Grand Est

15. Oktober 2020 19:39; Akt: 16.10.2020 12:45 Print

Franzosen stürmen Läden in Deutschland

STRASSBURG/KEHL – Französische Autos und Kunden so weit man blickt: Die drohende Einstufung der Region als Risikogebiet hat viele Käufer am Donnerstag über die Grenze getrieben.

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Über die Europabrücke am Rhein fuhren am frühen Donnerstagnachmittag Autos in Richtung der deutschen Grenzstadt Kehl und in der Gegenrichtung Fußgänger und Radfahrer mit Taschen voller Zigarettenschachteln und Tabakdosen zurück nach Frankreich.

Marie-Madeleine, eine 42-jährige Hausfrau aus Straßburg, hatte nicht geplant, am Donnerstag nach Kehl zu fahren. «Aber jetzt komme ich zurück, um einzukaufen und Zigaretten zu kaufen», sagte sie. Sie habe befürchtet, dass die Einreise nach Deutschland bald eingeschränkt werden könnte. Das deutsche Robert Koch-Institut stufte um 17.00 Uhr ganz Frankreich als Risikogebiet ein. Bis dahin waren die Region Grand-Est und Korsika nicht als besonders riskant ausgewiesen. In der Folge drohen auch für Bürger aus Frankreichs Osten die obligatorischen Isolationsmaßnahmen und Reisebeschränkungen, die von den verschiedenen deutschen Bundesländern festgelegt wurden.

«Die Grenzen werden nicht geschlossen.»

Die Zeit der plötzlichen Grenzschließung im März hat tiefe Spuren in den Köpfen der Menschen hinterlassen. Damals war das Elsass besonders schwer von der Pandemie betroffen gewesen. Eine Region, in der wie in Luxemburg der grenzüberschreitende Einkauf oft zum Alltag gehört. Die Region Grand Est versuchte dann auch am Donnerstagnachmittag ihre Bürger zu beruhigen. Man werde die Grenzen nicht wieder schließen, heißt es in einer Mitteilung der Region.

Die Behörden der Nachbarländer hätten sich verpflichtet transparente Informationen untereinander auszutauschen. So wolle man Klarheit darüber schaffen, unter welchen Voraussetzungen Bürger aus der Region Grand Est nach Deutschland einreisen dürften, heißt es in der Mitteilung der Verwaltung weiter. Danach entscheide sich auch, wie lange die Bürger sich ohne Quarantänepflicht in Deutschland aufhalten dürften.

Lange Schlangen

Die Einstufung solle sich nicht negativ auf die Freizügigkeit an der deutsch-französischen Grenze auswirken, das fordern Straßburgs Bürgermeisterin Jeanne Barseghian und ihr Kehler Amtskollege Toni Vetrano in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Vor vielen Geschäften in der Kehler Hauptstraße bildeten sich am frühen Donnerstagnachmittag Schlangen. Die Straßburger Straßenbahnen spuckten immer neue Kunden aus, in einem nahe gelegenen Einkaufszentrum warteten Kunden mit vollen Einkaufswagen an den Kassen einer großen Drogeriekette.

Die 32-jährige Aurélie sorgt sich um die Auswirkungen einer Grenzschließung auf die eigene Haushaltskasse. «Es ist billiger als zu Hause», sagt die 32-Jährige auf dem Weg ihren Einkaufswagen mit Windelpackungen zu beladen. Die Regale mit Toilettenpapier und Windeln waren fast leer, obwohl das Unternehmen versucht, seine Kunden von jenseits der Grenze zu beruhigen. Auf Schildern am Eingang weist die Filiale daraufhin, dass die Grenze nicht geschlossen werde und trotz der Einstufung als Risikogebiet Fahrten nach Deutschland möglich blieben. Dies ist der Fall, wenn der Aufenthalt in Deutschland weniger als 24 Stunden dauert.

(hoc/L'essentiel/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Edouard am 15.10.2020 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder denkt nur an sich...der Mensch ist sogar schlimmer als jedes Virus

  • Jos am 15.10.2020 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Am Ende zählt für manche Menschen eben nur, dass sie billig ihr tägliches Gift inhalieren können....

    einklappen einklappen
  • Linda am 16.10.2020 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wann se nemen vir Zigaretten an Alkohol iwert Grenz kommen,ass et jo 1 Grond méi vir Grenzkontrollen ze maan. Och op den Schlaichweher!! Ganz Europa ass vaseucht. An et get sech awer un naicht gehaal!!! Weider esou!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hysterie auf Politikebene am 20.10.2020 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    Die politisch-mediale Gehirnwäsche hat funktioniert.

  • Linda am 16.10.2020 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wann se nemen vir Zigaretten an Alkohol iwert Grenz kommen,ass et jo 1 Grond méi vir Grenzkontrollen ze maan. Och op den Schlaichweher!! Ganz Europa ass vaseucht. An et get sech awer un naicht gehaal!!! Weider esou!!!

  • Edouard am 15.10.2020 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder denkt nur an sich...der Mensch ist sogar schlimmer als jedes Virus

  • Jos am 15.10.2020 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Am Ende zählt für manche Menschen eben nur, dass sie billig ihr tägliches Gift inhalieren können....

    • Linda am 16.10.2020 11:28 Report Diesen Beitrag melden

      Genau!

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  • Daweb am 15.10.2020 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo politik!