Bundestagswahlkampf

06. September 2017 12:07; Akt: 06.09.2017 12:10 Print

Bis zu 90 Prozent der Wahlplakate werden besudelt

MAINZ/TRIER - Die Verschandelung von Wahlplakaten wiederholt sich in jedem Wahlkampf. Wie die rheinland-pfälzischen Parteien darauf reagieren.

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Im Bundestagswahlkampf werden tausende Plakate ruiniert oder überschrieben. (Bild: DPA/Steffen Herrmann)

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Sie werden überklebt, beschmiert, zerrissen und sogar abgefackelt - Wahlplakate aller rheinland-pfälzischer Parteien sind das Ziel von Sachbeschädigungen. So ließen zum Beispiel Unbekannte in der vergangenen Woche ihren Unmut an 21 Plakaten von drei Parteien in der Mainzer Flugplatzstraße aus. Sie besprühten die Plakate mit Farbe oder rissen sie herunter. Andernorts in der Landeshauptstadt wurden die Plakate aus den Rahmen gerissen, mit Stiften beschmiert oder mit Stickern verunstaltet.

Besonders kurz nur hingen zuletzt die Plakate der AfD: Nach einer halben Stunde lagen sie in den Mainzer Stadtteilen Hartenberg und Münchfeld teilweise zerrissen auf dem Boden. «Mainz und Speyer sind die Spitzenreiter in Rheinland-Pfalz», sagt Jan Bollinger, Sprecher der AfD Rheinland-Pfalz. «Dort werden 90 Prozent unserer Wahlplakate zerstört.» Im Schnitt werde jedes dritte Wahlplakat der Partei verschandelt. Deswegen habe die AfD begonnen, die Plakate so hoch wie möglich zu hängen.

«Wir zeigen jede Sachbeschädigung an»

Vandalismus gebe es in jeden Wahlkampf, sagt die Mainzer Bundestagskandidatin Tabea Rößner (Grüne). Sie habe bewusst weniger Plakate aufhängen lassen, um eine «Materialschlacht» zu vermeiden. «Vielleicht macht es die Menschen aggressiv, wenn ihre Straßen mit Plakaten zugekleistert werden», sagt Rößner. Trotzdem sei das Verschandeln oder Zerstören von Wahlplakaten eine Straftat. «Unser Kreisverband zeigt jede Sachbeschädigung an.»

Felix Leidecker, Vorsitzender der Jungen Union Mainz, ist jede dritte Nacht unterwegs und hängt Plakate für Ursula Groden-Kranich (CDU) auf. Sachbeschädigung sei ein großes Phänomen, vor allem in den Städten. Leidecker beklagt sich über fehlenden Respekt für die ehrenamtliche Arbeit der Wahlkampfhelfer: «Das ist ein Demokratiedefizit.» Sein Parteikollege Johannes Steiniger aus dem Wahlkreis Neustadt-Speyer hat sogar eine Belohnung ausgesetzt: Bis zu 1000 Euro zahlt er für Hinweise auf die Täter.

FDP fühlt sich «angespornt»

Anders hingegen denkt Tobias Schneider, Vorsitzender des FDP-Kreisverbands in Trier: «Uns spornt das an, wenn in Trier mal wieder ein ganzer Straßenzug verwüstet ist.» In der Moselstadt habe man sich auf die Sachbeschädigungen eingestellt. «Wir halten immer einige Plakate zurück, um schnell auf den Vandalismus reagieren zu können.»

In der Westpfalz werden inzwischen Wahlplakate oft mit Hakenkreuzen beschmiert. «Das hat zugenommen», sagt Juan Carlos Pendon Reyes, Geschäftsführer der SPD-Regionalgeschäftsstelle Westpfalz. Trotz des großen finanziellen Schadens, der entstünde, lasse er jedes beschädigte Plakat wieder aufstellen. «Wir betreiben einen riesigen Aufwand, aber der ist wichtig», sagt Pendon Reyes.

SPD: «Unappetitlich und gefährlich»

Auch die Mainzer SPD ist verärgert: «Auf manche Plakate wird uriniert - das ist unappetitlich, andere werden angezündet – das ist gefährlich», sagt Vorstandsmitglied Klaus Euteneuer. Solche Sachbeschädigungen seien ein Schlag gegen den demokratischen Wettbewerb. Wer politisch tätig werden wolle, sei eingeladen, in die SPD einzutreten, sagt Euteneuer: «Aber Vandalismus ist keine politische Aktion, sondern ein Akt besinnungsloser Aggression.»

Alle Parteien des rheinland-pfälzischen Landtags zeigen die Sachbeschädigungen ihrer Wahlplakate an. Weil die Täter aber nur selten ermittelt werden können, rücken ihre Wahlkampfhelfer zusammen: «Wir kennen uns und machen alle die gleichen Erfahrungen», sagt Leidecker von der Jungen Union Mainz. Deswegen herrsche zwischen den Wahlkampfhelfern der verschiedenen Parteien eine große Solidarität. «Wenn wir sehen, dass das Plakat einer anderen Partei heruntergerissen wurde, sagen wir Bescheid oder hängen es selbst schnell auf.»

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wahlschlepper am 06.09.2017 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Würden die Wahlplakate nicht überall sein wäre das Problem villeicht weniger gross....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wahlschlepper am 06.09.2017 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Würden die Wahlplakate nicht überall sein wäre das Problem villeicht weniger gross....