Air Base Spangdahlem

30. Juli 2020 13:05; Akt: 30.07.2020 13:06 Print

Sorge in der Eifel wegen US-​​Truppenabzug

SPANGDAHLEM – Die Abzugspläne von US-Soldaten aus Deutschland treffen die Eifel tief ins Mark. Die Folgen für die strukturschwache Region sind nicht absehbar.

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Der Abzug der gesamten F16-Staffel hätte gravierende Folgen für die Region um Spangdahlem. (Bild: DPA/Harald Tittel)

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Für Karl Metz ist klar: «Wenn die Soldaten in Spangdahlem abziehen, können wir den Laden hier schließen.» Metz verkauft Autos für amerikanische Militärangehörige, ganz in der Nähe der Air Base. «Es wäre ein Totalverlust. Arbeit weg, alles weg.» Wie er machen sich derzeit viele Menschen in der Eifel rund um den US-Flugplatz Spangdahlem große Sorgen. Um Arbeitsplätze, Firmenaufträge, aber auch um Freundschaften und gelebtes deutsch-amerikanisches Miteinander.

Denn jetzt ist es raus: Die US-Armee will aus Spangdahlem ein Geschwader von F-16-Kampfjets mit Besatzung, Unterstützungskräften und Technikern nach Italien verlegen. Die Staffel mit über 20 Flugzeugen, die weltweit Einsätze der US-Air Force und der Nato unterstützt, ist das Kernstück der Base mit ihren rund 4000 Soldaten. Ein Schock für die Region: «Mit dieser Nachricht ist die Unsicherheit hier deutlich gestiegen», sagt Ortsbürgermeister Alois Gerten (parteilos) in Spangdahlem betroffen.

Wie bei Metzgermeister Leander Bartz. «Von der Infrastruktur her wird das gravierende Einschnitte haben», sagt er am Donnerstag. Seit 25 Jahren hat er eine Metzgerei in Spangdahlem. «Die Amerikaner kaufen gerne Grillzeug bei uns.» Nun fürchtet er um seine Kundschaft, nicht nur um die amerikanische. Auch die Deutschen könnten dann weniger im Portemonnaie haben. «Wir sind auf jeden Fall in Sorge.»

Arbeitgeber für mehr als 800 Deutsche

Auch wenn es noch viele Fragezeichen gibt. «Wir wissen nicht, wie viele gehen. Und wir wissen nicht, wie schnell», sagt Gerten. Dass der Standort ganz geschlossen werden könnte - das glaubt Gerten wie andere Politiker in der Region nicht. Einschließlich der Angehörigen leben und arbeiten fast 11.000 Menschen auf dem Stützpunkt. Der Flugplatz ist Arbeitgeber für weit mehr als 800 Deutsche. Neben der Staffel gibt es auf der Base noch eine Transporteinheit.

Nicht nur die Eifeler haben die Pläne von US-Präsident Donald Trump getroffen. Laut Ankündigung will die USA ihre in Deutschland stationierten 36.000 Soldaten um rund 12.000 verringern. Truppen sollen auch in Baden-Württemberg und in Bayern abgezogen werden. Angekündigt hatte Trump den Teilabzug der US-Truppen bereits im Juni und ihn mit den aus seiner Sicht zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands begründet. Am Mittwoch hatte Verteidigungsminister Mark Esper die Pläne zumindest teilweise konkretisiert.

« Das ist die modernste in Europa »

Wenn die Staffel verlegt werde, betreffe das mindestens 2000 Soldaten mit ihren Familien, schätzt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher, Manfred Rodens (CDU). «Das ist eine einsame und irrationale Entscheidung, nicht nachvollziehbar, von einem bizarren Menschen.» Die Pläne machten gar keinen Sinn. In den vergangenen fünf, sechs Jahren seien rund 400 Millionen Dollar auf der Base investiert worden: unter anderem wurden eine neue Zahnklinik, neue Schulen, Kindergärten, ein Fitnesscenter gebaut.

Zudem sei die Landebahn-Befeuerung erneuert worden. «Das ist die modernste in Europa», sagt Rodens. Wenn die Staffel ins italienische Aviano verlegt werde, werde die Air Base in der Eifel im Ruhemodus sein. «Sie ist aber ja jederzeit bereit, andere Aufgaben der Verteidigung der Amerikaner zu übernehmen.»

Im Land Rheinland-Pfalz, in dem mit rund 18.500 US-Soldaten rund die Hälfte aller GIs bundesweit stationiert sind, waren zuvor noch andere Standorte im Gespräch. Wie Baumholder: «Wir haben jetzt Glück gehabt. Aber ich bin sehr betroffen und fühle mit den anderen mit», sagt der Verbandsbürgermeister in Baumholder, Bernd Alsfasser. Die Unsicherheit bleibe: «Jetzt ist Ruhe, aber das Thema ploppt irgendwann wieder auf.»

« Es bricht einem das Herz! »

«Wenn die Amerikaner gehen, wäre das wirtschaftlich und privat fürchterlich», sagt der Geschäftsführer des Host Nation Council Spangdahlem, Lothar Herres, in Bitburg. Es gebe mehr als 2000 Mietverhältnisse von Amerikanern in der strukturschwachen Region. Zudem liefen Schüleraustausche zwischen Gymnasien in der Eifel und der Middle und High School auf der Base, viele Ehen und ungezählte Freundschaften seien geschlossen worden. Die Wirtschaftskraft pro Jahr durch die Amerikaner werde auf knapp 140 Millionen Euro geschätzt, sagt Rodens.

Karl Kremer in Spangdahlem ist direkt betroffen. Er vermietet eine Wohnung an ein deutsch-amerikanisches Paar. «Man kann die Pläne überhaupt nicht nachvollziehen», sagt er. Auch viele Amerikaner sind überrascht: «Ich habe es dort geliebt. Wir haben sechs Jahre lang in Speicher gelebt», schreibt Oneida Alvarado Cox auf der Facebook-Seite der Air Base. Und Anastasia Siders meint: «Es bricht einem das Herz! Ich denke, die neuen Schulen sind noch nicht mal genutzt worden.»

« Da wird nichts groß passieren »

Wie ernst die Pläne sind - darüber wird derzeit gerätselt. «Für mich ist die Sache noch nicht in trockenen Tüchern», sagt Rodens. Einen endgültigen Beschluss gibt es noch nicht. Im US-Kongress hat sich bereits Widerstand formiert. Und: Wenn Trump im Herbst nicht wieder gewählt wird, könnte es einen neuen Kurs geben.

«Meiner Meinung nach wird das nur eine vorübergehende Verlegung der Staffel», sagt der erste Beigeordnete des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Michael Billen (CDU). Der US-Flugplatz Spangdahlem sei strategisch und militärisch für die Amerikaner nicht zu ersetzen. Und zwar für jede amerikanische Regierung: «Ob sie demokratisch oder republikanisch, ob sie bekloppt oder normal ist», meint Billen. «Da wird nichts groß passieren.» Ähnlich sieht es auch Autoverkäufer Jon Baulch in Herforst nahe der Base: «Das ist nur Wahlkampfgetöse. Viele sagen mir hier: Das kann doch gar nicht geschehen.»

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jos am 30.07.2020 23:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Vorschlag: lasst due Amerikaner gehen wenn sie wollen. Und schlagt ihnen gleich vor, auch Ramstein und Co. in den nöchsten Jahren aufzugeben. Und dann sollte die Bundeswehr zusammen mit anderen EU Staaten endlich mal Eigenverantwortung zeigen, Geld und Energie investieren und eine Europäische Verteidigung aufbauen, die den Namen verdient...uups, aufgewacht...man wird ja wohl koch träumen dürfen. Selbst schuld, wer sich auf andere verlässt....

  • Heilige Dreifaltikeit am 04.08.2020 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Oh, mir kommen die Tränen von solch einem Geschwafel; denn die wahren Kosten für das amerikanische Militär im deutschen Land wird dem "Doofmatz" von Steuer- zahler selbstverständlich verschwiegen!

  • Der bizarre Mensch Spaßt nicht. am 30.07.2020 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Manfred Rodens (CDU). «Das ist eine einsame und irrationale Entscheidung, nicht nachvollziehbar, von einem bizarren Menschen. Oh doch Herr Rodens der bizarre Mensch wie sie sagen, hat Frau Merkel lange vorgewarnt, er will 2% für die Nato. Frau Merkel hatte taube Ohren,hier ist die Quittungen und das wird auf lange Sicht teurer als die 2% Für die Nato.

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  • Heilige Dreifaltikeit am 04.08.2020 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Oh, mir kommen die Tränen von solch einem Geschwafel; denn die wahren Kosten für das amerikanische Militär im deutschen Land wird dem "Doofmatz" von Steuer- zahler selbstverständlich verschwiegen!

  • Jos am 30.07.2020 23:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Vorschlag: lasst due Amerikaner gehen wenn sie wollen. Und schlagt ihnen gleich vor, auch Ramstein und Co. in den nöchsten Jahren aufzugeben. Und dann sollte die Bundeswehr zusammen mit anderen EU Staaten endlich mal Eigenverantwortung zeigen, Geld und Energie investieren und eine Europäische Verteidigung aufbauen, die den Namen verdient...uups, aufgewacht...man wird ja wohl koch träumen dürfen. Selbst schuld, wer sich auf andere verlässt....

  • Der bizarre Mensch Spaßt nicht. am 30.07.2020 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Manfred Rodens (CDU). «Das ist eine einsame und irrationale Entscheidung, nicht nachvollziehbar, von einem bizarren Menschen. Oh doch Herr Rodens der bizarre Mensch wie sie sagen, hat Frau Merkel lange vorgewarnt, er will 2% für die Nato. Frau Merkel hatte taube Ohren,hier ist die Quittungen und das wird auf lange Sicht teurer als die 2% Für die Nato.