Premier der Niederlande

25. Januar 2021 12:24; Akt: 25.01.2021 12:24 Print

«Unruhen haben nichts mit Kampf für Freiheit zu tun»

Nach landesweiten Protesten gegen Ausgangssperren im Kampf gegen Corona ist der niederländische Premierminister Rutte empört. Die Polizei rechnet mit weiteren Unruhen.

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«Was ist in diese Leute gefahren?» Mit diesen Worten empört sich der niederländische Premierminister Mark Rutte über die Demonstranten, die am Sonntag gegen die nächtlichen Ausgangssperren im Kampf gegen die Corona-Pandemie in zahlreichen Städten im Land auf die Straße gingen.

«Diese Unruhen sind kriminelle Gewalt und haben nichts mit dem Kampf für Freiheit zu tun», so Rutte in einer ersten Reaktion am Montag, «Wir müssen den Kampf gegen das Virus gewinnen. Nur so können wir unsere Freiheit zurückgewinnen», so Rutte weiter.

Corona-Leugner, Fußball-Hooligans und Neo-Nazis

99 Prozent der Bürger würden verstehen, dass Maßnahmen wie Ausgangssperren notwendig seien und sich auch daran halten. An Maßnahmen wie Ausgangssperren will er nicht rütteln. «Es ist das Virus, das uns die Freiheit nimmt.» Die Polizei sprach von den schlimmsten Krawallen in 40 Jahren. Sie rechnet mit weiteren Unruhen in den kommenden Tagen.

Zu den Protesten gegen die Ausganssperren war vor allem über die sozialen Netzwerke aufgerufen worden. Die Polizei geht in ersten Analysen davon aus, dass unterschiedliche Gruppierungen sich an der Gewalt beteiligt hatten. Dazu gehörten Corona-Leugner, Fußball-Hooligans und Neo-Nazis.

Steine gegen Krankenhaus, Böller gegen Polizeipferde

In rund zehn Städten war es am Abend zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen – sogar die Militärpolizei kam zum Einsatz, etwa in Roermond und in der südöstlichen Provinz Limburg an der deutschen Grenze. Große Unruhen wurden auch aus Tilburg, Stein, Den Haag, und Apeldoorn gemeldet.

In Amsterdam ging die Polizei mit Pferden, Hunden und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor. In Enschede schleuderten Randalierer Steine gegen ein Krankenhaus. Mancherorts wurde mit Böllern gegen Polizeipferde geschossen. Auch Journalisten wurden angegriffen.

Besonders heftig waren die Krawalle in Eindhoven, im Osten des Landes. Der Bahnhof wurde demoliert, Läden geplündert. Golfbälle wurden gegen Polizisten geworfen und Barrikaden aus Fahrräder errichtet. «Hooligans kamen aus allen Ecken des Landes, sie hatten sich über die sozialen Medien verabredet», sagte der Bürgermeister von Eindhoven, John Jorritsma. «Wenn man auf diese Weise das Land in Brand steckt, dann ähnelt das einem Bürgerkrieg.»

«Das tut jeder Faser meines Körpers weh»

Am Morgen danach sagte Jorritsma: «Eindhoven - das ich seit Jahren baue, eine Stadt der Technologie, des Designs, der Kreativität und der Sozialpolitik - wird jetzt als Stadt des Bürgerkriegs bezeichnet. Das tut jeder Faser meines Körpers weh.»

Die Ausschreitungen hatten am Sonntagnachmittag in Amsterdam und Eindhoven begonnen. Mit Wasserwerfern und Tränengas hatte die Polizei zuvor verbotene Demonstrationen aufgelöst. Am Abend kurz vor Beginn der Ausgangssperre um 21 Uhr hatten sich die Unruhen dann auf andere Städte im ganzen Land ausgeweitet. Erst gegen Mitternacht hatte die Polizei die Lage unter Kontrolle.

Die Niederlande befinden sich bereits seit Mitte Dezember im Lockdown. Am Samstagabend war erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie die Ausgangssperre in Kraft getreten. Bis zunächst 9. Februar sind Geschäfte, Schulen und Gaststätten geschlossen, persönliche Kontakte stark eingeschränkt.

(L'essentiel/gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • klibbertmech am 25.01.2021 22:28 Report Diesen Beitrag melden

    tja das ist erst der anfang,ich mache eine wette,dass revolten bald überall in europa stattfinden werden

    einklappen einklappen
  • Octopus am 26.01.2021 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Haari Dat leit secher dodrun dat zanter den 80ger keng 'brav' Demo mei eppes bruet huet fir net ze soen ignoreiert get. Ma dat doten as Resultat, an mengt net dat et besser get, et steet an all Geschichtsbuch, dir braucht just ze liesen an ze verstoen. No normalen Demoen, kommen dei mat Gewalt, Dei nächst Stuuf as dann jo Total Anarchie, duerno Biergerkrich, an dann hun mer alles zesummen, an dann hun Regierungen gut geschafft. An alles nemmen weint Ignoranten gewielten Volleksvertrieder. Super.

  • Haari am 26.01.2021 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Demonstratiounen géint eppes ok awer mutwelleg Material futtimaachen an klauen/plūnderen daat geet definitiv ze wait!!!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Octopus am 26.01.2021 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Haari Dat leit secher dodrun dat zanter den 80ger keng 'brav' Demo mei eppes bruet huet fir net ze soen ignoreiert get. Ma dat doten as Resultat, an mengt net dat et besser get, et steet an all Geschichtsbuch, dir braucht just ze liesen an ze verstoen. No normalen Demoen, kommen dei mat Gewalt, Dei nächst Stuuf as dann jo Total Anarchie, duerno Biergerkrich, an dann hun mer alles zesummen, an dann hun Regierungen gut geschafft. An alles nemmen weint Ignoranten gewielten Volleksvertrieder. Super.

  • Haari am 26.01.2021 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Demonstratiounen géint eppes ok awer mutwelleg Material futtimaachen an klauen/plūnderen daat geet definitiv ze wait!!!!!

  • klibbertmech am 25.01.2021 22:28 Report Diesen Beitrag melden

    tja das ist erst der anfang,ich mache eine wette,dass revolten bald überall in europa stattfinden werden

    • Misch am 26.01.2021 08:31 Report Diesen Beitrag melden

      In Wien und in Spanien ist das jetzt schon der Fall

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