In Rheinland-Pfalz

15. Januar 2021 11:34; Akt: 15.01.2021 11:53 Print

Immer mehr Wölfe durchstreifen Wald und Flur

Wölfe wecken Urängste und faszinieren. Nach ihrer Ausrottung im 19. Jahrhundert lassen sie sich hier wieder immer mehr blicken. Auch im benachbarten Deutschland.

storybild

Bei vielen der in Rheinland-Pfalz gesichteten Tiere handelt es sich nach Einschätzung von Experten lediglich um Durchzügler, die sich nicht dauerhaft ansiedeln. (Bild: DPA/Alexander Heinl)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Wölfe kehren zurück. «Seit 2012 wurden insgesamt 16 Wolfs-Individuen in Rheinland-Pfalz nachgewiesen, davon drei Totfunde», teilt das Landesumweltministerium in Mainz mit. Die in Deutschland lange Zeit ausgerotteten Raubtiere bereichern die Artenvielfalt, erfreuen Naturschützer, reißen manchmal Schafe und versetzen Weidetierhalter in Aufregung. Auch mitten im Winter können jederzeit neue Wölfe auftauchen und Konflikte verschärfen. Sie sind streng geschützt.

«Es werden immer mehr. Ihr einziger Feind hier hat vier Räder», sagt der Vorsitzende des Landesverbands der Schafhalter/Ziegenhalter und Züchter, Werner Neumann. Der Schutz der scheuen Beutegreifer sei übertrieben: «Übergriffige Wölfe müssen sofort weg. Wir brauchen da nicht noch 50 Wolfsberater.» Breche eines der Raubtiere in eine Schafherde ein, seien nicht so sehr zwei oder drei gerissene Tiere das Problem. Vielmehr könnten laut Neumann auch Hunderte verängstigte Schafe auf eine Bundesstraße oder Bahnstrecke drängen und Unfälle mit menschlichen Todesopfern verursachen. Zudem könne es in einer traumatisierten Schafherde zu Totgeburten kommen.

100 Euro für eindeutigen Nachweis

Das Umweltministerium verweist auf seinen Wolfs-Managementplan mit Entschädigungen und Förderungen für Weidetierhalter in Rheinland-Pfalz. «Nachweislich wurden seit 2016 rund 52 Nutztiere durch den Wolf gerissen», teilt es mit (Stand Dezember 2020). Dafür seien rund 9000 Euro geflossen. In den Wolfs-Präventionsgebieten Westerwald und Eifel-West könnten Halter von Schafen, Ziegen, Rindern, Damtieren, Lamas, Alpakas und maximal einjährigen Hauspferden und -eseln Elektrozäune und Herdenschutzhunde bezahlt bekommen. Das gelte auch in einer rheinland-pfälzischen Pufferzone zum benachbarten nordrhein-westfälischen Wolfsgebiet Eifel-Hohes Venn. Mit diesen Maßnahmen solle die Akzeptanz für die Rückkehr des EU-weit gefährdeten Wolfes aufrechterhalten werden.

Im 19. Jahrhundert hatte ihn der Mensch in Deutschland ausgerottet. Seit der Jahrtausendwende verbreiten sich hier wieder Wölfe. Sie können 80 Kilometer in einer Nacht laufen. Etliche durchstreifen Rheinland-Pfalz wohl nur. Laut dem Mainzer Umweltministerium sind hier aus anderen Bundesländern, dem Alpenraum und Polen stammende Wölfe nachgewiesen worden. Ein Rudel mit zwei Elterntieren und einer vorerst unbekannten Zahl von im Jahr 2020 geborenen Welpen habe sich im Kreis Altenkirchen und im benachbarten nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis angesiedelt. Für eindeutige Nachweise von Wölfen etwa mit einem Foto zahlt das Land Rheinland-Pfalz 100 Euro. 2020 ist das nach Auskunft des Ministeriums viermal der Fall gewesen.

«Hier hat der Wolf nichts verloren»

Wölfe sind scheu. Seit ihrer Rückkehr ist laut Ministerium bundesweit keine Attacke auf Menschen bekanntgeworden. Der Naturschutzbund (Nabu) beklagt Ängste und Vorurteile. Diese Tiere hätten es daher schwer: «Immer wieder werden Wölfe illegal geschossen oder werden Opfer auf unseren Straßen, die ihren Lebensraum durchschneiden.» Der Nabu setzt sich vielfältig für die seltenen Tiere ein - Deutschland solle «zur sicheren Heimat für die Wölfe» werden.

Verbandschef Neumann sagt, Rheinland-Pfalz sei zu zersiedelt für diese großen Raubtiere – alle paar Kilometer gebe es ein Dorf: «Hier hat der Wolf nichts verloren. In der (ostdeutschen) Lausitz zum Beispiel ist es anders, da gibt es mehr Platz.» Die Elektrozäune um Schafherden in Rheinland-Pfalz seien im Ernstfall zu niedrig: «Wölfe können zwei Meter hoch springen oder Zäune auch untergraben.»

Menschliche Gesundheit steht vor dem Wolf

Auch der Landesjagdverband betont: «Rheinland-Pfalz ist aufgrund der vielen Straßen, Verkehrsachsen und intensiven Nutzung der Kultur- und Tourismuslandschaft kein Wolfserwartungsland mit geeigneten Lebensräumen.» Auch mit Wanderern und Hundehalten könne es zu Konflikten kommen. Zugleich spricht der Verband von «faszinierenden Tieren». Nach eigenen Worten steht er «zum Artenschutz einwandernder Wölfe und verurteilt illegale Tötungen und Aussetzungen».

Problemwölfe, die etwa Schafe reißen oder sich mehrfach Menschen sehr nähern, können getötet werden – jeder einzelne Abschuss muss aber erst genehmigt werden. Das Umweltministerium in Mainz erläutert: «Zu einer behördlichen Entnahme ist es bislang in Rheinland-Pfalz nicht gekommen.» Klar sei indessen: «Die Sicherung der menschlichen Gesundheit und seiner Existenzgrundlagen stehen vor dem Wolf.»

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken, warnte im August 2020: «Ohne eine konsequente Regulierung des Wolfsbestands wird die Haltung von Schafen, Ziegen, Rindern und Pferden auf der Weide in Deutschland zum Auslaufmodell werden, weil die Betriebe aufgeben.»

(L'essentiel/dpa)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pia am 17.01.2021 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschliche Gesundheit steht vor dem Wolf oder wahrscheinlech virun all Déier allgemeng NEE sécher net esou laang sech e Mënsch sech iwwerall amëschen ze kënnen, ass daat net esou!

  • jimbo am 16.01.2021 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @jimbo Sich der en aneren Numm.... Ech fannen och dass iwwerdriwwe gett.... de Mensch ass de Virus vum Planeit!

  • Abschießen u. ausrotten am 16.01.2021 00:47 Report Diesen Beitrag melden

    damit der Naturkreislauf beendet wird u. durch Menschenhand zerstört wird!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pia am 17.01.2021 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschliche Gesundheit steht vor dem Wolf oder wahrscheinlech virun all Déier allgemeng NEE sécher net esou laang sech e Mënsch sech iwwerall amëschen ze kënnen, ass daat net esou!

  • jimbo am 16.01.2021 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @jimbo Sich der en aneren Numm.... Ech fannen och dass iwwerdriwwe gett.... de Mensch ass de Virus vum Planeit!

  • Abschießen u. ausrotten am 16.01.2021 00:47 Report Diesen Beitrag melden

    damit der Naturkreislauf beendet wird u. durch Menschenhand zerstört wird!!!

  • De_klenge_Fuerzkapp am 15.01.2021 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder ein grosses Theater über Wölfe. Und dann noch: Zitat ''«Die Sicherung der menschlichen Gesundheit und seiner Existenzgrundlagen stehen vor dem Wolf.»'' . . . bei 90% der Menschen sind eh keine gesunden Gehirnzellen vorhanden und bei der Existent sind wir bei über 6 milliarden. Egal welches Tier, sie alle sollten Vorrang haben als wir. Immerhin wird das Gleichgewicht der Natur durch Tiere gehalten und nicht durch den unnützlichen Menschen.

    • jimbo am 15.01.2021 20:35 Report Diesen Beitrag melden

      dein Kommentar as unnütz. wann all Mensch esou wei du gengs denken, genge mir nach op den Bäm setzen.

    einklappen einklappen