Grossbritannien

11. April 2019 12:22; Akt: 11.04.2019 16:27 Print

Britisches Gericht spricht Assange schuldig

Fast sieben Jahre lebte der Whistleblower in der ecuadorianischen Botschaft in London, um seiner Festnahme zu entgehen. Nun hat das südamerikanische Land ihn vor die Tür gesetzt.

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Wikileaks-Gründer Julian Assange ist in London in der Botschaft Ecuadors festgenommen worden. Der gebürtige Australier lebte dort seit Juni 2012 im selbstgewählten Exil. Der 47-Jährige wollte so einer Festnahme und der von ihm befürchteten Auslieferung an die USA entgehen. Vor der Festnahme am Donnerstag entzog die Regierung Ecuadors Assange das diplomatische Asyl, mit der Begründung, er habe gegen Regeln verstoßen. Die britische Polizei teilte mit, der Botschafter habe sie in die Botschaft «eingeladen».

Unklar war bislang, ob es in den USA überhaupt eine Anklage gegen Assange gibt - und was ihm in dem Fall genau vorgeworfen wird. Mitte November 2018 wurde aber bekannt, dass Assanges Name wohl versehentlich in einem US-Gerichtsdokument auftauchte. Die Passage legte nahe, dass es bereits eine Anklage gibt, die aber unter Verschluss gehalten wird, damit sich der Wikileaks-Gründer in Sicherheit wiegt. Nun bestätigte auch die britische Polizei, dass ein Auslieferungsersuchen aus den USA vorliegt.

Wikileaks trat zunächst in Erscheinung mit der Veröffentlichung geheimer US-Dateien, die unter anderem Menschenrechtsverletzungen und die Tötung von Zivilisten durch amerikanische Truppen in Afghanistan dokumentierten.

Im Fokus von US-Ermittlungen

Zuletzt stand Wikileaks aber vor allem im Fokus von US-Ermittlungen, weil die Enthüllungswebsite im Präsidentschaftswahlkampf 2016 gestohlene E-Mails der demokratischen Partei veröffentlichte. US-Behörden gehen davon aus, dass die E-Mails von russischen Hackern heruntergeladen und Wikileaks zugespielt wurden. Diesen Aspekt hat auch FBI-Sonderermittler Robert Mueller in seinem Abschlussbericht über die vermutete russische Einmischung bei der von Donald Trump gewonnenen Präsidentenwahl festgehalten.

Assange bezeichnet sich selbst als Journalist und beansprucht deshalb die für Medien üblichen Schutzklauseln, wenn es um die Geheimhaltung von Quellen und die Veröffentlichung vertraulicher Informationen geht. Kritiker halten ihn für einen Selbstdarsteller, der sogar Menschenleben gefährdet habe. Seine Anhänger sehen in ihm dagegen einen Aufklärer.

Als Assange in die diplomatische Vertretung flüchtete, lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. Er befürchtete, zunächst nach Skandinavien und schließlich an die USA ausgeliefert zu werden. Im Mai 2017 stellte die Staatsanwaltschaft in Schweden jedoch ihre Ermittlungen ein. Damit war Assange allerdings noch kein freier Mann. Scotland Yard kündigte an, den Enthüllungsaktivisten festzunehmen, sobald er die Botschaft verlasse. Die britischen Behörden warfen ihm vor, seine Kautionsauflagen verletzt zu haben, als er in die Botschaft flüchtete. Ein Versuch der Anwälte Assanges, den Haftbefehl von einem Gericht für ungültig erklären zu lassen, scheiterte.

Schuldig

Ein britisches Gericht hat Julian Assange für schuldig befunden, gegen seine Kautionsauflagen verstoßen zu haben. Dafür droht ihm eine Haftstrafe von bis zu zwölf Monaten.

Assange hat wenige Stunden nach seiner Festnahme in London vor dem Gericht auf nicht schuldig plädiert. Er wies damit am Donnerstag vor dem Westminster Magistrates' Court den Vorwurf zurück, er habe sich unrechtmäßig der Auslieferung nach Schweden entzogen. Wie die Nachrichtenagentur PA berichtete, wollte Assange nicht selbst aussagen, sein Anwalt wollte demnach die Begründung erläutern.

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ana Conda am 11.04.2019 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist ein Unding!

  • svendorca am 11.04.2019 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    die Demokratie zeigt ihre hässliche Fratze!...am ende steht eine Auslieferung "Julian Assange gegen ein USA-Deal für die Brexit Schurken...es steht viel auf dem Spiel

  • Ein Zeichen setzen am 11.04.2019 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Nach dem Steele Dossier, der Skripal Affaire, Brexit und jetzt das! Wäre es nicht an der Zeit England zu boykottierern?

Die neusten Leser-Kommentare

  • rainer am 18.04.2019 23:25 Report Diesen Beitrag melden

    ein märtyrer! wir sollten ihn unendlich dankbar sein.

  • Igitte am 18.04.2019 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    firwat hänken sie net einfach eng Rideau firun d'Sonn, dat d'Regierungen hier Drecksarbëcht am Secret am Déichteren kënnen bedreiwen ... et därf net sin, dat Whistleblower sou ekelhaft behandelt gin an diskreditéiert an weggespärt firun der Welt, wann sie d'Wourecht un d'Liecht brëngen vun verlurenen profitorientéierten frickgeilen veruëchtenswerten mënschenveruëchtenden Politicker an Verseuchungswirtschaftënnerstëtzer!!! ...

  • d'Wourëcht op der Folterbänk am 17.04.2019 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    wat eng krank verdrëcksten a verdréinten Welt vun den verlurenen Politicker a Wirtschaftsverseucher, déih Kapp an A.... sin! kriminell Emweltverseucher, Liggener a Korrumpören gi geschount an protegéiert, kréien d'Steieren vun de schaffenden Leit an den A.... gestach, fir ganz Landschaften mat hieren Fabricken fir Dreck a Knascht ze produzéieren ze verseuchen!... déih wou d'Wourëcht un d'Liëcht brëngen gin diskriminéiert, an d'schlecht Liëcht gestallt firun der ganzer Welt, kriminaliséiert, ugeklot an dann schnell weggespärt firun den Aën vun der Welt, fir dat d'Wourëcht net un d'Liëcht kënnt!

  • Ana Conda am 11.04.2019 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist ein Unding!

  • Pelle am 11.04.2019 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    wieren eis britesch Frënn dach och beim Brexit esou op Zack