Video-Vortrag

15. Oktober 2020 21:19; Akt: 16.10.2020 22:23 Print

Corinne Cahen hält Plädoyer für die Großregion

Die Krise hat die Bedeutung offener Grenzen wieder in den Vordergrund gerückt. Corinne Cahen und Peter Strobel haben über ihre Zukunftsvision für die Großregion gesprochen.

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Peter Strobel und Corinne Cahen wollen die Großregion als gemeinsamen Wirtschaftsraum stärken.

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Am Donnerstag haben sich Luxemburgs Ministerin für die Großregion, Corinne Cahen, und der Europaminister des Saarlands, Peter Strobel, zu einem Online-Vortrag zusammengefunden, um über die gemeinsame Zukunft der Großregionen zu sprechen. Einigkeit herrschte bei den beiden vor allem darüber, wie besonders die Beziehung der beiden «Länder» Luxemburg und Saarland ist. So besonders, dass nach Corinne Cahens Meinung nach 25 Jahren «Großregion» ein eigener Name für das Gebiet angebracht wäre.

Dass es den noch nicht gibt, könnte vielleicht auch daran liegen, dass das Saarland eben kein souveräner Staat ist, sondern zu Deutschland gehört – und damit nur bedingt eigene Entscheidungen treffen kann. Nicht zuletzt habe genau das zu den Grenzschließungen während der Pandemie geführt, wie Cahen und Strobel ausführen. Auch wenn die Ministerin diese Entscheidung Deutschlands mit Nachdruck anprangert, möchte sie die Geschehnisse als Chance begreifen. Laut ihr wurde dadurch noch einmal besonders deutlich, wie abhängig und wichtig die Grenzregionen von- und füreinander sind. «So konnten wir merken, dass es keine Normalität ist, offene Grenzen zu haben. Und man muss dafür kämpfen, dass diese Grenzen offen bleiben», lautet ihr Statement.

Peter Strobel bestätigt die Ministerin: «Wir wollen keine Grenzkontrollen mehr, die uns voneinander abschneiden.» Er sei stolz darauf, dass das Saarland, das aktuell die Präsidentschaft des Gipfels der Großregion innehat, und das Großherzogtum vieles miteinander regeln können, «aber man merkt die nationalstaatlichen Grenzen, wenn man auf Entscheidungen aus Berlin wartet.» Umso wichtiger ist es Strobel und Cahen, die Großregion für die Zukunft stärker zu machen und ihr Gewicht als gemeinsamer Wirtschaftsraum größer werden zu lassen.

«Versorgung darf nicht nationalstaatlich gedacht werden.»

Das könne der Ansicht beider nach nur durch mehr Kooperation in verschiedenen Bereichen passieren, sei es im Bildungswesen, dem Gesundheitswesen oder infrastrukturell. «Wir dürfen nicht mehr denken ‹jeder macht alles›, sondern müssen vernetzt denken», wie der saarländische Minister erklärt. «Wir brauchen nicht auf jeder Seite der Grenze eine Kläranlage», wird Cahen an anderer Stelle konkret.

Speziell im Gesundheitswesen müsse man stärker Hand in Hand arbeiten. So gebe es beispielsweise zwar bereits ein gemeinsames Traumanetzwerk zur Schwerverletztenversorgung, aber der saarländische Hubschrauber werde laut Strobel bisher jenseits der Grenze kaum angefordert. Und auch der Fachkräftemangel im Pflegebereich sei kein individuelles Problem, sondern ein gemeinsames, das man hofft mit mehr Zusammenarbeit im Ausbildungsbereich besser bewältigen zu können. «Versorgung darf nicht mehr nationalstaatlich gedacht werden», sagt Peter Strobel.

«Wir haben Lust zusammenzuwachsen.»

Besser zusammen bewältigen wollen das Saarland und Luxemburg deshalb künftig auch die Coronakrise, weshalb ein gemeinsamer Pandemieplan ausgearbeitet werde. Cahen sieht hier besonderes Potenzial zur Zusammenarbeit: Gemeinsame Experten, kompatible Corona-Apps und grenzüberschreitende Einsatzfahrten durch Krankenwagen. Die aktuelle Grenzregelung während der Pandemie, die den kleinen Grenzverkehr wieder möglich gemacht hat, sieht Strobel nur als Hilfskonstrukt. Auf Dauer müsse seiner Ansicht nach eine europäische Lösung geschaffen werden, die die spezielle Situation von Grenzregionen berücksichtigt.

Trotz Pandemieplan bleibt Corinne Cahens größte Hoffnung, dass die Krise bald überstanden ist und man sich wieder anderen Projekten widmen kann. So ist ein ambitioniertes Ziel, die Großregion gemeinsam zu einem interessanten Standort für Start-ups zu machen. Quasi als Standort für Zukunftsindustrie zwischen Paris und Berlin, wie sie sagt. Dafür müsse man mehr Wirtschaftskooperationen eingehen, auf ein starkes Bildungswesen bauen und gemeinsame Unternehmensnetzwerke schaffen. «Wir haben Lust zusammenzuarbeiten und zusammenzuwachsen», schließt die Ministerin ihr Plädoyer für ihre Zukunftsvision der Großregion, «ob mit oder ohne neuen Namen.»

(mei/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jang den Nettblannen am 16.10.2020 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Et wie mol besser Mme giff mol eppes hei am Land machen. Do heiert an geséit een d'Mme nett

  • Klaus am 16.10.2020 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    wéi,hun mir eng nei Aussenministech?Et stung awer nach neischt an der Press?

  • kaa am 16.10.2020 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ass d’madame nett och Familjen Ministesch? Huet sie en Plang fir Familjen ze hellefen déi durch corona an d’Labyrinthen komm sin, oder nach kommen: Beispill, Kuurzarbecht, solo Selbstständiger ouni Zousatz Mettelen vum Staat, Schoulen déi vläicht erem an e Lockdown kommen, etc? Zukunftsplangen wären ugesoot.

Die neusten Leser-Kommentare

  • kaa am 16.10.2020 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ass d’madame nett och Familjen Ministesch? Huet sie en Plang fir Familjen ze hellefen déi durch corona an d’Labyrinthen komm sin, oder nach kommen: Beispill, Kuurzarbecht, solo Selbstständiger ouni Zousatz Mettelen vum Staat, Schoulen déi vläicht erem an e Lockdown kommen, etc? Zukunftsplangen wären ugesoot.

  • Linda am 16.10.2020 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Hun sie schon laang net méi héieren an gesin! Mee net alleng Madame. Ass an da Chamber bestemt genau esoueen Duerchaneen wéi dobaussen... keen wees méi waat en kann an soll maan! Jiddereen huet eng aaner Meenung zu der Covidploo. ! Ass en Desaster! Alles drėit sech nach just em den Covid an déi aaner Problemer an Projėen gin benodeelejt! Europa ass en groussen Virus! Mir mattendran!

    • Luna am 16.10.2020 21:35 Report Diesen Beitrag melden

      Sie war bestemmt an der Quarantän, 40 Meint laang.

    einklappen einklappen
  • Klaus am 16.10.2020 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    wéi,hun mir eng nei Aussenministech?Et stung awer nach neischt an der Press?

  • Jang den Nettblannen am 16.10.2020 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Et wie mol besser Mme giff mol eppes hei am Land machen. Do heiert an geséit een d'Mme nett