Mady Delvaux

19. April 2019 07:57; Akt: 19.04.2019 08:11 Print

«Die EU kann vorerst nicht erweitert werden»

LUXEMBURG – Die LSAP-Politikerin Mady Delvaux scheidet mit den kommenden EU-Wahlen aus dem Parlament aus. Im «L'essentiel»-Interview zieht sie Bilanz.

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Mady Delvaux kandidiert nicht mehr bein den EU-Wahlen. (Bild: Editpress/Tania Feller)

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L'essentiel: Frau Delvaux, Sie lassen sich bei den kommenden Wahlen nicht mehr aufstellen. Was waren die wichtigsten Themen, an denen sie in Straßburg gearbeitet haben?

Mady Delvaux: Ich habe im Rechtsausschuss für Robotik und künstliche Intelligenz gesessen. Ein spannendes Feld, in dem es ständig Entwicklungen gibt. Ich hatte auch mit den Bankenvorschriften der EU zu tun. Ich denke, wir haben im Laufe der Jahre Fortschritte gemacht. Das Finanzsystem ist stabiler geworden.

Was halten Sie von der umstrittenen Urheberrechtsreform? Sie waren die stellvertretende Vorsitzende der zuständigen Kommission.

Ich denke, dass der ausgehandelte Kompromiss keine gute Lösung ist. Er wird zu vielen Gerichtsverfahren führen. Die Umsetzung wird sehr schwierig. Die Debatten zu diesem Thema waren heftig.

Versteht die Öffentlichkeit die Arbeit des Parlamentes?

In der Öffentlichkeit sind die Themen Migration, Brexit und Klimawandel in den letzten Jahren in den Vordergrund gerückt. Was die breite Öffentlichkeit gerade beschäftigt, unterscheidet sich manchmal von der konkreten Arbeit, die für Parlamentsmitglieder anfällt.

Die EU wird regelmäßig kritisiert. Glauben Sie, dass die Union gut funktioniert?

Die Anfeindungen gegen Europa machen mich traurig. Wenn Europa nicht so funktioniert, wie wir es uns wünschen, dann deshalb, weil sich die gewählten Vertreter und Regierungen der Mitgliedstaaten nicht auf zufriedenstellende Lösungen einigen können. Manchmal dauert es lange, bis wir Kompromisse finden, aber das ist der Preis der Demokratie. Die EU ist vielleicht nicht perfekt, aber das Beste, was wir je hatten.

Wie kann man dem EU-Verdruss der Bürger begegnen?

In den letzten Umfragen des Eurobarometers nimmt die Zustimmung für Europa wieder zu. Die Menschen sehen, dass wir angesichts des Terrorismus, der Aggressivität der Vereinigten Staaten, Putins oder Chinas nur gemeinsam unsere Werte verteidigen können. Die Briten finden keine Einigung für einen Brexit. Die Menschen beginnen zu erkennen, dass es keine Alternative gibt.

Welche Veränderungen in der EU haben Sie seit Ihrer ersten Amtszeit im Jahr 1999 beobachtet?

Die Erweiterungen von 2004 und 2007 haben die Union stark verändert. Genau wie der Vertrag von Nizza 2001, der dem Europäischen Parlament mehr Macht gab. Eine Union mit 28 Mitgliedern ist viel komplexer. Bevor wir die EU erneut erweitern können, müssen die Mitgliedsstaaten näher zusammenrücken.

Warum haben Sie sich entschieden, nicht mehr anzutreten?

Ich wurde 1950 geboren, ich habe eine 15-jährige Ausbildung und 30 Jahre in der Politik hinter mir. Daher habe ich beschlossen, eine Pause einzulegen. Ich habe keine konkreten Projekte für die Zukunft, aber es wird sicherlich noch etwas kommen.

(Joseph Gaulier/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claude am 19.04.2019 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Europa ass net EU!!! Dat 1. ass eise Kontinent, dat 2. eng supranational Organisatioun. Daat ass keng Saach vun enger Interpretatioun, mee e Fait. Wéini halen sou EU-Euphoriker endlech mat dem Amalgame do op? Schwäiz, Norwegen, Island a 25% vu Russland leien och an Europa ... an déi Länner si méi europäesch wéi mëttlerweil verschidden Grousssried an de westlechen EU-Länner!

  • Dusninja am 19.04.2019 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    EU ist das reinste Affentheater. War gestern bei der SNCA, mein dt.Original ist nicht anerkannt worden, weil die lux. Polizei auf die Bescheinigungen einen Stempel macht und die dt. nicht. So viel zur Zusammenarbeit und Anerkennung innerhalb von Europa. Aber wenn man die Bürger schikanieren kann, Busgelder, Steuer und so, da ist die EU gross. Kein Wundner also, dass mit der EU nur negatives assoziiert wird.

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  • Claude am 19.04.2019 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Europa ass net EU!!! Dat 1. ass eise Kontinent, dat 2. eng supranational Organisatioun. Daat ass keng Saach vun enger Interpretatioun, mee e Fait. Wéini halen sou EU-Euphoriker endlech mat dem Amalgame do op? Schwäiz, Norwegen, Island a 25% vu Russland leien och an Europa ... an déi Länner si méi europäesch wéi mëttlerweil verschidden Grousssried an de westlechen EU-Länner!

  • Dusninja am 19.04.2019 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    EU ist das reinste Affentheater. War gestern bei der SNCA, mein dt.Original ist nicht anerkannt worden, weil die lux. Polizei auf die Bescheinigungen einen Stempel macht und die dt. nicht. So viel zur Zusammenarbeit und Anerkennung innerhalb von Europa. Aber wenn man die Bürger schikanieren kann, Busgelder, Steuer und so, da ist die EU gross. Kein Wundner also, dass mit der EU nur negatives assoziiert wird.