Skandal in Brüssel

02. Dezember 2020 22:17; Akt: 02.12.2020 22:17 Print

«Wie in einem Pub, aber wir haben dabei Sex»

Eine Schlüsselfigur der ungarischen Fidesz-Partei ist vor der Polizei geflohen, als er im Lockdown in Brüssel mit anderen Männern eine Sexparty besucht hatte.

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Der ungarische Abgeordnete József Szájer ist Viktor Orbans Mann in Brüssel. Eine Schlüsselfigur der rechtskonservativen Fidesz-Partei, die er im Europäischen Parlament vertritt, und ein fester Begriff in seiner Heimat. Er verteidigt lautstark die Werte des Christentums und der Familie, kämpft gegen die LGBT-Gemeinschaft und die «Zumutungen» der EU. Letzten Sonntag überraschte Szájer mit der Mitteilung, er lege sein Abgeordnetenamt bis Ende des Jahres nieder. Begründung: «Seit einiger Zeit ist die Teilnahme am täglichen politischen Kampf eine zunehmende mentale Belastung für mich.»

Jetzt ist klarer geworden, was der 59-Jährige mit «Belastung» gemeint haben dürfte: Szájer war am Freitag zuvor in Brüssel von der belgischen Polizei verhaftet worden, wie er mit Ecstasy im Rucksack eine Regenzinne hinunterkletterte – aus einer Wohnung, in der sich trotz des geltenden Lockdown 20 bis 25 halbnackte Männer vergnügten.

«Wie in einem Pub, aber wir haben dabei Sex»

«Ich hatte eigentlich nur zehn Freunde eingeladen, die alle bereits an Covid erkrankt waren. Aber die brachten wiederum Leute mit», sagt David Manzheley (29), der die wegen des Lockdown illegale Sexparty organisiert hatte. «Wir trinken und reden wie in einem Pub, aber wir haben dabei Sex», so der Mann mit dem Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften zum belgischen Standaard. Den ungarischen Abgeordneten habe er nur kurz gegrüßt, kenne ihn aber nicht.

Wie die belgische Staatsanwaltschaft mitteilte, waren neben dem ungarischen EU-Abgeordneten auch zwei Diplomaten unter den festgenommenen Teilnehmern der Orgie: ein OD, geboren 1977, und ein BP, geboren 1986. In der Zwischenzeit hat das estnische Außenministerium mitgeteilt, dass auch einer seiner Diplomaten an der Party teilgenommen habe.

Tenor: Scheinheiliger geht es kaum

Am Dienstag meldete sich József Szájer in der Affäre zu Wort. Er habe an einer «privaten Feier» teilgenommen, bestätigte er auf seiner Internetseite, aber keine Drogen genommen. Er wisse nicht, wie diese in seinen Rucksack gelangt seien. «Ich bedaure zutiefst, dass ich gegen die Covid-Einschränkungen verstoßen habe, es war unverantwortlich von mir.» Die Strafe von 250 Euro werde er zahlen. Dazu entschuldigte sich Szájer bei seiner Familie und seinen Wählern. Szájer ist mit der Verfassungsrichterin Tünde Handó verheiratet und hat eine Tochter.

Während die Fidesz-Partei etwas schmallippig verlauten ließ, Szájer habe mit dem Rücktritt «richtig gehandelt», sprach ein Fidesz-Politiker vom Steinewerfen, wer unschuldig sei.

In Ungarn schlug die Nachricht von József Szájers Festnahme ein wie eine Bombe – zumindest bei der Opposition und den nicht Fidesz-nahestehenden Medien. Szájer, so der Tenor, sei ein mehr als scheinheiliger Bewahrer von konservativen christlichen Werten. Dies umso mehr, als dass Szájer stark an der Ausarbeitung der Verfassung beteiligt war, in der das Familienmodell vom männlichen Vater und der weiblichen Mutter festgehalten wird. Nicht wenige nennen die betreffenden Passagen «ein echtes Anti-LGBT-Dokument», das von Szájer höchstselbst geschrieben worden sein soll.

«Mit ihm verliert Fidesz eine ihrer starken Säulen»

«Mit ihm verliert Fidesz eine ihrer starken Säulen», schreibt die ungarische Pestisracok. «Es ist verständlich, dass viele national gesinnte Wähler enttäuscht und wütend sind.» Doch alles in allem werde der Szájer-Skandal in Ungarn nur geringe Auswirkungen haben, prognostiziert ein belgischer Ungarn-Korrespondent. «Fälle wie dieser sind nach ein paar Tagen vorbei. Wir hatten bereits einen ähnlichen Skandal mit dem ungarischen Botschafter in Peru, der in einen Fall von Kinderpornografie verwickelt war, und es gab einen weiteren Skandal mit einem örtlichen Bürgermeister, sie kommen und gehen», so Stefan Bos von vrt.de.

Allerdings sind sich Beobachter auch einig, dass Premier Viktor Orbans Ansehen in Brüssel wegen des Skandals leiden dürfte. Derzeit blockiert Ungarn das EU-Haushaltsbudget ebenso wie die Gelder des Corona Recovery Fund. Stefan Bos: «Er sagt, er vertrete christliche Werte in seinem Land und in Europa. Jetzt, da sein enger Verbündeter Szájer in diesen Skandal verwickelt ist, wird er große Schwierigkeiten haben zu erklären, wie er diese Werte verteidigt.»

(L'essentiel/Ann Guenter)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manfred am 03.12.2020 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wann wirft die EVP die Fidesz Leute endlich raus ?

  • christliche Nächstenliebe im EUhaushalt am 03.12.2020 05:16 Report Diesen Beitrag melden

    ist u war doch noch immer das Gleiche ... die strengen Religionsfanatiker u Phallokraten, die den Andern strengste Regeln diktieren, im Besonderen den Frauen u Kindern, halten sich selbst nicht daran, bestrafen nur jene, die sich nicht dran halten u lassen hinter deren Rücken versteckt die Hose runter u die Schweine los ...

  • christlicher Scheinheiligenschein am 03.12.2020 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wir haben nur Löcher gestopft! ... mann gönnt sich ja sonst nix ...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Manfred am 03.12.2020 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wann wirft die EVP die Fidesz Leute endlich raus ?

  • Linda am 03.12.2020 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wivill der geldgeil ,onkapabel Profiteuren get et nach am Eu Parlament? Sie hun jo Narrenfraiheet! Get Zait lo mol do ze raumen!

  • christlicher Scheinheiligenschein am 03.12.2020 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wir haben nur Löcher gestopft! ... mann gönnt sich ja sonst nix ...

  • Gibbes EU am 03.12.2020 07:16 Report Diesen Beitrag melden

    Fort mat deenen, ann dobei nach eng DECK Geldstroof. dat kann et jo net sinn. Dei veräppelen Populatioun jo an verdengen dann nach Geld wei um Heuhauffen.

  • christliche Nächstenliebe im EUhaushalt am 03.12.2020 05:16 Report Diesen Beitrag melden

    ist u war doch noch immer das Gleiche ... die strengen Religionsfanatiker u Phallokraten, die den Andern strengste Regeln diktieren, im Besonderen den Frauen u Kindern, halten sich selbst nicht daran, bestrafen nur jene, die sich nicht dran halten u lassen hinter deren Rücken versteckt die Hose runter u die Schweine los ...