Wahl in Belarus

10. August 2020 19:53; Akt: 10.08.2020 21:14 Print

Unterlegene Kandidatin zweifelt Wahlergebnis an

Angeblich mit über 80 Prozent der Stimmen will Präsident Alexander Lukaschenko die Wahl in Weißrussland gewonnen haben. Seine Gegnerin Swetlana Tichanowskaja sieht das anders.

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Staatschef Alexander Lukaschenko hat sich am Sonntag ungeachtet gewaltsamer Proteste zum Sieger der Präsidentenwahl in Belarus (Weißrussland) erklärt. Der 65-Jährige, der als «letzter Diktator Europas» gilt, will beim Urnengang 80,23 Prozent der Stimmen erzielt haben. Lukaschenkos Gegnerin, die 37-jährige Swetlana Tichanowskaja, kam demnach nur auf 9,9 Prozent der Stimmen. Die gelernte Englischlehrerin wirft dem Präsidenten vor, sich nach mehr als 26 Jahren an der Macht mit Gewalt eine sechste Amtszeit sichern zu wollen. Jetzt teilte sie mit: «Wir erkennen die Ergebnisse nicht an».

Tichanowskajas Wahlkampfstab geht davon aus, dass sie bei der Präsidentenwahl zwischen 70 und 80 Prozent der Stimmen errungen hat. Der Stab veröffentlichte dazu auch einzelne Protokolle aus Wahllokalen, in denen ehrlich ausgezählt worden sein soll.

Wahlziel Tichanowskajas war es, ins Präsidentenamt gewählt zu werden, um alle politischen Gefangenen freizulassen und dann freie Neuwahlen auszurufen. Unter den Inhaftierten ist auch ihr Mann Sergej Tichanowski, ein regierungskritischer Blogger. Nach Drohungen, nicht zur Wahl anzutreten, hatte Tichanowskaja ihre Kinder ins Ausland bringen lassen. Sie will aber für eine Zukunft ihrer Kinder in Belarus weiter kämpfen. «Ich sehe keinen einzigen Grund, weshalb ich verhaftet werden sollte. Ich habe nicht vor, das Land zu verlassen.»

Lukaschenko macht «das Ausland» verantwortlich

Die Unterstützer der 37-Jährigen hatten in der Nacht auf Montag zu Tausenden gegen Lukaschenko und Wahlfälschungen protestiert. Es gab viele Verletzte und Festnahmen. Dafür macht Lukaschenko das Ausland verantwortlich. Es habe Aufrufe dazu aus Polen, Russland und Tschechien gegeben, sagte der Präsident am Montag Staatsmedien zufolge in Minsk. «Sie kontrollieren unsere Schafe. Und die verstehen nicht, was sie tun, und werden bereits kontrolliert», sagte der 65-Jährige. Hinter den Drahtziehern müssten nicht zwingend staatliche Strukturen stehen. «Es wird keinen Maidan geben, egal wie sehr jemand das will. Es ist wichtig, dass sich alle beruhigen», so der Langzeitpräsident.

Lukaschenko hatte bereits im Wahlkampf vor einer Revolution und Zuständen wie 2014 auf dem «Maidan» gewarnt, dem Unabhängigkeitsplatz von Kiew im Nachbarland Ukraine. Er drohte mehrfach mit dem Einsatz der Armee. Der Präsident meinte, an die Eltern von Demonstranten gerichtet, sie sollten auf ihre Kinder aufpassen, damit es später keine Wehklagen gebe. «Etwa 25 Bereitschaftspolizisten wurden verwundet. Sie wurden absichtlich geschlagen. Sie haben geantwortet.»

Die Proteste begannen landesweit am Sonntagabend kurz nach Schließung der Wahllokale. Sie waren die schwersten, die die frühere Sowjetrepublik je gesehen hat. Es gab nach Angaben der Behörden mehr als 3000 Festnahmen und zudem fest 100 Verletzte.

(L'essentiel/SDA)

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