In Rheinland-Pfalz

22. August 2017 11:52; Akt: 22.08.2017 13:06 Print

Offiziell weniger Tierquäler – aber hohe Dunkelziffer

MAINZ - Immer wieder müssen die Behörden eingreifen, um Tiere vor ihren Haltern zu retten. Die Zahlen sinken zwar, doch Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

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Ein leicht erkennbarer Fall von Vernachlässigung: Wer seinen Hund bei sommerlichen Temperaturen im Auto einsperrt, setzt ihn ganz schnell sogar potenzieller Lebensgefahr aus. (Bild: DPA/Stephan Jansen)

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Hunde mit gebrochenen Pfoten, hungernde Kühe, kleine Kätzchen im Müll: Wegen des Verdachts auf Tierquälerei sind im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz 41 Strafverfahren eingeleitet worden. Das geht aus Zahlen des Umweltministerium in Mainz hervor. In den Jahren zuvor gab es mit 60 Fällen 2015 und 64 Fällen 2014 noch mehr Verfahren. Das Ministerium beruft sich auf die Veterinärbehörden im Land, weswegen Verfahren nicht berücksichtigt sind, die von der Polizei direkt und nicht vom Veterinäramt eingeleitet wurden.

Christiane Baumgartl-Simons, Vorsitzende des Tierschutzbeirates Rheinland-Pfalz, kann der sinkenden Anzahl von Strafverfahren aber nicht nur Positives abgewinnen. «Fakt ist, dass es eine hohe Dunkelziffer an Verstößen gegen Tierschutzvorschriften gibt, die nicht verfolgt werden», sagt die Tierärztin und sieht den Grund dafür insbesondere in fehlendem Personal. «Die Veterinärämter müssen immer mehr Rechtsvorschriften kontrollieren, dafür steht aber immer weniger sachkundiges Personal zur Verfügung.»

Überwiegend Fälle in Privathaushalten

Die meisten Strafverfahren der vergangenen drei Jahre sind nach Ministeriumsangaben wegen des Verstoßes gegen die Paragrafen 1 und 2 des Tierschutzgesetzes eingeleitet worden. Dazu gehört das Zufügen von länger anhaltenden oder sich wiederholenden erheblichen Schmerzen oder Leiden, Vernachlässigung mit Todesfolge oder Misshandlung. Für insgesamt 118 Strafverfahren sind zudem Angaben über den Tatort gemacht worden. Demnach waren von Tierquälerei überwiegend Tiere in privaten Haushalten (97 Verfahren) betroffen.

Die Kreisverwaltung Bad Kreuznach stellt für ihren Bereich besonders oft fest, dass Tiere nicht ausreichend gefüttert und Erkrankungen nicht behandelt werden. Grund dafür seien meist Geldmangel, Unwissen oder Gleichgültigkeit. Auch im Kreis Alzey-Worms ist nach Angaben der Kreisverwaltung häufig Unkenntnis die Ursache für Tierquälerei, hinzu kämen Empathielosigkeit und Rohheit.

Beirat sieht gestiegenes Bewusstsein

Der Tierschutzbeirat, der in Rheinland-Pfalz anstelle eines Tierschutzbeauftragten fungiert, sieht das Bewusstsein für den Schutz der Tiere dennoch gestiegen. «Veterinärämter und Tierschutzorganisationen merken dies auch, weil sie deutlich mehr Hinweise über "schlechte Tierhaltungen" bekommen», stellt Baumgartl-Simons fest, mahnt aber zugleich: Das vermehrte Bewusstsein werde erst dann zum Erfolg für die Tiere, wenn daraus Taten folgen. «Im Fall des Katzenelends heißt das: Ich als Halter lasse meine Katze kastrieren, parallel dazu erlassen Kommunen Kastrations- und Registrierpflicht für Katzen und die Politik schafft dafür die Rechtsgrundlage.» Von dieser Hand-in-Hand-Arbeit für die Tiere sei man aber meilenweit entfernt.

(L’essentiel/dpa)

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