Nach dem Hochwasser

27. Juli 2021 21:53; Akt: 27.07.2021 21:53 Print

Deutschland kann Flut-​​Opfer teils nicht identifizieren

Die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat mindestens 179 Menschen das Leben gekostet. In vielen Fällen ist es nicht einfach, die Toten zu identifizieren.

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«Ich bin schon seit Jahren im Einsatz. Aber ich hätte mir nicht vorstellen können, so etwas in Deutschland zu erleben», sagt Helfer Innocent Töpper, der mehrere Tage lang im Hochwassergebiet unterwegs war. «Das sprengt alle Vorstellungskraft.»

«Was im Ahrtal geschehen ist, war eher ein Tsunami als ein Hochwasser», sagt Töpper mit Blick auf die zerstörerische Wucht des Wassers. Es seien nicht nur die Bilder, die den Bewohnern und Bewohnerinnen und Helfern und Helferinnen in den Köpfen blieben. «Es sind auch die Geräusche vom rauschenden Wasser und der Geruch nach feuchtem Mauerwerk, nach Schlamm und Verwesung», berichtet er.

Ohne Wohnhäuser kaum DNA-Vergleichsmaterial

Die umfassende Zerstörung des Wassers erschwert auch die Identifizierung der Opfer. Allein in Rheinland-Pfalz sei das bei 64 der 132 Toten noch nicht gelungen, sagte Innenminister Roger Lewentz bei einer Pressekonferenz des Krisenstabs im besonders schwer zerstörten Kreis Ahrweiler.

Aufgrund der Todesumstände seien in vielen Fällen «komplexe und zeitintensive Abgleiche von DNA oder Zahnstatus» nötig, so Innenminister Lewentz weiter. Dazu kämen bislang unbekannte Probleme: «Wenn man keine Wohnhäuser mehr hat, ist das mit dem DNA-Vergleichsmaterial auch sehr schwer».

Leichenwagen von Flut mitgerissen

Konnte eine Identifizierung abgeschlossen und die Leiche freigegeben werden, gestaltet sich auch die Bestattung in den Katastrophengebieten der beiden Bundesländern schwer, wie die deutsche Tagesschau berichtet. So fehle es vielerorts an Leichenwagen, da auch diese von den Fluten mitgerissen worden seien. Zudem könnten wegen der komplizierten Identifizierungen vereinzelt auch die Bestattungsfristen nicht eingehalten werden.

In vielen Gemeinden im Ahrtal, deren Infrastruktur teils völlig zerstört ist, sind weiterhin Tausende Rettungskräfte bei Aufräum- und Hilfsarbeiten im Einsatz. Auch die Helferinnen und Helfer haben jede Menge zu verarbeiten, wenn ihnen Bewohnerinnen und Bewohner von ihren schrecklichen Erlebnissen berichten, von dramatischen Szenen, von Toten, freigespülten Särgen.

«Die Einsatzkräfte sind zwar geschult, aber …»

Oder wenn sie Menschen bei der Identifizierung von Leichen begleiten oder Bewohnerinnen und Bewohnern zur Seite stehen, deren Haus abgerissen wird. «Die Einsatzkräfte sind zwar geschult und vorbereitet, aber was sie im Ahrtal erlebt haben, hat viele geschockt», sagt Helfer Töpper.

Immerhin: Trotz neuer Regenfälle über das Wochenende gab es schon größere Fortschritte bei der Räumung der riesigen Müll- und Trümmerberge. Mittlerweile kann die Bundeswehr dank der freigeräumten Straßen nun mit dem Aufbau provisorischer Brücken über die Ahr beginnen, welche die provisorischen Pionier-Panzerbrücken ersetzen sollen. Die Flut hatte mehr als 30 Brücken mit sich fortgerissen.

(L'essentiel/gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marco am 28.07.2021 00:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist einfach nur schlimm Wir zu Hause haben von den Medien mitbekommen und Bilder aus dem Fernsehen gesehen!! Das sind noch Welten weit entfernt von dem was real vor Ort die Betroffenen und Helfer erlebt haben und mitmachen müssen!! Mir tun die Leute einfach leid und wünsche denen viel Courage und notwendige Kraft um das zu verkraften und wieder normal leben zu dürfen

  • Mio am 28.07.2021 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann dir nur zustimmen :(

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mio am 28.07.2021 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann dir nur zustimmen :(

  • marco am 28.07.2021 00:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist einfach nur schlimm Wir zu Hause haben von den Medien mitbekommen und Bilder aus dem Fernsehen gesehen!! Das sind noch Welten weit entfernt von dem was real vor Ort die Betroffenen und Helfer erlebt haben und mitmachen müssen!! Mir tun die Leute einfach leid und wünsche denen viel Courage und notwendige Kraft um das zu verkraften und wieder normal leben zu dürfen