Pegasus von NSO Group

20. Juli 2021 22:28; Akt: 20.07.2021 22:31 Print

Macron war Ziel von «mächtigster Abhörwaffe»

Am Sonntag machte ein Zusammenschluss verschiedener Medien publik, dass Journalistinnen, Spitzenpolitiker und Diplomatinnen potentiell Opfer einer Abhör-Software wurden.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im Zuge der Enthüllungen um die Spähsoftware Pegasus ist auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron als potentielle Zielperson auf einer geleakten Liste aufgetaucht. Eine von Macrons Nummern sei darauf entdeckt worden, sagte Laurent Richard, Chef der hinter den Enthüllungen stehenden Organisation Forbidden Stories, am Dienstag. Laut der «Zeit» wird sie bis heute von Macron benutzt.

Unklar sei jedoch, ob das Mobiltelefon des Präsidenten tatsächlich gehackt worden sei. Der «Guardian» und die «Zeit» schreiben beide, dass ein marokkanischer Kunde den Auftrag gegeben habe, Emmanuel Macron zu überwachen. Die NSO Group, die die Pegasus-Software betreibt, bestreitet das.

Telefonnummern von 14 Staatschefs

Betroffen seien auch weitere Regierungsmitglieder des französischen Kabinetts. Bei der Liste handelt es sich den Recherchen zufolge um die Nummern potentieller Ausspäh-Ziele, die von Kunden und Kundinnen der israelischen Spionagefirma NSO Group vorausgewählt wurden.

Insgesamt wurden laut «Süddeutscher Zeitung» Telefonnummern von 14 Staats- und Regierungschefs auf der Liste gefunden, die ausgespäht worden sein könnten, darunter unter anderem Libanons Ex-Ministerpräsident Saad Hariri, der marokkanische Regierungschef Saad-Eddine El Othmani und Pakistans Premierminister Imran Khan.

Hacker haben mehr Rechte als Besitzer des Telefons

Eine internationale Recherchegruppe von Medien aus zehn Ländern hatte am Sonntag berichtet, dass Hunderte Journalisten und Journalistinnen, Aktivisten und Aktivistinnen und Oppositionelle weltweit offenbar Opfer umfassender Abhöraktionen waren. Geheimdienste und Polizeibehörden mehrerer Länder sollen demnach die vom israelischen Unternehmen NSO angebotene Spähsoftware Pegasus missbraucht haben, um die Mobiltelefone der Betroffenen anzuzapfen.

Pegasus gilt als mächtigste Abhörwaffe überhaupt. «Wenn mit Pegasus zum Beispiel ein iPhone gehackt wird, erhalten die Angreifer sogenannte Root-Rechte. Damit können sie mehr tun, als die Besitzerin oder der Besitzer des Gerätes», erklärt Claudio Guarnieri vom Amnesty International Security Lab, der an der Recherche beteiligt war, im «Guardian».

Mehrere tausend Euro fürs Abhören

Das bedeutet, dass die Entwickler von Pegasus nach dem Hack unter anderem Zugriff auf Chats, Kontakte, Anruflisten, Kalender, Emails, Internet-Verlauf erhalten – einfach alles. Die NSO Group verlangt für das Abhören eines einzelnen Geräts mehrere tausend Euro.

Die NSO Group beteuert, dass die Pegasus-Software nur zur Überwachung von Terroristen und Terroristinnen eingesetzt werde. Gleichwohl befinden sich auf der den Medien zugespielten Liste Telefonnummern von 14 aktuellen oder ehemaligen Staatschefs – darunter eben auch diejenige von Emmanuel Macron.

(L'essentiel/AFP/her)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leckme am 21.07.2021 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Soll wir ihn jetzt noch bedauern oder wie?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Leckme am 21.07.2021 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Soll wir ihn jetzt noch bedauern oder wie?

    • Jang am 21.07.2021 13:07 Report Diesen Beitrag melden

      Schwacher französischer Geheimdienst, wenn die ihren Präsidenten nicht vor Abhören schützen. Die kannten doch die Software und benutzten sie auch.

    einklappen einklappen