Abstimmung

12. September 2018 13:20; Akt: 12.09.2018 13:33 Print

EU-​​Parlament fordert Verfahren gegen Ungarn

Das EU-Parlament hat darüber abgestimmt, ob es gegen Ungarn ein Rechtsstaatsverfahren einleitet. Das Land soll gegen EU-Regeln verstoßen haben.

storybild

Ungarns Präsident Viktor Orban rechnete am Dienstag in Straßburg mit der EU ab. (Bild: DPA/Jean-Francois Badias)

Zum Thema

Das Europaparlament hat wegen Verstößen gegen demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien ein Vorgehen der EU gegen Ungarn gefordert. Die Abgeordneten verlangten am Mittwoch mit der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit ein Verfahren nach Artikel 7 EU-Vertrag, das bis zum Entzug von Stimmrechten auf europäischer Ebene führen kann. Mit der Frage muss sich nun der Rat der Mitgliedstaaten befassen.

Zuvor hatte der rechtsnationale, ungarische Regierungschef Viktor Orban Kritik aus der EU am Abbau von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in seinem Land vehement zurückgewiesen. Damit werde nicht seine Regierung verurteilt, sondern «ein Land und ein Volk», sagte er am Dienstag im Europaparlament in Straßburg.

«Ungarn will kein Einwanderungsland werden»

Zu Vorwürfen wegen der restriktiven Flüchtlingspolitik seiner Regierung sagte Orban, es gebe Pro-Einwanderungskräfte in der EU, die «Lügen über Ungarn verbreiten und das Land erpressen wollen».

Die Ungarn hätten ihre eigene Meinung zu Christentum, Nation, Familie, Kultur und Einwanderung, sagte Orban. Ungarn wolle kein Einwanderungsland werden. Daher habe es einen Zaun gebaut, um seine Grenzen zu schützen. Dadurch seien «Hunderttausende von Migranten» gestoppt worden.

Zahlreiche Verstöße

In einem Bericht des Innenausschusses im Europaparlament zur politischen Lage in Ungarn werden zahlreiche Verstösse gegen demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien aufgelistet - unter anderem Angriffe auf die Unabhängigkeit der Justiz, Einschränkungen der Medienfreiheit, Verstösse gegen die Rechte von Minderheiten oder Massnahmen gegen Nichtregierungsorganisationen.

Mit seinem Beitritt zur EU habe sich Ungarn verpflichtet, deren Werte einzuhalten, sagte die Berichterstatterin, die niederländische Grüne Judith Sargentini. Dies sei aber nicht der Fall.

«Korrupteste System in der EU»

Der Vize-Präsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, verwies auf zahlreiche Ermittlungen der EU-Behörde zur Betrugsbekämpfung (OLAF) wegen der Verwendung von EU-Geldern in Ungarn. In dem Land müsse der Kampf gegen Korruption verschärft werden, doch dazu sei eine «effektive Staatsanwaltschaft» nötig.

Bei 30 Prozent der öffentlichen Ausschreibungen in Ungarn gebe es nur einen Anbieter, sagte der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion, Udo Bullmann (SPD). Und unter ihnen seien Angehörige Orbans. «Sie stehen persönlich für das korrupteste System in der EU», rief Bullmann dem ungarischen Regierungschef zu.

Kritik kam auch vom Fraktionsvorsitzenden der christdemokratischen Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber (CSU): Wer die Angst vor Muslimen schüre und eine Religion über eine andere stelle, der mache genau das, was radikale Islamisten wollten.

(L'essentiel/kko/afp)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jos. am 12.09.2018 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    Tjo, sou ass ëtt an der EUDSSR, ween sëch nëtt béit, dee gëtt gebéit. Wa mir vu Solidaritéit schwätzen, sou froën ëch mëch op d'Merkel déi Länner do alleguerten am Viraus ëm hiren Accord gefrot huet, wéi hatt, en violation vun Schengen a Dublin, 2015 déi ganz Völkerwanderung Richtung EU déclenchéiert huet. Ëch mengen nëtt. Ech kann dofir ganz gudd verstoën, wann ëtt Länner gëtt, déi sëch schwéierst hannergangen fillen an dat Spillchen do eben nëtt wëlle mattspillen.

  • Claude am 12.09.2018 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ungarn a Polen sollen genau wéi Groussbritannien aus der EU austrieden, an aner Länner sollen sech hinnen uschléissen ... dono géifen d’EU-Technokraten ganz secher mol méi kleng Bréidecher baken, waat Bréissel sech mëttlerweil erlaabt ass schlëmmer wéi Moskau zu Sowjetzäiten!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jos. am 12.09.2018 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    Tjo, sou ass ëtt an der EUDSSR, ween sëch nëtt béit, dee gëtt gebéit. Wa mir vu Solidaritéit schwätzen, sou froën ëch mëch op d'Merkel déi Länner do alleguerten am Viraus ëm hiren Accord gefrot huet, wéi hatt, en violation vun Schengen a Dublin, 2015 déi ganz Völkerwanderung Richtung EU déclenchéiert huet. Ëch mengen nëtt. Ech kann dofir ganz gudd verstoën, wann ëtt Länner gëtt, déi sëch schwéierst hannergangen fillen an dat Spillchen do eben nëtt wëlle mattspillen.

  • Claude am 12.09.2018 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ungarn a Polen sollen genau wéi Groussbritannien aus der EU austrieden, an aner Länner sollen sech hinnen uschléissen ... dono géifen d’EU-Technokraten ganz secher mol méi kleng Bréidecher baken, waat Bréissel sech mëttlerweil erlaabt ass schlëmmer wéi Moskau zu Sowjetzäiten!