschlechkeet gin. Awer VDL waert et jo aenneren no 30 Joer.

  • Satire am 18.01.2020 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Dann wird es aber Zeit, dass der deutsche Steuerzahler für Abhilfe sorgt.

  • Léon am 17.01.2020 23:43 Report Diesen Beitrag melden

    Envoyer Bausch pour régler le problème.