Carola Rackete

30. Juni 2019 13:23; Akt: 30.06.2019 13:29 Print

Kapitänin (31) droht mehrjährige Haftstrafe

Am Samstag wurde die Kapitänin der Sea Watch 3 im Hafen von Lampedusa verhaftet. Im Internet zeigt sich eine Welle der Solidarität.

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Wenige Stunden nach der Verhaftung von Carola Rackete wird die 31-jährige Kapitänin des deutschen Rettungsbotes Sea Watch 3 im Internet als Heldin gefeiert. Sie hatte 40 aus Seenot gerettete Flüchtlinge ans italienische Festland gebracht und damit gegen geltende Gesetze verstoßen.

Im Hafen versammelten sich Anwohner und Aktivisten. Einige jubelten, andere riefen: «Schande» und «Hau ab!» Rackete wurde von Polizisten vom Schiff abgeführt. Ihr werden unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung sowie die Verletzung italienischer Hoheitsgewässer vorgeworfen.

Johannes Bayer, Vorstand der zivilen Seenotrettungs-Organisation Sea Watch preist die Kapitänin auf Twitter: «Sie hat genau richtig gehandelt.»

Rackete gab in einem von der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch veröffentlichten Video an, sie habe lange auf eine Lösung gewartet. Eine solche habe sich jedoch nicht abgezeichnet, deswegen habe sie sich «jetzt entschlossen, selbständig im Hafen anzulegen», sagte die 31-Jährige.

Salvini fordert Gefängnisstrafe

«Mission erfüllt», schrieb Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechtsradikalen Lega im Kurzbotschaftendienst Twitter. «Verbrecherische Kapitänin festgenommen, Piratenschiff beschlagnahmt, Höchststrafe für die ausländische Nichtregierungsorganisation.»

Später sprach Salvini von einem «kriminellen Akt, einem Kriegsakt» und forderte eine Gefängnisstrafe für die Kapitänin. Andere Hilfsorganisationen warnte er, sie könnten niemanden mehr nach Italien bringen. Ziel sei es «alle zurück auf den afrikanischen Kontinent zu bringen».

Müde und gestresst

Italienischen Medienberichten zufolge drohen der 31-Jährigen bis zu zehn Jahre Haft. Zuvor hatte Rackete angegeben, sie wisse, was sie riskiere und sei bereit, für ihre Entscheidungen ins Gefängnis zu gehen.

Rackete wurde am Samstagvormittag unter Hausarrest gestellt. Sie soll binnen 48 Stunden von der Staatsanwaltschaft verhört werden, wie ihr Anwalt Leonardo Marino sagte. Rackete sei «müde und gestresst», sagte er.

«Respekt für ihren Mut»

«Humanitäre Gründe können keine unzulässigen Gewaltakte gegen Uniformierte rechtfertigen, die auf See für die Sicherheit aller sorgen», sagte Staatsanwalt Luigi Patronaggio in italienischen Medien. Die Staatsanwaltschaft auf Sizilien hatte bereits vor dem Anlegen der «Sea-Watch 3» ein Ermittlungsverfahren gegen die Kapitänin eingeleitet.

Ansonsten findet Carola Rackete große Zustimmung für ihre Aktion. So bekundet Christiane Schneider von der deutschen Bürgerschaftsfraktion Die Linke der Frau aus dem niedersächsischen Hambühren «Respekt für ihren Mut und ihre Entschlossenheit».

Der langjährige ARD-Redakteur Arnd Henze schreibt auf seinem Privataccount, es gehe bei der Aktion von Rackete um die «Verteidigung der humanitären Seele Europas».

Erik Marquardt, der für Die Grünen im europäischen Parlament sitzt, nennt die Verhaftung der Kapitänin «schäbig».

Die Künstlervereiningung «Zentrum für Politische Schönheit» verlangt auf Facebook vom deutschen Bundeskanzleramt, sich hinter «Sea Watch» zu stellen.

Auch er Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, hat sich laut einer Pressemitteilung zur Verhaftung der Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete geäußert: «Eine junge Frau wird in einem europäischen Land verhaftet, weil sie Menschenleben gerettet hat und die geretteten Menschen sicher an Land bringen will.» Dies mache ihn «traurig und zornig».

Hier wartet die Polizei auf Rackete:

(Video: AFP)

(L'essentiel/mat/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vinc am 30.06.2019 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    illegaler handel und schleusen von menschen...und ausserdem ein boot der italienischen hafenpolizei gerammt....versuchen sie mal sowas in den usa...oder russland!!!!

  • Timon.lu am 30.06.2019 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Warum werden in Seenot geratene Menschen nicht in den nächstgelegenen Hafen oder gar den Heimathafen ihres haverieten Bootes gebracht? Kriminelle Schlepper, welche eine illegale Einreise nach Europa ermöglichen, müssen konsequent und hart bestraft werden! Der "Sea Watch" wurde, entsprechend dem internationalen Seerecht, der nächssichere Hafen in Lybien zugewiesen (34 Seemeilen entfernt), mit der Zusicherung, die Schiffbrüchigen aufzunehmen, zu versorgen und medizinisch zu betreuen; alles unter internationaler Aufsicht. Dessen völlig ungeachtet, hat die Kapitänin unerlaubt Kurs auf das über 250 Seemeilen entfernte Italien genommen, obwohl bereits schwer Kranke und Sterbende an Bord waren, welche sie damit zusätzlich in Lebensgefahr gebracht hat.

  • Saupreis am 30.06.2019 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich hoffe, die kriegt 20 Jahre wegen schleusen von Menschen. was sie nie erzählt hat ist die Tatsache, das ihr Vater im Auftrag der BReg. Waffenlieferant ist, der Waffen an Länder verkauft, die auf Menschenrechte und Menschenwürde einen großen Haufen sch....

Die neusten Leser-Kommentare

  • sputnik am 01.07.2019 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diese Frau und sogenannte Schiffskapitän gehört bestraft zu werden und entziehen der Lizenz. Ohne wenn und aber.

  • Thomas Meier am 01.07.2019 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Die Titelseite von heute .... zeigt eindreinglich, was in Europa Priorität hat. Personalgerangel. Sie sind vollständig auf sich konzentriert. Ihren Lohn bekommen Sie zugunsten von Lösungen für Europa. Wo sind die Lösungen zur Bewältigung der Auswirkungen der Flüchtlingkrise, zur Vermeidung solcher Eskalationen wie die ausgelöste durch SeaWatch. Kapitäninnen können wohl direkt und wirksam Lösungen herbei- und die politischen Schwätzer vorführen. Was lernen die Schwätzer daraus. Ich finde das alles, gelinde gesagt, zum Kotzen.

  • Pablo am 01.07.2019 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Flüchlinge dei an seenot geroden sin sollen gereett gin an zereck dohinner bruet gin wou se mat hirem Boot komm sin, an et kann jo net sin dat eng Kapitänin sech Regelen widdersetzt an net den laut internationalem Seerecht zougewisenen Hafen usteiert mee sech op de wee no Italien (Lampedusa) mescht. Die Kapitänin soll eng Stroof kreien wegen Missachtung vun Gesetzer.

  • Timon.lu am 30.06.2019 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Warum werden in Seenot geratene Menschen nicht in den nächstgelegenen Hafen oder gar den Heimathafen ihres haverieten Bootes gebracht? Kriminelle Schlepper, welche eine illegale Einreise nach Europa ermöglichen, müssen konsequent und hart bestraft werden! Der "Sea Watch" wurde, entsprechend dem internationalen Seerecht, der nächssichere Hafen in Lybien zugewiesen (34 Seemeilen entfernt), mit der Zusicherung, die Schiffbrüchigen aufzunehmen, zu versorgen und medizinisch zu betreuen; alles unter internationaler Aufsicht. Dessen völlig ungeachtet, hat die Kapitänin unerlaubt Kurs auf das über 250 Seemeilen entfernte Italien genommen, obwohl bereits schwer Kranke und Sterbende an Bord waren, welche sie damit zusätzlich in Lebensgefahr gebracht hat.

  • Vinc am 30.06.2019 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    illegaler handel und schleusen von menschen...und ausserdem ein boot der italienischen hafenpolizei gerammt....versuchen sie mal sowas in den usa...oder russland!!!!