«Beschissene Massnahme»

13. November 2019 16:36; Akt: 13.11.2019 16:38 Print

Niederlande erlauben nur noch Tempo 100

Seit langem überschreiten die Niederlande EU-Grenzwerte für den Ausstoß von Stickoxiden. Nun zieht Den Haag die Notbremse - und zwingt damit die Autofahrer, weniger Gas zu geben.

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Als erstes Land in Europa führen die Niederlande Tempo 100 als Höchstgeschwindigkeit auf allen Autobahnen ein. (Bild: DPA/Friso Gentsch)

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Als erstes Land in Europa führen die Niederlande Tempo 100 als Höchstgeschwindigkeit auf allen ihren Autobahnen ein. Das sei zwar eine «beschissene Maßnahme», jedoch sei das Tempolimit angesichts der notwendigen Senkung des Ausstoßes von Stickoxiden unumgänglich, sagte Ministerpräsident Mark Rutte am Mittwoch. «Niemand findet das schön, aber es geht hier echt um höhere Interessen», sagte der Regierungschef nach Angaben der niederländischen Nachrichtenagentur ANP weiter.

Ruttes rechtsliberale Partei VVD hatte vor einigen Jahren noch maßgeblich dafür gesorgt, dass vielerorts das niederländische Autobahn-Tempolimit von 120 auf 130 erhöht wurde.

Ab wann das am Dienstag von der Koalitionsregierung in Den Haag beschlossene neue Limit gelten soll, war zunächst noch unklar. Die Ministerin für Infrastruktur, Cora van Nieuwenhuizen, will laut ANP bis Ende Dezember einen konkreten Plan vorlegen. Ausnahmen von Tempo 100 soll es zwischen 19.00 und 6.00 Uhr geben. Aber nur für jene Autobahnabschnitte, auf denen bisher auch tagsüber maximal Tempo 130 erlaubt war.

Der niederländische Verkehrsclub ANBW - eine Partnerorganisation des deutschen ADAC - bezeichnete die Einführung von Tempo 100 als gewöhnungsbedürftig. Allerdings hätten 51 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage unter ANBW-Mitgliedern die Maßnahme zum Schutz der Natur als positiv bezeichnet - im Vergleich zu 34 Prozent, die Tempo 100 ablehnten.

Grund für die Tempo-Kehrtwende sind anhaltend hohe Emissionen von Stickoxiden, die gemessen an der Fläche des Landes EU-Grenzwerte erheblich übersteigen. Das höchste Gericht und Beratungsgremium der Regierung der Niederlande, der Raad van State, hatte angesichts dessen im Mai große Bauvorhaben gestoppt und die Regierung vor die Wahl gestellt, wirksamere Maßnahmen zur Stickoxidreduzierung zu ergreifen oder diese Projekte zu streichen - darunter Tausende von Wohnungen, aber auch Infrastrukturbauten wie die Erweiterung von Autobahnen. Auch beim Bauen wird, etwa durch den Erdaushub, Stickstoff freigesetzt.

Der «Stickstoffplan»

Rutte verwies darauf, dass die Einhaltung der Stickoxid-Grenzwerte für die Niederlande besonders schwierig sei. «Das ist eine Krise für unser Land und für die Regierung von bislang nicht gekanntem Ausmaß», sagte er vor Reportern. Zu den Ursachen gehört Experten zufolge, dass die Niederlande nach der Inselrepublik Malta der am dichtesten besiedelte Staat in der EU ist und nur über wenig natürliche Ausgleichsflächen oder größere Naturschutzgebiete verfügt, in denen Stickoxid abgebaut wird.

Der «Stickstoffplan» der Regierung sieht neben Tempo 100 eine Reihe weiterer Maßnahmen vor. Unter anderem soll in der Rinderhaltung mehr enzymreiches Futter verwendet werden, wodurch Kühe weniger Ammoniak abgeben sollen. Umweltorganisationen wie Greenpeace hatten auch eine Reduzierung des Nutztierbestandes gefordert, was zu Protestaktionen von Bauern führte.

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Enn Ell am 13.11.2019 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Man sollte dem Herrn Rutte erklären dass Auto-Motoren viel mehr Stickoxide ausstoßen wenn sie belastet werden, z.B. durch einen Wohnwagen. Das gilt übrigens auch im Ausland !

  • Klimawahn am 13.11.2019 21:20 Report Diesen Beitrag melden

    Klimawahn pur. Unsere Nachkommen werden sich fragen, wie konnte so ein Klimawahn entstehten. Nun, dass fragen sich heute die Nachkommen der 30ziger Jahren!!!

  • Sauber am 15.11.2019 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn doch Autofahren so umweltschädlich ist, wieso gibt dann noch die nationalen u. internationalen Autorennen in allen Ecken u. Kanten der Welt. (nicht zu vergessen, die Reisefreudigkeit der Politiker) Nun, ich stelle fest, dass Umweltschutz je nach Interessenvertretung behandelt wird u. nur zum Geldscheffeln von Wirtschaft u. Politik mißbraucht wird.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sauber am 15.11.2019 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn doch Autofahren so umweltschädlich ist, wieso gibt dann noch die nationalen u. internationalen Autorennen in allen Ecken u. Kanten der Welt. (nicht zu vergessen, die Reisefreudigkeit der Politiker) Nun, ich stelle fest, dass Umweltschutz je nach Interessenvertretung behandelt wird u. nur zum Geldscheffeln von Wirtschaft u. Politik mißbraucht wird.

  • Jay am 15.11.2019 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    OK Boomer!

  • Dusninja am 14.11.2019 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich sind Tempolimits Unfug. In allen Ländern, wo es eins gibt und ich schon war - und das geht auch für NL, (wenn der Wohnwagen nicht dranhängt) - wird definitiv schneller gefahren. Bei 130 bin ich von ca. 80%+ der Fahrzeuge in NL überholt worden. Wer etwas für die Umwelt tun möchte, kann sich auch freiwillig dran halten. Als der Ölpreis sehr teuer war sind viele zB in Lux nicht schneller als 120 gefahren. Über das Portemonnaie geht es also viel besser als über Verbote.

  • Kompensation am 14.11.2019 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder der auf sein tägliches Steak verzichtet darf einmal pro Woche schneller fahren.

  • Katja Moniak am 14.11.2019 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht gleich eine elektronische Begrenzung für alle Autos auf 100km/h für die ganze EU ? Wir müssen etwas geben den Klimawandel und die Schadstoffe unternehmen. Im Interresse unserer Kinder.