Saarbrücken

16. April 2020 19:22; Akt: 16.04.2020 19:47 Print

Edeka und Kamera-​​Firma reagieren auf Fieber-​​Artikel

SAARBRÜCKEN – «Edeka Lonsdorfer» hat die Thermalkamera zur Fieber-Messung der Kunden abmontiert. Die Sicherheitsfirma verstrickt sich mit einer fingierten Anwalt-Mitteilung.

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Die Kunden des Saarbrücker Supermarkts Edeka Lonsdorfer in der Mainzer Straße werden seit Mittwochmittag nicht mehr per Thermalkamera auf Fieber gescreent. «Die übergeordnete Edeka-Zentrale, die sich in die Sache eingeschaltet hat, hat uns mitgeteilt, dass die Kamera inzwischen demontiert wurde», erklärt die saarländische Landesbeauftragte für Datenschutz Monika Grethel L'essentiel.

Deutschlandweites Medienecho

Damit reagiert die Einzelhandelsgruppe auf die Zweifel von Grethels Behörde an der Rechtmäßigkeit der Anfang April installierten Kamera, über die L'essentiel am Mittwochmorgen berichtet hatte («Supermarkt screent alle Kunden auf Fieber – illegal?»).

Das Unternehmen, das die Thermalkameras vertreibt und auch in der Saarbrücker Filliale installiert hatte, reagiert am Donnerstag auf den L'essentiel-Artikel und das anschließende regionale sowie deutschlandweite Medienecho (siehe Diashow) mit einer Pressemitteilung. Die «falsche Darstellung der Rechtslage» durch die Datenschutzbehörde könne man nicht hinnehmen, erklärt Mahmut Taşkiran, Geschäftsführer von Matec Sicherheitssysteme, «dazu haben wir Herrn Rechtsanwalt Prof. Dr. Joachim Schrey beratend hinzugezogen».

Anwalt widerspricht Firmen-Darstellung

«Das ist falsch!», erklärt Joachim Schrey auf Nachfrage von L'essentiel, «ich kenne weder die Firma Matec noch Herrn Taşkiran.» Vielmehr handelt es sich bei den juristischen Inhalten der Pressemitteilung um kopierte Passagen aus einem Online-Artikel des Honorarprofessors für Datenschutzrecht. Das Problem: Aus Schreys Artikel geht explizit hervor, dass auch seiner Auffassung nach der Einsatz von Thermalkameras in einem solchen Fall nicht rechtens ist.

«Es gibt etliche Gründe für erhöhte Körpertemperaturen, und etliche kranke Menschen haben keine erhöhte Körpertemperatur», erklärt Rechtsanwalt Schrey im L'essentiel-Interview am Donnerstag, «deshalb sind diese Kameras ein völlig ungeeignetes Mittel gegen Pandemien. Und ungeeignete Mittel darf man nicht einsetzen». Des Weiteren halte er – anders als von der Firma Matec behauptet – die Anlage auch nicht für datenschutzkonform.

Bemerkenswert: Das «DSGVO konform»-Siegel, das am Mittwoch noch die Firmenwebsite schmückte, ist über Nacht verschwunden (siehe Diashow).

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(Philip Weber/L'essentiel)

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