Schatzfund vor 25 Jahren

04. September 2018 08:49; Akt: 04.09.2018 14:33 Print

Als in Trier kiloweise antikes Gold im Eimer lag

TRIER - Eines Nachts sollen in Kneipen Freirunden mit Goldmünzen aus der Römerzeit bezahlt worden sein, erzählt man sich. Der einmalige Schatz ist heute im Museum ausgestellt.

storybild

Der Fund war eine Sensation. (Bild: Thomas Frey)

Zum Thema

Es ist der weltweit größte Fund römischer Goldmünzen: Als Prunkstück thront der Schatz mitten im Münzkabinett des Rheinischen Landesmuseums Trier. Der Trierer Goldschatz umfasst gut 2650 Münzen aus purem Gold und ist rund 18,5 Kilogramm schwer. Am 9. September ist es 25 Jahre her, dass der Sensationsfund auf abenteuerliche Weise geborgen wurde. Insgesamt 17 Finder waren daran beteiligt. Dem Direktor des Landesmuseums, Marcus Reuter, ist noch immer die Erleichterung anzumerken: «Eigentlich ist es ein Riesenwunder, dass der Schatz wieder fast komplett zusammengeführt werden konnte.»

Rückblick: Das antike Gold kam überraschend bei Bauarbeiten für ein Parkdeck in der ehemaligen Römerstadt zutage. Ein Baggerfahrer hatte beim Aushub das mit Goldmünzen gefüllte Bronzegefäß unbemerkt auseinandergerissen und einen Teil der Münzen mit der Erde weggefahren. Kurz darauf fanden Hobby-Archäologen an beiden Stellen die ersten Goldmünzen. Einer der Sucher entdeckte den «Löwenanteil»: das Unterteil des Gefäßes und einen großen Klumpen - aus rund 2000 Münzen. In Eimer und Plastiktüte verpackt brachte er den Fund dann ins Landesmuseum.

Ehrlicher Finder

«Das war unser Glück», sagt Reuter. Wenn sich der Hauptfinder nicht gemeldet hätte, wäre der Schatz vielleicht nie zusammengeführt worden. «Da darf man gar nicht drüber nachdenken.» Im Anschluss suchte man nach den anderen Findern, die nach und nach weitere Münzen abgaben.

Münzkundler gehen davon aus, dass der Schatz - so wie er seit nun fünf Jahren in Trier ausgestellt ist - zu mindestens 96 Prozent vollständig ist. Der Verbleib der möglichen restlichen Münzen sei unbekannt. «Es hält sich das Gerücht, dass in jener Nacht in Trierer Kneipen Freirunden mit Goldmünzen bezahlt worden sein sollen», sagt Reuter.

Bis zu fünf Millionen Euro wert

Der Trierer Goldschatz ist das wichtigste Exponat in der Dauerausstellung des Museums. «Wir haben ja schon ein international sehr hohes Level an Qualität der Funde, aber innerhalb des hohen Niveaus ist der Goldschatz noch mal ein absoluter Leuchtturm. Er ist eigentlich das Aushängeschild unseres Hauses.» Es kämen Besucher aus aller Welt, um ihn sich anzuschauen. «Man merkt schon, wenn die Leute davor stehen: Gold ist schon was Faszinierendes.» Sein Haus feiert das 25-jährige Fundjubiläum an Sonntag (9. September) mit einem bunten Programm - bei freiem Eintritt.

Vom Material her sei der Goldschatz zwischen drei und fünf Millionen Euro wert, schätzt Reuter. Sein archäologischer Wert dagegen ist nach Angaben der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz unschätzbar. Der Schatz habe damals die Münzwelt auf den Kopf gestellt: 88 neue Münztypen seien entdeckt worden - die Häufigkeit der bekannten Münzen veränderte sich.

Bagger legen Schatz frei

Die Münzen reichen vom Jahr 63/64 bis 196 - und sind je zwischen 5,8 und 7,6 Gramm schwer. Auf den Goldstücken sind insgesamt 27 römische Kaiser oder deren Verwandte abgebildet - von Kaiser Nero bis Mark Aurel.

Die Forscher fanden heraus, dass der Schatz wohl kein Privatvermögen war, sondern eine staatliche Kasse, die sorgsam verwaltet wurde. Während eines Bürgerkrieges im Jahr 196 n. Chr. wurden die Münzen in einem Keller vergraben und gerieten danach in Vergessenheit. Vermutlich habe der einstige Verwalter des Schatzes sein Wissen um das Versteck mit ins Grab genommen, teilt die Generaldirektion Kulturelles Erbe mit. Bis dann am 9. September 1993 der Bagger kam.

(L'essentiel/dpa)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pascal am 04.09.2018 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Egal wei ech hätt net all Menzen oofgin ech hätt eng gehaalen vir meng Privatsammlung.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pascal am 04.09.2018 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Egal wei ech hätt net all Menzen oofgin ech hätt eng gehaalen vir meng Privatsammlung.