Grossbritannien

07. Juni 2019 12:14; Akt: 07.06.2019 12:14 Print

Warum der Favorit auf Mays Posten zittern muss

Wenn die britische Premierministerin Theresa May am Freitag von der Spitze der Tories zurücktritt, geht das Rennen um ihre Nachfolge in die entscheidende Phase.

Die britische Premierministerin verkündet, am 7. Juni zurückzutreten. (Video: Reuters)

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Wer May als Regierungschefin beerben will, muss zunächst den Vorsitz der konservativen Partei erobern. Der Kampf um diesen Posten wurde in der Vergangenheit stets mit harten Bandagen ausgetragen und hielt immer unerwartete Wendungen bereit.

Wettstreit um die Parteiführung

Anwärter auf die Parteiführung müssen Abgeordnete der Konservativen sein und die Unterstützung von mindestens acht Kollegen haben. Gibt es nur einen Kandidaten, wird dieser automatisch der neue Tory-Chef.

Bei mehr als zwei Bewerbern kommt ein aufwändiges Prozedere in Gang – was für die May-Nachfolge nach dem derzeitigen Stand sicher zu erwarten ist. Dann wählen die konservativen Abgeordneten ab dem 13. Juni jeden Dienstag und Donnerstag in geheimer Abstimmung. Der Kandidat mit den wenigsten Stimmen scheidet jeweils aus. Es wird solange gewählt, bis nur noch zwei Bewerber übrig sind. Dies dürfte Ende Juni soweit sein.

Nach einem mehrwöchigen Wahlkampf der beiden Spitzenreiter bestimmen dann alle Parteimitglieder bis Ende Juli, wer die Führung übernimmt. Sollte einer der beiden Kandidaten verzichten, könnte es schneller gehen: Das war bei Theresa May im Juli 2016 der Fall, als sich ihre Rivalin Andrea Leadsom zurückzog.

Einzug in die Downing Street

Der Premierminister wird offiziell von Königin Elizabeth II. ernannt. May hat mitgeteilt, dass sie als Regierungschefin so lange im Amt bleiben werde, bis ihr Nachfolger an der Parteispitze bestimmt ist.

Die Königin ernennt für gewöhnlich denjenigen zum Regierungschef, der das Vertrauen des Unterhauses genießt – und das ist der Chef der stärksten Partei. Derzeit sind die Konservativen allerdings auf Unterstützung der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP) angewiesen, um eine Mehrheit im Parlament zu bekommen.

Nach derzeitigem Stand wird Mays Nachfolger den ersten großen Auftritt auf internationalem Parkett Ende August hinlegen. Dann findet im französischen Biarritz das G7-Treffen der Staats- und Regierungschefs statt.

Lehren aus der Vergangenheit

Der Favorit gewinnt nie – das zeigt ein Blick zurück bis zur Einführung des aufwändigen Abstimmungsverfahrens im Jahr 1965. Damals galt Reginald Maudling als sicherer Gewinner, wurde aber von Edward Heath geschlagen. Zehn Jahre später sah es so aus, als würde Heath die Wahl spielend gewinnen und seine Position festigen. Doch Margaret Thatcher trat an – und gewann.

Thatcher wiederum räumte ihren Posten, als sie 1990 nicht deutlich genug gegen ihren Herausforderer Michael Heseltine gewann. Damals stieg dann John Major noch in das Rennen ein und ging als neuer Parteichef hervor. Ähnlich ging es bei den folgenden Wahlen zum Parteivorsitz weiter. 2005 galt David Davis als aussichtsreichster Kandidat, bevor sich der junge Außenseiter David Cameron als Modernisierer die Parteiführung sicherte.

2016 musste der frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson seinen Verzicht auf eine Kandidatur erklären, nachdem sein Parteikollege Michael Gove ihm seine Unterstützung entzog – und lieber selbst antrat. Damals setzte sich letztlich May durch. Für die May-Nachfolge gilt derzeit der Ex-Außenminister und Brexit-Hardliner Johnson als aussichtsreicher Kandidat.

(L'essentiel/dmo/afp)

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