Aussenminister-Treffen

13. Juli 2020 19:24; Akt: 13.07.2020 20:15 Print

Türkei radiert «Allianz der Zivilisationen» aus

Vor 16 Jahren hatte Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn die Hoffnung, die Türkei bald als EU-Mitglied begrüßen zu dürfen. Diese hat sich offensichtlich zerschlagen.

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Am Montag hat Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn die von der Türkei geplante Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee als «Schlag gegen die Allianz der Zivilisationen» bezeichnet. (Bild: Editpress)

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Der Chef der luxemburgischen Diplomatie, Jean Asselborn, hat am Montag seine Enttäuschung über das Vorgehen der Türkei im östlichen Mittelmeerraum nicht verheimlicht und klare Worte gefunden: «Vor 15 oder 16 Jahren hatte ich große Hoffnungen, dass die Türkei ein europäisches Land werden könnte. Ein großes muslimisches Land, das die Demokratie vorantreibt», sagte er bei einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel, «leider müssen wir zugeben, dass dies in die falsche Richtung geht.»

Der Luxemburger hatte 2004 an dem Treffen teilgenommen, bei dem die EU der Türkei den Kandidatenstatus zuerkannt hatte. Am Montag hat er die die Türkei heftig kritisiert und die geplante Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee als einen «Schlag gegen die Allianz der Zivilisationen» bezeichnet. Zumal Hagia Sophia im Herzen von Istanbuls Altstadt einst das größte Gotteshaus der Christenheit war und zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Die von der Türkei mitbegründete Initiative sei damit in seinen Augen ausradiert, sagte Asselborn.

Dabei war die UN-Allianz der Zivilisationen 2005 auf Anregung des früheren spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero und des damaligen türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan ins Leben gerufen worden, mit dem Ziel eine bessere Verständigung zwischen der westlichen und der orientalischen Welt zu begründen. «Das ist nicht gut», sagte Asselborn, «ich denke, dass die Türkei mit dieser Geste irgendwie ihre Annäherung an die EU ausgelöscht hat.»

Schwieriger Austausch

Bei dem EU-Außenministertreffen in Brüssel sollte es am Montag unter anderem um die Frage gehen, wie eine weitere Eskalation der derzeitigen Spannungen zwischen der EU und der Türkei vermieden werden kann. Sie entzünden sich unter anderem an den von der EU als illegal erachteten Erdgas-Erkundungen vor Zypern und mutmaßlichen Verstößen der Türkei gegen das UN-Waffenembargo gegen Libyen.

«Unsere Beziehungen zur Türkei sind im Moment nicht besonders gut», betonte der Chef der europäischen Diplomatie Josep Borrell. Sein Besuch in Ankara vor einer Woche und seine Gespräche mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu waren schwierig. «Was in der Türkei geschieht, ist beunruhigend», sagte die schwedische Ministerin Ann Linde. «Wir sehen eine Reihe von Aktionen seitens der Türkei, die eine Diskussion darüber verdienen, wie wir mit ihnen umgehen werden», fügte ihre spanische Amtskollegin Arancha Gonzalez Laya hinzu. Alle Minister betonten jedoch die Bedeutung der Partnerschaft mit der Türkei als Nato-Mitglied.

(nc/L'essentiel/afp/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Léon am 14.07.2020 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Jean prend plutôt t’as retraite tu commences à fatiguer , pourquoi tu ne parle jamais des horreurs commises par des soldats au Congo.

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  • En Fixversteher am 14.07.2020 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Endlech fänkt en un dat ze verstoen wat en schonns zanter Joeren hei um Forum noliesen kann.

  • Moriarty am 15.07.2020 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin schockiert...! LOL!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jonas Gabriel am 16.07.2020 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Die Kommentare hier sind schrecklich. Keiner von denen war in der Türkei und glaubt blind den Medien und den EU Politikern, wo sie sonst sehr kritisch sind. Die Türkei ist keine Diktatur. Die türkische Demokratie ist nicht schlechter als in Polen, Ungarn oder Tschechien. Und dennoch immer wieder dieses sinnlose Türkei-Bashing. Die EU hat ohne die Türkei auf der Weltbühne keinerlei Gewicht ohne die Türkei. Wir sehen es deutlich auf dem Mittelmeer, in Libyen und Syrien. Hauptsache die Stammtischparolen gegen Türken und die Türkei wurden gegrölt. Bravo!

  • Redi am 16.07.2020 15:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich sehe das genau so... Turkei hat sich Jahre lang bemüht in die eu zu kommen aber die Eu hat sie nicht angenommen. Jetzt ist Türkei wirtschaftlich gesehen stark genug und sie lösen jedes Problem das sie haben selbst. Ob Ersogan gut oder schlecht ist spielt keine Rolle aber Türkei macht es richtig. Ich wurde sagen Pech gehabt Eu

  • Moriarty am 15.07.2020 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin schockiert...! LOL!

  • Yes am 14.07.2020 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ??????? Dann soll sich die Türkei erst mal an ihre Menschenrechte halten , Diktaturen haben nichts in der EU zu suchen !

    • Jonas Gabriel am 16.07.2020 15:40 Report Diesen Beitrag melden

      Was würde mit Journalisten in der EU passieren, die über ISIS positiv berichten? Die PKK ist auch in der EU eine Terrororganisation.

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  • Robert Schäfer (Schweich (D)) am 14.07.2020 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Türkei braucht keiner in der EU, diesen "Modernen Hitler" Erdogan der die Menschen-, Freiheits -und Meinungsfreiheitsrechte mit Füßen tritt braucht Europa nicht!

    • Jonas Gabriel am 16.07.2020 15:39 Report Diesen Beitrag melden

      Und ohne die Türkei ist die EU nur ein Papiertiger. Siehe Libyen, Syrien und Mittelmeer :-)

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