D-Day-Gedenken

06. Juni 2019 22:32; Akt: 06.06.2019 22:41 Print

Macron appelliert an Donald Trump

1944 landeten Zehntausende Soldaten der Alliierten in der Normandie. Zum Gedenken daran ist auch Trump gekommen. Macron redet dem US-Präsidenten ins Gewissen.

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Donald Trump und Emmanuel Macron geben sich zum D-Day-Gedenktag höchst einträchtig. (Bild: DPA/Ian Langsdon)

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat beim Gedenken an den D-Day US-Präsident Donald Trump an seine historische Verantwortung erinnert. «Amerika, lieber Präsident Trump, ist immer dann am größten, wenn es für die Freiheit der anderen gekämpft hat», sagte der 41-Jährige am Donnerstag auf dem US-Militärfriedhof Colleville-sur-Mer bei Bayeux. Bei der Zeremonie zur Erinnerung an die Landung der Alliierten in der Normandie vor 75 Jahren würdigten Macron und Trump den Einsatz der D-Day-Kämpfer als heroischen Akt für die Freiheit.

«Wir dürfen niemals aufhören, das Bündnis der freien Völker mit Leben zu erfüllen», mahnte Macron. Sein Verhältnis zu Trump gilt als kühl – auch weil der unberechenbare US-Präsident sein Land aus internationalen Abkommen zurückgezogen hat. Am D-Day-Jahrestag bemühten sich beide aber ausdrücklich um ein Signal der Harmonie.

An der Zeremonie in der Normandie nahmen rund 12.000 Besucher teil, mehr als 160 US-Veteranen waren auf der Tribüne vertreten. Für sie gab es mehrfach Applaus – Trump und Macron bedankten sich bei ihnen für ihren Einsatz. Auf dem Friedhof in Colleville gibt es 9380 amerikanische Soldatengräber.

Die Soldaten der Alliierten waren vor genau 75 Jahren, am 6. Juni 1944, an den Stränden der Normandie gelandet. Der sogenannte D-Day markiert den Auftakt der Befreiung Europas vom nationalsozialistischen Deutschland vom Westen her. Er steht aber auch für ein unmenschliches Blutvergießen, Zehntausende Tote und Verwundete.

Trump würdigte die Landung der alliierten Truppen in der Normandie als heldenhaften Einsatz für die Freiheit. Zehntausende Männer hätten ihr Blut vergossen. «Tausende haben ihr Leben geopfert – für ihre Brüder, für ihre Länder und für das Überleben der Freiheit», sagte er. Die Soldaten damals hätten nicht nur eine Schlacht oder einen Krieg gewonnen, sondern das Überleben der Zivilisation gesichert. «Sie haben unsere Lebensweise für viele Jahrhunderte verteidigt.»

Trump und Macron wurden von ihren Ehefrauen Melania und Brigitte begleitet. Die beiden Paare schauten sich im Anschluss an die Zeremonie gemeinsam einen Kunstflug der Patrouille de France über dem Friedhof in unmittelbarer Nähe des US-Landebereiches Omaha Beach an. Die Kunstflieger zeichneten eine Trikolore in den Himmel.

Macron beschwor in seiner Rede auch die Verbundenheit Frankreichs mit den USA. «Es lebe die Freundschaft zwischen unseren beiden Nationen», sagte er. Er erinnerte in einer emotionalen Rede an die Opfer Zehntausender Soldaten, die damals in der Normandie an Land gegangen waren. «Wir wissen, was wir Euch Veteranen zu verdanken haben», sagte er auf Englisch. «Im Namen meiner Nation möchte ich Danke sagen.» Er zeichnete fünf US-Veteranen mit dem Orden der Ehrenlegion aus.

Trump legte Macron nach dessen Rede die Hand auf die Schulter – Macron tat es ihm gleich. An die Adresse der Nationen, die damals zusammen gegen die Nationalsozialisten kämpften, sagte Trump, das gemeinsame Bündnis sei in der Hitze des Kampfes geschmiedet, im Krieg geprüft worden und habe sich in den Segnungen des Friedens bewiesen. «Unser Bündnis ist unzerbrechlich.»

Am Rande der Gedenkfeiern kamen Trump und Macron in Caen zu einem bilateralen Treffen zusammen. Macron würdigte vor dem Gespräch die «unzerbrechlichen Verbindungen» beider Nationen. Trump nannte sein Verhältnis zu Macron und die Beziehungen zwischen Frankreich und den USA «hervorragend». Auch die militärische Kooperation habe große Erfolge gebracht, etwa beim Kampf gegen die Terrormiliz IS in Syrien.

Das Gespräch sei positiv und konstruktiv gewesen, hieß es im Anschluss aus Élyséekreisen. Man plane sich beim anstehenden den G20-Treffen in Japan Ende Juni und beim G7-Treffen in Frankreich erneut zu treffen. Die beiden hätten sich unter anderem über die Ukraine nach der Präsidentenwahl sowie die Lage in Libyen und in der Sahelzone ausgetauscht.

Trump und Macron mühten sich insgesamt, Gemeinsamkeiten statt Differenzen nach vorne zu stellen – etwa auch beim Thema Iran. Gemeinsames Ziel sei, dass Teheran keine Atomwaffen besitze, betonten sie. Über den richtigen Weg dahin sind sich die USA und die Europäer allerdings uneins. Die USA waren vor gut einem Jahr im Alleingang aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen – was in Europa viel Kritik auslöste.

Keine Vertreter aus Deutschland

Der D-Day-Zeremonie auf dem US-Militärfriedhof Colleville-sur-Mer waren diverse andere Feierlichkeiten vorausgegangen. Am Morgen hatte Macron mit der scheidenden britischen Premierministerin Theresa May den Grundstein für eine britische Gedenkstätte in der Normandie gelegt. Gemeinsam legten die beiden einen Kranz nieder und zeigten sich sichtlich gerührt bei der Gedenkzeremonie in Ver-sur-Mer. Es sei unglaublich bewegend, an diesem Ort zu sein, sagte May. Sie besuchte anschließend mit dem britischen Thronfolger Prinz Charles und dessen Gattin Camilla einen Gottesdienst in der Stadt Bayeux.

Anders als am Vortag nahmen an den Gedenkfeierlichkeiten am Donnerstag in der Normandie keine hochrangigen Vertreter aus Deutschland teil.

Am Abend würdigte Macron den Einsatz einer französischen Spezialeinheit. Die 177 Männer des sogenannten Kommando Kieffer waren die einzigen französischen Soldaten, die vor 75 Jahren in der Normandie zusammen mit den anderen Alliierten gelandet waren. Frankreichs Premier Édouard Philippe und sein kanadischer Kollege Justin Trudeau legten bei einer Zeremonie in Courselles-ur-Mer Blumen nieder.

Bereits am Mittwoch hatte es in der südenglischen Hafenstadt Portsmouth eine große D-Day-Gedenkveranstaltung gegeben - unter anderem mit Macron, Trump, May und Kanzlerin Angela Merkel. Von Portsmouth aus hatte sich damals ein Großteil der Streitkräfte auf den Weg über den Ärmelkanal Richtung Normandie gemacht.

(L'essentiel/dpa)

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