Zweifelhafte Deal

09. August 2020 10:34; Akt: 09.08.2020 10:44 Print

Großbritannien kauft nutzloses Corona-​​Material

Der britische Staat gab um die 300 Millionen Pfund für unbrauchbares medizinisches Material aus. Regierungsmitarbeiter sollen Aufträge an eigene Firmen vergeben haben.

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Die Pannenserie der britischen Regierung im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie reißt nicht ab: Die britische Aufsichtsbehörde für Medizinprodukte hat am Samstag den Rückruf von rund 750.000 Coronavirus-Test-Sets veranlasst. Wie die Regierung in London bestätigte, handelt es sich um Tests des nordirischen Medizintechnik-Konzerns Randox. Die Tests seien möglicherweise nicht sicher für den Gebrauch, hieß es zur Begründung.

Dies ist allerdings der zweite irrtümliche Kauf medizinischer Güter, mit dem der britische Staat Millionen Pfund verliert.

Die 750.000 unbrauchbaren Tests

Die Firma Randox hatte im März einen Auftrag in Höhe von 133 Millionen Pfund (umgerechnet etwa 158 Millionen Euro) von der britischen Regierung erhalten, unter anderem für die Bereitstellung von Coronavirus-Tests. Dem Guardian zufolge erfolgte die Vergabe ohne Ausschreibung. Gerechtfertigt wurde das durch die hohe Dringlichkeit, die Testkapazitäten des Landes rasch zu erhöhen.

Pikant ist jedoch, dass ein führender Abgeordneter der regierenden Konservativen, Owen Paterson, als Berater für die Firma tätig ist. Paterson erhält dem Register für Nebeneinkünfte des britischen Parlaments zufolge dafür jährlich 100.000 Pfund (umgerechnet knapp 120.000 Euro).

Die 50 Millionen ungeeigneten Schutzmasken

Erst am Donnerstag war bekannt geworden, dass 50 Millionen Schutzmasken, die vom Gesundheitsministerium in London gekauft wurden, für den Gebrauch im Nationalen Gesundheitsdienst ungeeignet sind. Auch hier soll es der Nichtregierungsorganisation Good Law Project zufolge keine Ausschreibung gegeben haben. Die NGO wirft der Regierung vor, gegen Wettbewerbsregeln verstoßen zu haben.

In einem Schreiben gestehen die Anwälte der Regierung ein, dass 50 Millionen Schutzmasken des Lieferanten Ayanda Capital nicht für den Gebrauch in Krankenhäusern geeignet sind, weil sie mit Gummibändern an den Ohren anstatt hinter dem Kopf befestigt werden. Damit sei nicht gewährleistet, dass die Masken eng genug anliegen, so die Begründung.

Nach Schätzung des Good Law Project wurden für die Masken zwischen 156 und 177 Millionen Pfund (umgerechnet rund 185 bis 210 Millionen Euro ausgegeben). Was mit den Masken nun geschehen soll, war zunächst unklar.

Auch in diesem Fall soll der Kauf von einem Regierungsberater eingefädelt worden sein, der laut BBC gleichzeitig für die beauftragte Firma Ayanda Capital tätig war.

Premierminister Boris Johnson sagte der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge, er sei «sehr enttäuscht» dass sich Lieferungen von Schutzmaterial als nicht geeignet herausstellten. Er verwies jedoch darauf, dass Großbritannien Milliarden von Schutzmaterialien beschafft habe und nun vermehrt auch im eigenen Land herstelle.

(L'essentiel/Karin Leuthold)

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