Kein Griff ins Klo

31. Mai 2018 13:24; Akt: 31.05.2018 13:27 Print

Das Millionen-​​Geschäft mit mobilen Toiletten

NÜRBURG – «Rock am Ring», Sportspektakel, Baustellen: Überall sind Mobiltoiletten gefragt. Doch die Ansprüche ans stille Örtchen steigen.

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Mobiltoiletten bei «Rock am Ring»: Die Dixi-Klos bringen den beteiligten Firmen Millionen. (Bild: DPA/Thomas Frey)

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Ob Festival-Fans oder Rockstars – sie alle müssen einmal. Während die einen an ganz normalen Kabinen-Klos anstehen, bekommen die anderen mobile Luxusvarianten aus teurer Keramik und mit Bildschirmen. So auch jetzt wieder bei den Festivals «Rock am Ring» in der Eifel und «Rock im Park» in Nürnberg. Das Geschäft mit dem Geschäft ist ein Millionengeschäft – und hat in der Freiluft-Saison Hochsaison.

«Zwei Drittel des deutschen Mietmarkts mit Kabinen ist bei uns organisiert», teilt der Sprecher des zuständigen Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE), Bernhard Schodrowski, in Berlin mit. «Damit wird ein Jahresumsatz von mehr als 120 Millionen Euro erzielt.» Mehr als 140.000 Kabinen-Klos seien das. Inklusive der nicht im BDE vertretenen Anbieter «wird es vermutlich mehr als 200.000 Kabinen in Deutschland geben». Der Gesamtumsatz der Branche inklusive Container mit Spül-Klos und Toilettenwagen ist laut Schodrowski statistisch nicht erfasst.

Luxus-Container am Nürburgring

Komfort und hygienischer Standard seien über die Jahre gestiegen, versichert der BDE-Sprecher. Die Zeiten der Bretterbuden seien vorbei. Extremes Beispiel: die Luxus-Sanitärcontainer für die Stars bei «Rock am Ring» von Freitag bis Sonntag (1. bis 3. Juni) im VIP-Bereich am Nürburgring. Für die Bands Foo Fighters und Thirty Seconds To Mars beispielsweise sollten laut der verantwortlichen Firma Sani «teure Keramikanlagen» zur Verfügung stehen – neben Duschabtrennungen aus Glas sowie Bildschirmen mit der Live-Übertragung des Festivals über den Waschbecken.

Für die Festivalbesucher am Nürburgring sollte es laut Sani-Abteilungsleiter Soenke Jessen rund 800 mobile Toiletten geben – plus zahlreiche Sanitärstationen mit jeweils bis zu 100 Spültoiletten und Urinalen. «Wir sind der Dienstleister, der den ersten und letzten Kontakt zum Besucher hat», betont Jessen. «Natürlich sind die Headliner am wichtigsten – aber was bringt das, wenn die Besucher nicht richtig untergebracht sind?» Immerhin kosteten die Tickets für «Rock am Ring» um die 200 Euro.

Nur nicht in die Tiefe schauen

Sani-Sprecher Sören Gütschow weiß: «Die Ansprüche der Kids bei Festivals sind gestiegen.» Sie stünden lieber für eine Spültoilette im Container in einer Schlange an als in ein freies Kabinen-Plumpsklo daneben zu gehen. Ein älterer Spruch der Musikbranche lautet: «Bei Rockfestivals ist ein Klogang wie eine Bergwanderung: Nur nicht in die Tiefe schauen.»

Medienberichten zufolge hat der US-Soldat Fred Edwards 1973 in Deutschland das erste moderne mobile Klo in Europa gebastelt – und es Dixi genannt. Zehn Jahre später kam die Konkurrenz Toi Toi auf den Markt. 1997 fusionierten beide Marken zur Adco-Unternehmensgruppe. Diese ist heute nach eigenen Angaben Weltmarktführerin für mobile Sanitärlösungen – mit Sitz in Ratingen bei Düsseldorf.

Baustellen als Hauptkunden

Es tummeln sich auch sehr viele kleine Anbieter in der Branche. In St. Sebastian bei Koblenz beispielsweise sitzt ein Unternehmen mit dem sprechenden Namen «Latrinen Willi», mit Toilettenwagen für Veranstaltungen der Region. In Mainz war kürzlich ein kleiner Lastwagen voller mobiler Toiletten unterwegs – mit der sinnigen lateinischen Aufschrift «Pecunia non olet» (Geld stinkt nicht).

Größter Geschäftsbereich der Branche bleiben aber Baustellen. Der deutsche Bausektor brummt, das beflügelt die Anbieter mobiler Toiletten. Ein Sondereffekt war die Flüchtlingskrise. Weil vor allem Deutschland in kurzer Zeit sehr viele Asylbewerber unterbringen musste, sei die Nachfrage nach mobilen Toilettenhäuschen rasch gestiegen, schrieb Adco in einem früheren Lagebericht im Bundesanzeiger. Weitere Einsatzgebiete für mobile Toiletten: Militärgebiete. Auch Soldaten müssen mal.

(L'essentiel/dpa)

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