Flüchtlingskrise

06. Juli 2017 14:41; Akt: 06.07.2017 15:04 Print

«Das Schiff soll nicht 1000 Meilen weiterfahren»

TALLINN/LUXEMBURG – Außenminister Jean Asselborn hat die EU-Staaten aufgefordert, Italien in der Flüchtlingskrise zu helfen.

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Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn hat die EU-Staaten aufgefordert, Italien in der Flüchtlingskrise zu helfen. (Bild: DPA)

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Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière lehnt die Öffnung weiterer Häfen für europäische Flüchtlingsschiffe ab. «Das unterstützen wir nicht», sagte der CDU-Politiker am Donnerstag im estnischen Tallinn bei einem Treffen mit seinen europäischen Amtskollegen. Damit wandte er sich gegen italienische Forderungen, dass Rettungsschiffe Migranten auch in Häfen außerhalb Italiens bringen sollen. Auch mehrere andere EU-Staaten winkten ab.

Die Bundesregierung befürchtet, dass solch ein Schritt noch mehr Migranten zur Überfahrt ermutigen könnte. Im laufenden Jahr sind bereits mehr als 85.000 Menschen über die zentrale Mittelmeerroute über Libyen nach Italien gekommen. Bei dem Treffen in Tallinn wollen die Minister über Möglichkeiten zur Entlastung Italiens beraten. Vorstellbar wäre etwa mehr finanzielle Unterstützung oder dass Länder anbieten, Italien mehr Flüchtlinge abzunehmen.

Asselborn: «Nicht praktikabel»

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn hält die Idee für nicht praktikabel: «Wenn ein Schiff kommt mit Menschen an Bord, die leiden, sehe ich schwer ein, dass man dann sagt "Das Schiff soll Tausend Meilen weiterfahren".» Ähnlich argumentieren Hilfsorganisationen. Häfen – etwa in Frankreich – anzufahren, würde deutlich länger dauern und viele Schiffe, die zur Rettung der Migranten im Mittelmeer eingesetzt werden, wären darauf nicht ausgerichtet. Die hohen Ankunftszahlen von Bootsflüchtlingen seien «kein italienisches Problem, das ist ein europäisches Problem».

Pro Asyl verlangte, Flüchtlinge müssten im nächstgelegenen sicheren Hafen an Land gebracht werden. Dies sei in der Regel Malta oder das italienische Lampedusa. Von dort sollten sie in andere EU-Staaten weiterreisen dürfen.

«Häfenöffnungen lösen das Problem nicht»

Auch andere Länder lehnten die Forderungen ab. «Italien hat um Hilfe gebeten und wir verstehen, dass es um Hilfe bittet», sagte der spanische Innenminister Juan Ignacio Zoido auf die Frage, was es von der Idee hält, spanische Häfen zu öffnen. Auch die spanischen Häfen stünden derzeit unter großem Druck. «Die irreguläre Migration über das westliche Mittelmeer ist um 140 Prozent angestiegen.» Auch Frankreich lehnte ab. «Der Innenminister hat mit Nein geantwortet. Wir wollen das nicht machen», sagte Regierungssprecher Christophe Castaner am Donnerstag im Sender LCI.

Der niederländische Justizminister Stef Blok zeigte sich ebenfalls skeptisch. «Nur die Öffnung von mehr Häfen allein wird das Problem nicht lösen.» Allerdings regte er an, Migranten in nordafrikanische Häfen zurückzubringen. Auf eine entsprechende Nachfrage erklärte er, dass dafür Tunesien oder Ägypten in Frage kommen könnten.

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gru am 06.07.2017 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Së sollen all do bläiwen wou d'Natur së gesaat huett , da wir ëtt vill méi rouëg ënnert der Sonn op äisem gudden aale Planeet !!!

  • Christina am 06.07.2017 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    "Pro Asyl verlangte, Flüchtlinge müssten im nächstgelegenen sicheren Hafen an Land gebracht werden. Dies sei in der Regel Malta oder das italienische Lampedusa." Falsch- der nächste sichere Hafen wäre in Tunesien! Pro Asyl hat wohl kein Geographie Unterricht gehabt oder man dreht es sich immer so, dass es politisch passt, gell?!

  • Jos am 06.07.2017 23:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht Milliarden Menschen schlechter als uns . Wer entscheidet darüber, wem es besser gehen soll? Dem Mutigeren, dem besser den Schlepper zahlenden, dem Skrupelloseren oder vielleicht der Zufall? Fakt ist, da wir nicht alle aufnehmen können, bleibt es immer ungerecht. Am besten wäre es, vor Ort zu versuchen, diesen Menschen eine bessere Perspektive und Ausbildung zu schaffen und gleichzeitig aber jenen, die nicht bleiben wollen eine klare Botschaft zu senden, bleibt zu Hause und bring Euch in Euer Land ein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • hannerhältëgen politëschen Gangstershit am 07.07.2017 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wann den Här Asselborn gären kritiséiert,soll hien mol zu Lëtzeburg bei de Fonds hannert der Häck ufänken d'Ursachen ze benennen an ze kritiséieren,wou ënner dem Mantel 'Entwëcklungshëllef' d'Leit an den sougenannten Drëttweltlänner de Buëdem ënner de Féiss weggeholl kréien,subventionnéiert vun onseren Steieren, an sech keen Iessen méih kënnen ubauen,well hiert Land vun wéissen Westler bëllëg oder gratis besaat an ausgebeut gëtt! Dofir kréien sie deiër ëmweltverseuchend Sondermüllgentechproduits ugedréint, déih sie fir Bill & Co gratis als 'Experimentéierraten' am Fréihlandlabo ausprobéieren!

  • dusninja am 07.07.2017 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Niemand: Solange die EU mit billigem, subventioniertem und riesigen Fangflotten in Afrika Jobs zerstört, werden die Flüchtlinge weiter kommen. Soll die EU ruhig alle Flüchtlinge aufnehmen, sie ist ja schliesslich die Verursacherin des Problems.

  • Jos am 06.07.2017 23:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht Milliarden Menschen schlechter als uns . Wer entscheidet darüber, wem es besser gehen soll? Dem Mutigeren, dem besser den Schlepper zahlenden, dem Skrupelloseren oder vielleicht der Zufall? Fakt ist, da wir nicht alle aufnehmen können, bleibt es immer ungerecht. Am besten wäre es, vor Ort zu versuchen, diesen Menschen eine bessere Perspektive und Ausbildung zu schaffen und gleichzeitig aber jenen, die nicht bleiben wollen eine klare Botschaft zu senden, bleibt zu Hause und bring Euch in Euer Land ein.

  • Niemand am 06.07.2017 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Der Herr Asselborn soll dort lieber der italienischen Bevölkerung helfen, die dank der Regierung im Not sind. Seine Strategie soll er auch ändern und dort helfen, wo diese Flüchtlinge kommen.

  • Gru am 06.07.2017 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Së sollen all do bläiwen wou d'Natur së gesaat huett , da wir ëtt vill méi rouëg ënnert der Sonn op äisem gudden aale Planeet !!!