Nach Leichenfund

12. Mai 2015 14:56; Akt: 13.05.2015 18:56 Print

Polizei rollt Fall Tanja Gräff wieder auf

TRIER - Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass es ich bei der Toten vom Moselufer um die vermisste Studentin handelt. Die Polizei sieht sich Vorwürfen ausgesetzt.

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Trier, 7. Juni 2007, 4.30 Uhr: Der Bewohner eines der Häuser nahe der Mosel hört einen langgezogenen Schrei. Der Laut kommt vom anderen Ufer des Flusses, dort, wo die 50 Meter hohen roten Sandsteinfelsen dunkel in den Himmel ragen. War das tatsächlich das letzte Lebenszeichen von Tanja Gräff? Vor jenen Felsen haben Arbeiter am Montagmorgen weiße Turnschuhe gefunden – und einen Schädel. Und wie die Trierer Staatsanwaltschaft auf einer Pressekonferenz am Dienstagmittag bestätigt: Es sind die Überreste der 21-jährigen Trierer Studentin, die vor acht Jahren nach einem Sommerfest an der nahen Hochschule spurlos verschwand.

«Wir haben inzwischen ein vollständiges Skelett sichergestellt», erklärt der Trierer Oberstaatsanwalt Peter Fritzen. Neben den Knochen fanden die Polizisten auf der zwei Mal drei Meter großen Fläche Kleidungsstücke, Ohrringe, eine Uhr, eine Kette, ein Portemonnaie, ein Handy – und den Studierendenausweis von Tanja Gräff, sagt Fritzen. Und obwohl die Ergebnisse einer DNA-Untersuchung noch ausstehen, habe eine Zahnanalyse schon jetzt Gewissheit gebracht: Es waren die Überreste von Tanja Gräff, die dort vor der Felswand im Trierer Stadtteil Pallien lagen.

Was passierte am 7. Juni 2007

Wurde die Studentin von einer anderen Person über die Balustrade auf dem Felsen geworfen? Hatte sie sich verirrt und stürzte irrtümlich den Felsen hinab? Wie lange lag der Körper dort, wenige Meter neben einem großen Appartementhaus mit 40 Wohnungen? War Tanja Gräff nach dem Sturz etwa noch lebendig? «Dazu können wir noch nichts sagen», sagt Oberstaatsanwalt Fritzen. Die Polizei gehe bis jetzt nur davon aus, dass der Körper von oben auf die fragliche Stelle gestürzt ist.

Wie schon vor einigen Monaten müssen sich die Ermittler auch am Dienstag brisante Fragen gefallen lassen. Denn Hunderte von Polizisten hatten 2007 und in den Jahren darauf den Stadtteil Pallien und den Wald um die Trierer Hochschule abgesucht. Taucher und Sonarspezialisten fahndeten in Gewässern in der ganzen Großregion nach der Leiche von Tanja Gräff – auch in Luxemburg. Und Kletterspezialisten seilten sich bei einer der Suchaktionen eben jenen Felsen hinab, unter dem die Tote jetzt gefunden wurde. Wieso fanden sie nichts?

Das Gebiet wurde 2007 abgesucht – ergebnislos

«Das Waldstück war damals nicht zugänglich», verteidigt sich Polizeidirektor Franz-Dieter Ankner. Eine Schlucht, die damals mit meterhohen Brombeerhecken bewachsen war, hätte den Zugang erschwert. Und auch von oben sei man wegen der dichten Vegetation nicht nah genug herangekommen. Die Suche mit einer Wärmebildkamera in einem Helikopter blieb ebenfalls ergebnislos. «Die Felsen reflektierten die Hitze», erklärt Ankner. Deshalb konnte sich das Bild eines Körpers auf den Bildschirmen nicht abheben.

Wie als Beweis führen die Polizisten eine Videoaufnahme vor. Der Film wurde von einem Hubschrauber aus kurze Zeit nach dem Verschwinden der Studentin gedreht: Die Kamera streicht über das Ufer von Pallien, schwenkt über das große Appartementhaus. Über einem kleinen Waldstück hält sie inne. Der Kameramann zoomt an den Flecken Erde kurz vor der Felswand heran. Es ist nichts ist zu sehen außer Bäume, Blätter und Gestrüpp. Acht Jahre später wird dort die Leiche von Tanja Gräff gefunden.

L'essentiel hält sie über die weiteren Ermittlungen auf dem Laufenden.

(Tobias Senzig/L'essentiel)

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