Höhlensystem

12. September 2018 19:24; Akt: 12.09.2018 19:24 Print

Mendiger Unterwelt zwingt Anwohner aus ihren Häusern

MENDIG - Der Ort in der Osteifel steht gleichsam auf einem riesigen Schweizer Käse: Ein Höhlensystem durchzieht den Untergrund. Manche Bewohner erleben eine Überraschung.

storybild

Mendig ist nicht gerade auf solidem Fundament gebaut. (Bild: Thomas Frey)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Vor 14 Jahren hat Familie Gubenko in Mendig in der Osteifel ein Haus gebaut. «Wir haben gewusst, dass es hier viele unterirdische Hohlräume vom historischen Bergbau gibt», sagt Oleg Gubenko am Mittwoch. «Aber es wurde ein Bodengutachten gemacht und wir waren uns sicher, dass alles gut ist.» Von wegen. Im Frühling 2018 erlebt Familie Gubenko in dem neueren Wohngebiet einen Schock: Weil unter ihrem Anwesen und drei Häusern in der Nähe Hohlräume aus Sicherheitsgründen mit einem Spezialbeton verfüllt werden sollen, müssen sie und ihre Nachbarn während der Arbeiten bald vorübergehend ihre vier Wände verlassen. Niemand soll ein Unglück erleben.

Familie Gubenkos Nachbar Andreas Kiefer sagt: «Ich bin sprachlos. Wir wissen nicht, was in fernerer Zukunft mit unserem Haus sein wird.» Seine Mutter Nadja Kiefer ergänzt: «Wir wissen auch nicht, wo wir jetzt hinkommen.» Eine weitere Nachbarin, Elena Knaup, ergänzt: «Vier bis sechs Wochen lang müssen wir wohl raus. Im Oktober soll es losgehen. Wir können wohl in irgendein Ferienhaus gehen.» Die Kosten begleicht laut der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord die Stadt und die Verbandsgemeinde Mendig.

Riesiges Abbaugebiet

Knaup deutet auf ihre Häuserzeile: «Nur wir sind betroffen. Die Häuser auf der anderen Straßenseite nicht.» Oleg Gubenko ist immerhin froh, «dass das Land Rheinland-Pfalz die Kosten der Bodensicherung übernimmt und nicht wir darauf sitzen bleiben».

Mendig hat ein halbes Jahrtausend Basaltbergbau in dem erkalteten Lavastrom eines vor 200.000 Jahren ausgebrochenen Vulkans erlebt. Helmut Koll, Leiter des Museums Lava-Dome und des Besucherbergwerks der Stadt Mendig, sagt: «Von hier aus sind Mühlsteine als Exportschlager in die ganze Welt geliefert worden. Das ursprüngliche, unterirdische Abbaugebiet war 390 Fußballfelder groß.»

Lagerung von Bier

Im 19. Jahrhundert nutzten bis zu 28 Brauereien die Felsenkeller mit einer konstanten niedrigen Temperatur zur Lagerung ihrer Bierfässer. Etwa die Hälfte der Unterwelt ist laut Koll noch heute erhalten. Manchmal erlebten die Bürger von Mendig Überraschungen, beispielsweise vor 30 Jahren, als auf dem Sportplatz unverhofft ein Loch klaffte. So etwas sorgt für Unruhe.

Seit 2011 hat das Land laut der SGD Nord fachliche Erkundungen des Landesamts für Geologie und Bergbaus mit rund 1,5 Millionen Euro finanziert. Hohlräume mit einer Gesamtfläche von 200.000 Quadratmetern wurden flächendeckend vermessen, kartiert und ihre Standsicherheit detailliert festgehalten. Mit Bohrungen wiesen die Experten acht unzugängliche Hohlräume nach. Für die betretbaren Felsenkeller wurden Eingänge zum Teil erneuert. Das Netz von Messpunkten zur Kontrolle der Stabilität erweiterten die Fachleute erheblich.

Schutz von Kulturgut

Bei verschlossenen Hohlräumen können die Fachleute die Standsicherheit nicht genau beurteilen. Deshalb entschieden sie laut SGD Nord, für die Erschließung eines größeren Hohlraums einen neuen Schacht zu bauen sowie die zwei kleineren Hohlräume unter jenen Häusern zu verfüllen, deren Bewohner deshalb bald kurzzeitig umziehen müssen. Die Kosten betragen nach den Angaben voraussichtlich rund 2,5 Millionen Euro und sollen ebenfalls vom Land übernommen werden.

Der Mendiger Verbandsgemeinde-Bürgermeister Jörg Lempertz spricht von einzigartigen und atemberaubenden Felsenkellern. Es gehe um den «Schutz dieses weltweit bedeutenden Kulturgutes» bei gleichzeitig verbessertem Schutz für gefährdete Anwohner. Am Dienstagabend informierten Experten auf einer Bürgerversammlung in Mendig ausführlich über die Probleme der Unterwelt des Osteifel-Städtchens.

(L'essentiel/dpa)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kenni77 am 12.09.2018 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffen et Leit kennen erem an hiert doheem :( An ween Gelegenheet huet op Mendig zegoen , en gudden Tip Vulkanbrauhaus matt hierem eegenen Beier an lecker Iessen . an dei Basaltkelleren sin phänomenal. An den Laacher Sei en flotten Treppeltour

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kenni77 am 12.09.2018 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffen et Leit kennen erem an hiert doheem :( An ween Gelegenheet huet op Mendig zegoen , en gudden Tip Vulkanbrauhaus matt hierem eegenen Beier an lecker Iessen . an dei Basaltkelleren sin phänomenal. An den Laacher Sei en flotten Treppeltour