Boris Johnson

19. Juni 2019 08:37; Akt: 19.06.2019 08:45 Print

Haushoher Favorit gibt sich am TV zahm

«Wir müssen aus der EU rauskommen», sagte der Favorit für Theresa Mays Nachfolge am TV. Boris Johnson ließ aber offen, ob mit oder ohne Brexit-Deal.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im Rennen um das Amt des konservativen Parteichefs und künftigen Premierministers hat der britische Ex-Außenminister Boris Johnson einen weiteren Erfolg errungen. Johnson erhielt am Dienstag 126 der 313 Stimmen aus der Tory-Fraktion.

Johnson zieht damit als haushoher Favorit in die nächste Wahlrunde am Mittwoch. Ebenfalls eine Runde weiter sind Außenminister Jeremy Hunt, Umweltminister Michael Gove, Innenminister Sajid Javid sowie Überraschungskandidat Rory Stewart. Ex-Brexit-Minister Dominic Raab verfehlte dagegen die Hürde von 33 Stimmen.

Zahmer Johnson

Bei einer TV-Debatte zwischen den fünf verbliebenen Bewerbern in der BBC am Dienstagabend wollte sich Johnson nicht festlegen, ob er das Land im Zweifel auch ohne Abkommen am 31. Oktober aus der EU führen werde. «Wir müssen rauskommen», sagte er. «Ansonsten, fürchte ich, werden wir einen katastrophalen Vertrauensverlust in der Politik erleben.» Gleichzeitig betonte er aber, niemand wolle einen «ungeordneten Brexit».

Johnson will das drei Mal im britischen Parlament gescheiterte Brexit-Abkommen mit Brüssel nachverhandeln. Die EU lehnt dies allerdings kategorisch ab. Einziger Ausweg, um den Austritt trotzdem rechtzeitig zu vollziehen, wäre ein No-Deal-Brexit, auf den viele Johnson-Unterstützer hoffen. Experten rechnen für diesen Fall jedoch mit drastischen Konsequenzen für die Wirtschaft und viele andere Lebensbereiche.

Bisher hatte sich der für provokante Äußerungen berüchtigte Johnson in der Öffentlichkeit auffällig zurückgehalten. Auch am Dienstagabend präsentierte er sich verhältnismäßig zahm. Der Politiker, der am Mittwoch seinen 55. Geburtstag feiert, gilt im Rennen um die Nachfolge von Premierministerin Theresa May als kaum noch zu schlagen. Johnson war einer der Wortführer für den Brexit vor der Volksabstimmung im Juni 2016. Die Briten hatten sich damals mit knapper Mehrheit für den EU-Austritt ausgesprochen.

Gefährlicher Verfolger

Einziger Kandidat, der einen ungeordneten Brexit ablehnt, ist Stewart. Er will notfalls mithilfe einer Bürgerversammlung doch noch eine Mehrheit für den Brexit-Deal im Parlament zusammenbekommen. Er forderte den Ex-Außenminister bereits mehrfach dazu auf, zu erklären, wie er seine vollmundigen Versprechungen in Sachen EU-Austritt in die Realität umsetzen will. Spekulationen, Stewart könne erheblichen Druck auf Johnson aufbauen, bestätigten sich in der Fernsehdebatte am Dienstag jedoch nicht.

Bei der Abstimmung in der Fraktion hatte Stewart zuvor einen deutlichen Erfolg eingefahren. Der Entwicklungshilfeminister konnte die Zahl seiner Unterstützer seit der ersten Abstimmungsrunde beinahe verdoppeln. Anders als seine Mitbewerber schielt er nicht auf einen Ministerposten in einer Johnson-Regierung. Ob er die nächste Abstimmungsrunde am Mittwoch überstehen wird, und sich zum Johnson-Gegenspieler entwickeln kann, scheint aber fraglich.

Bis Donnerstag soll die Zahl der Bewerber in weiteren Wahlrunden, bei denen jeweils der Letztplatzierte ausscheidet, von der Fraktion auf zwei reduziert werden. Wer von den beiden Parteichef und damit Premierminister wird, sollen dann die rund 160.000 konservativen Parteimitglieder entscheiden. Umfragen zufolge ist Johnson an der Basis unangefochtener Spitzenreiter. Viele trauen ihm zu, enttäuschte Brexit-Wähler, die sich von den Tories abgewendet haben, zurückzugewinnen. Bis zur Woche vom 22. Juli soll feststehen, wer neuer Regierungschef in Großbritannien wird.

(L'essentiel/chk/sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.