Saarbrücker Betreiber

07. Juli 2021 14:42; Akt: 07.07.2021 20:53 Print

«Die Öffnung der Clubs ist ein Wahlkampf-​​Gag»

SAARBRÜCKEN – Saarländische Clubbesitzer dürfen am kommenden Freitag wieder ihre Läden öffnen. Doch für viele werde es wohl bei «dürfen» bleiben, wie zwei Betreiber erzählen.

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«Der anhaltend positive Trend des Infektionsgeschehens macht weitere Erleichterungen und die Rücknahme von Beschränkungen im Rahmen unseres Saarland-Modells möglich. So kann unter anderem auch die Disco- und Clubszene wieder öffnen.» So lautete die für Clubbesitzer und -gänger zunächst freudige Mitteilung des saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU) am gestrigen Dienstag. Die Realität sieht für die Veranstalter offenbar anders aus: «Vermutlich kann kein Club wieder öffnen», sagt Sebastian Biewer vom Studio 30 in Saarbrücken. Doch warum?

Die saarländische Verordnung erlaubt unter anderem bis zu 250 Gäste, allerdings mit der Beschränkung auf eine Person pro fünf Quadratmeter. «Damit können wir 30 Gäste empfangen», rechnet Biewer vor, «wir brauchen zwischen 100 und 200, um kostendeckend zu arbeiten.» Für den Saarbrücker ist nicht nachvollziehbar, dass die Politik Erwartungshaltungen zu Cluböffnungen wecke, die kein Club wirtschaftlich erfüllen könne. «Die neuen Regelungen sind völliger Schwachsinn. Das lässt sich als reiner Wahlkampf-Gag einstufen», lautet seine Schlussfolgerung.

«Betriebsverbot durch die Hintertür»

Ähnlich geht es Tim Grothe, Besitzer des Mauerpfeiffer. «Die Verordnung ist vollkommen am Leben vorbei», erzählt er L'essentiel. Er könne so etwa 20 Gäste im Innenbereich empfangen – ein Zehntel dessen, was er bräuchte. Die Beschränkungen kommen für ihn einem «Betriebsverbot durch die Hintertür» gleich, kaum ein Club komme auf 1250 Quadratmeter. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass dabei jemand gedacht hat ‹ich will der Jugend etwas Gutes tun›», sagt Grothe. Besonders enttäuschend für ihn: Er sei sogar mit der CDU im Gespräch gewesen, welche Beschränkungen für Clubs denkbar wären, im Mauerpfeiffer habe es einen Ortsbesuch gegeben. «Und dann kommt sowas dabei raus.»

Sein Fazit: «Wir haben nach einer Perspektive gebeten – die gibt es immer noch nicht.» Er wünsche sich einen Plan, bei welcher Inzidenz man ohne Auflagen wieder öffnen dürfe. Die aktuelle Inzidenz im Saarland liegt laut Robert-Koch-Institut bei 7,1. «Ohne Auflagen» bedeute für Grothe allerdings «nicht kopflos, sondern verhältnismäßig». Er schlägt etwa eine prozentuale Clubauslastung und kontrollierten Einlass nach den 3-G-Regeln vor. Tanzen könne man schon auch mit Maske. «Aber nicht mit Abstands- und Quadratmeterregelungen». So sieht es auch Sebastian Biewer: «Ein Club lebt vom Austausch zwischen den Gästen und Tanzen zu lauter Musik». Die aktuellen Regelungen seien daher nicht nur schlecht durchführbar, «sie machen das Angebot auch für Gäste uninteressant», meint Biewer.

Der Mauerpfeiffer und das Studio 30 bleiben also trotz angekündigter Cluböffnung nach fast 16 Monaten weiter geschlossen. Tim Grothe verbringe derweil seine Zeit damit, erwartungsfreudigen Kunden abzusagen, die sich bei ihm meldeten, Sebastian Biewer setze seine Hoffnung in einen Clubstart zum Jahresende.

(Miriam Meinecke/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • packtiech am 07.07.2021 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Am besten die Leute noch zwingen 2 Masken zu tragen und noch paar Tests danach zu machen,man weiss ja nie,nicht dass vor den Wahlen der Inzidenzwert noch ansteigt( tut er sowieso aber die Politclowns kapieren das ja nicht)

  • DeMisch am 07.07.2021 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Virus lebt vom Austausch zwischen den Gästen und Tanzen zu lauter Musik siehe Luxemburg und das Resultat der Club Öffnung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • packtiech am 07.07.2021 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Am besten die Leute noch zwingen 2 Masken zu tragen und noch paar Tests danach zu machen,man weiss ja nie,nicht dass vor den Wahlen der Inzidenzwert noch ansteigt( tut er sowieso aber die Politclowns kapieren das ja nicht)

  • DeMisch am 07.07.2021 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Virus lebt vom Austausch zwischen den Gästen und Tanzen zu lauter Musik siehe Luxemburg und das Resultat der Club Öffnung.

    • @DeMisch am 07.07.2021 17:39 Report Diesen Beitrag melden

      Ah jo sëcher. Et gesäit een dass d'Kliniken eidel sin.

    • Mike am 07.07.2021 19:28 Report Diesen Beitrag melden

      es gibt zur Zeit viel Propaganda!

    • en letzebuerger am 08.07.2021 00:15 Report Diesen Beitrag melden

      @deMisch Im Stadion mit 50000 grölenden, feiernden Fans sagt sich das Virus, "oh , hier wird ja nicht getanzt , da gehe ich wieder"

    • @en Letzebuerger am 08.07.2021 12:20 Report Diesen Beitrag melden

      eben a kaum Infektiounen a kaum Lait an de Clinique'n!

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