Zollchaos in Grossbritannien

01. März 2021 19:43; Akt: 01.03.2021 20:37 Print

«Mehr als die Hälfte aller Lastwagen fahren leer»

In einem Interview berichtet ein britischer Branchenvertreter, dass rund 60 Prozent der Lastwagen wegen Zollproblemen leer nach Europa fahren.

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Während die britische Regierung von einem geregelten Betrieb spricht, seitdem das Königreich Anfang des Jahres aus der EU ausgetreten ist, schlagen einheimische Fernfahrer Alarm.

In einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenportal «Spiegel.de» erklärt Richard Burnett, Vorsteher des Branchenverbands RHA, dass die britische Logistikbranche unter dem Brexit leidet. Während die britische Regierung zurzeit noch die alten Bestimmungen gelten lässt, bleibt Brüssel hart und kontrolliert seit Jahresbeginn sämtliche Importe genauer.

«60 Prozent aller Lkw haben auf ihrem Weg in die EU überhaupt keine Waren dabei»

Wie der Logistikexperte sagt, hätten sich die befürchteten, meilenweiten Lastwagen-Kolonen am britischen Zoll mit Inkrafttreten der Zollbestimmungen zu Jahresbeginn aus einem simplen Grund nicht bewahrheitet: «Sie fahren leer.» So hätte der Verkehr ins Vereinigte Königreich seit Beginn des Jahres zwar wieder angezogen, in die umgekehrte Richtung sehe es aber düster aus. «Mindestens 50 Prozent, eher 60 Prozent aller Lkw haben auf ihrem Weg in die EU überhaupt keine Waren dabei, die sie verzollen müssten. Sie sind nur beladen, wenn sie in Richtung Großbritannien fahren», sagt Richard Burnett, Chef des britischen Spediteursverbands.

Weil die neuen Zollbestimmungen so komplex seien, zögen es viele Transporteure vor, ihre Lastwagen leer nach Europa zu schicken. Laut Burnett sei die eigene Regierung nicht auf die neuen Regeln zum Jahresbeginn hin vorbereitet gewesen. So seien statt den versprochenen 50.000 zurzeit nur rund 12.000 Zollbeamte am Werk. Besonders hart trifft es die Hersteller von Lebensmitteln und Produkten tierischer Herkunft. Viele britische Unternehmen hätten den Handel nach Europa zurzeit sogar ganz eingestellt.

Sorge vor weiterer Eskalation

In Großbritannien selbst haben sich die schlimmsten Befürchtungen bezüglich leeren Regalen in den Supermärkten (noch) nicht bewahrheitet. London lässt nämlich noch bis zum 1. April eine Schonfrist laufen, wonach europäische Importe nicht gesondert kontrolliert werden müssen.

Ab diesem Stichtag werden allerdings auch die Briten Waren aus der EU genauer kontrollieren und neue Zertifikate einfordern. Dies könnte dann auch Firmen und Logistikunternehmen aus dem europäischen Binnenmarkt hart treffen, wie Burnett andeutet.

Auch der Handel zwischen dem Landesteil Nordirland und dem Rest des Königreichs ist aufgrund der Brexit-Vereinbarungen von den neuen Zollbeschränkungen betroffen. Dort kam es bereits zu Jahresbeginn zu solchen Szenen.

Negativer Corona-Test vor der Einreise

Ende 2020 randalierten außerdem europäische Lastwagenfahrer am Hafen von Dover, nachdem die französische Regierung kurzfristig angekündigt hatte, dass vor der Einreise ein negativer Coronatest vorzuweisen sei.

Nach dem Austritt des Königreichs aus dem europäischen Binnenmarkt vor einem Jahr. arbeiteten die Vertreter der beiden Handelsblöcke im vergangenen Jahr in Rekordzeit ein Handelsabkommen aus. Nachdem das britische Unterhaus den Handelsvertrag verabschiedete, liegt das Dokument nun beim europäischen Parlament zur Ratifizierung.

(L'essentiel/Patrick McEvily)

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