Rheinland-Pfalz

13. Juni 2016 08:55; Akt: 13.06.2016 15:27 Print

Grüne Jugend löst Shitstorm wegen Fahnenverbot aus

Fahnen sind nach Ansicht der Grünen-Nachwuchsorganisation in Rheinland-Pfalz Ausdruck von Nationalismus. Deswegen sollten Fans bei der Fußball-EM darauf verzichten.

storybild

Ist die Deutschlandfahne ein Symbol des Nationalismus? (Bild: DPA)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Fans sollen bei der Fußball-Europameisterschaft auf Fahnen verzichten - mit dieser Forderung hat die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Am Freitagabend hatte die Grünen-Nachwuchsorganisation über die sozialen Medien Facebook und Twitter erklärt «Patriotismus=Nationalismus. Fußballfans Fahnen runter!». Im Lauf des Wochenendes schlugen die Wellen nicht nur im Internet hoch. Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) twitterte am Sonntagmorgen: «#GrüneJugend kapiert's nicht: Fahnen der Fans sind das Gegenteil der Fahnen von einst: Symbol für weltoffenes, sympathisches Deutschland!» Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner erklärte: «Grüne Jugend fordert Fußballfans auf, dte. Fahne einzurollen, würde Nationalismus befördern. Verlangten wir das von anderen, wärs Rassismus.»

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte der «Bild am Sonntag», die Unterstützung der Nationalelf mit den Nationalfarben sei gesunder Patriotismus. «Besser Patriot als ein Idiot». Der SPD-Politiker Johannes Kahrs schrieb: «wie peinlich ist denn das. jetzt häng ich mir wieder ne deutschland flagge über den strandkorb. jawohl.» Sogar aus den eigenen Reihen gab es Kritik: «Ganz schöne Spaßbremsen», sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete und Vizepräsident der Parlamentsfußballmannschaft FC Bundestag, Dieter Janecek, dem «Handelsblatt» und fügte an: «Eine Fahne hab ich zu Hause nicht, freu mich aber über die friedliche Begeisterung für unsere vielfältige Mannschaft.»

Die Grüne Jugend argumentierte, dass Nationalismus eine Form von Patriotismus sei. Wer sich als patriotisch definiere, grenze andere aus. «Die Wirkung von Patriotismus hat immerzu Konsequenzen und wird besonders dort deutlich, wo er sich als aggressive Form darstellt und das Andere als Feind stigmatisiert.» Über Facebook wurde der Beitrag bis Sonntagabend mehr als 8000 Mal geteilt und kontrovers diskutiert. Die Grüne Jugend berichtete von mehreren hundert Kommentaren, die «beleidigend, volksverhetzend oder konkrete Bedrohungen» seien und kündigte Strafanzeigen an. «Es war nie unsere Absicht, Menschen unter Generalverdacht zu stellen», erklärte die Sprecherin Jennifer Werthwein. «Die vielen Hasskommentare, die sexistischen Äußerungen und die Nazi-Propaganda unter unserem Facebook-Post zeigen, dass dieser "unverkrampfte" Patriotismus doch nicht so harmlos daherkommt, wie es von manchen allzu oft behauptet wird.»

(L'essentiel/dpa)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karl am 13.06.2016 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Die TAZ kam letzte Woche mit ähnliche dämmlichen Vorschlägen, erst alle pauschal als Nazis verschreien und dann «so war das doch nicht gemeint aber die Reaktionen geben uns recht»... so funktionniert Kommunikation übrigens auch bei den rechten Populisten...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Karl am 13.06.2016 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Die TAZ kam letzte Woche mit ähnliche dämmlichen Vorschlägen, erst alle pauschal als Nazis verschreien und dann «so war das doch nicht gemeint aber die Reaktionen geben uns recht»... so funktionniert Kommunikation übrigens auch bei den rechten Populisten...